Alles Gemüse, oder was? | Coopzeitung
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Titelgeschichte

Alles Gemüse, oder was?

Der Januar steht mit der weltweiten Aktion Veganuary ganz im Zeichen der veganen Ernährung. Wir liefern Aufklärung für jeden Tag. 31 Fragen und Antworten zum Thema.

11. Januar 2021
 Die Auswahl an Kuhmilch-Alternativen ist gross: Bei Coop gibt es u.a. Produkte aus Soja, Reis, Mandeln oder Hafer.

 Die Auswahl an Kuhmilch-Alternativen ist gross: Bei Coop gibt es u.a. Produkte aus Soja, Reis, Mandeln oder Hafer.

Vegetarisch für Fortgeschrittene

1. Veganu-was?

Veganuary ist eine Wortschöpfung aus den beiden Worten vegan und dem englischen «January» für Januar. Aussprechen tut man es: wigänjuari.

2. Was macht man im Veganuary?

Man ernährt sich einen Monat lang ohne tierische Produkte. Die Kampagne wurde 2014 in Grossbritannien ins Leben gerufen und möchte möglichst viele Menschen dazu ermutigen, ihre Ernährung für einen Monat (oder auch länger) umzustellen.

3. Was ist vegan überhaupt?

Eine vegane Lebensweise kommt völlig ohne Produkte tierischen Ursprungs aus. Das beinhaltet etwa Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Milchprodukte, Eier und Honig in der Ernährung, aber auch Kleidung oder Gebrauchsgegenstände aus Wolle, Leder, Seide oder Horn.

4. Weshalb entschliesst man sich für diesen Lebensstil?

Befragungen zeigen, dass der Entscheid hauptsächlich wegen des Tierwohls, dem Umweltschutz oder der eigenen Gesundheit erfolgt.

5. Wo liegt der Ursprung des Wortes vegan?

Der Engländer Donald Watson (1910–2005), Gründer der Vegan Society, prägte den Begriff als Erster. Er bildete ihn aus dem Anfang und dem Ende von veg-etari-an, weil «Veganismus mit Vegetarismus beginnt und ihn zu seinem logischen Ende führt», wie er argumentierte.

6. Wer ernährt sich vegan?

Eine neue Umfrage zeigt, dass sich im Jahr 2020 hierzulande rund drei Prozent der Menschen vegan ernährten, drei Viertel davon sind Frauen.

Umfrage

Wie lange könnten Sie sich ausschliesslich vegan ernähren?

etwa eine Woche 41%
keinen Tag 36%
etwa einen Monat 8%
ein halbes Jahr 5%
Ich esse nur vegan 2%
keine Angabe 8%

Quelle: Repräsentative Meinungsumfrage Link/561 Interviews


Gesundheit und Ernährung

7. Ist eine pflanzenbasierte Ernährung dasselbe wie eine vegane Ernährung?

Umgangssprachlich meint man damit dasselbe. Der Ausdruck pflanzenbasiert ist jedoch nicht genau definiert und kann unterschiedlich ausgelegt werden. Meist versteht man darunter eine zu 100 Prozent pflanzliche Ernährung. Im Gegensatz dazu ist Veganismus eine ganzheitliche Lebenseinstellung mit dem Verzicht auf jegliche tierische Produkte (vgl. Punkt 3).

8. Hat eine pflanzenbasierte Ernährung einen positiven Einfluss auf die Gesundheit?

Aktuell gibt es erste Studien zu vegetarischer Ernährung mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln. Sie zeigen, dass sich diese und die häufig damit verbundene Lebensweise (Nichtraucher, sportlich aktiv, wenig Alkohol) positiv auf das Herzkreislauf-System, den Bluthochdruck und das Gewicht auswirken.

9. Bekommt man durch diese Ernährung einen Vitaminmangel?

Solange sie ausgewogen und abwechslungsreich ist, nicht. Es gibt aber eine Ausnahme: Vitamin B12. Da es ausschliesslich in tierischen Lebensmitteln vorkommt, muss man es bei langfristiger pflanzenbasierter Ernährung zusätzlich einnehmen.

10. Ausser Vitamin B12, welche Nähr- und Mineralstoffe können bei veganer Ernährung kritisch sein?

Auf die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren aus hochwertigem Öl, Eisen, Calcium, Jod, Zink und Proteinen muss man besonders gut achtgeben.

11. Leiden Veganer denn nicht besonders oft an Eisenmangel?

Studien deuten darauf hin, dass Veganer bei ausgewogener Ernährung kein höheres Risiko für einen Eisenmangel aufweisen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Viel Eisen enthalten Soja, Tofu, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Kerne.

12. Gibt es Personengruppen, für die eine solche Ernährungsform weniger geeignet ist?

Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie Senioren, Kranke, Schwangere, Stillende oder Kinder wird die vegane Ernährung nicht empfohlen.

 Neugierige Schweizer: Rund ein Drittel der Befragten kauft pflanzenbasierte Alternativen einfach zum Ausprobieren.

13. Wie versorgt man sich ausreichend mit Proteinen?

Indem man über den Tag verteilt vier Portionen von unterschiedlichen pflanzlichen Proteinquellen wie Soja (etwa Tofu, Edamame oder Sojadrink), Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Kartoffeln und Nüsse isst. Beispiele für Portionengrössen gibt der Flyer «Vegan leicht gemacht» unter www.coop.ch/broschueren.

14. Verliert man mit einer rein pflanzlichen Ernährung nicht Muskelmasse?

Wichtig ist nicht nur eine genügende Aufnahme von Proteinen, sondern auch die abwechslungsreiche Auswahl und das entsprechende Training. Spitzensportler wie der Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton (36), Ex-Leichtathlet Carl Lewis (59), Tennisspielerin Venus Williams (40) oder die Nummer Eins des Männertennis Novak Djokovic (33) ernähren sich vegan, ohne von körperlichen Einschränkungen zu berichten.

15. Braucht es bei einer dauerhaften Umstellung auf vegane Ernährung Nahrungsergänzungen?

Vitamin B12 muss eingenommen werden (vgl. Punkt 9). Wenn gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel andauernde Müdigkeit, auftreten, ist ein Besuch beim Arzt sinnvoll. Dieser entscheidet, ob und welche weitere Nahrungsergänzung Sinn macht.

16. Wo kann ich mich über die vegane Ernährung informieren?

Informationen zu kritischen Nährstoffen, gesunder Ernährung und weitere praktische Hinweise findet man bei der Veganen Gesellschaft Schweiz (www.vegan.ch) oder auch bei der Interessenvertretung der vegetarisch und vegan lebenden Menschen in der Schweiz, der Swissveg (www.swissveg.ch).

17. Welchen Effekt hat eine pflanzenbasierte Ernährung auf die Umwelt?

Experten sind sich einig, dass man mit der Umstellung auf eine rein pflanzliche Ernährung den ökologischen Fussabdruck deutlich reduziert. Genauere Infos dazu liefert beispielsweise der WWF auf www.wwf.ch.

18. Avocados aus Israel, Cashewnüsse aus Indien, Quinoa aus Peru…: das ist doch nicht klimafreundlich, oder?

Grundsätzlich ist eine pflanzenbasierte Ernährung klimafreundlicher als eine mit tierischen Lebensmitteln. Problematisch kann bei Produkten aus Übersee unter anderem der Anbau (Wasserverbrauch) und der Transport (Flugzeug) sein. Je regionaler, saisonaler und biologischer man sich ernährt, desto besser ist es für die Umwelt. So dürfen die Naturaplan-Produkte von Coop, die mit der Knospe von Bio Suisse zertifiziert sind, nicht mit dem Flugzeug transportiert werden.

19. Funktioniert eine vegane Ernährung denn nach dem Grundsatz regional/saisonal?

Das funktioniert, setzt aber einiges an Wissen und Planung voraus. Saisonkalender helfen bei der Auswahl, zum Beispiel der von Coop unter www.coop.ch/broschueren.


Küchentechnisch

20. Gibt es auf der Verpackung ein Zeichen, damit man vegane Produkte beim Einkauf gut erkennt?

Ja, das V-Label und die Veganblume sind international anerkannte Qualitätssiegel. Ein fehlendes Label bedeutet aber nicht, dass das Produkt nicht vegan sein kann.

21. Müssen Veganer nicht auf Einiges verzichten?

Viele Veganer berichten, dass sie seit der Ernährungsumstellung abwechslungsreicher essen. Ausserdem gibt es immer mehr Alternativen zu kaufen. Bei den Milchprodukten oder beim Fleisch ist die Auswahl besonders gross.

22. Wie funktioniert veganes Kochen?

Im Internet findet man zahlreiche vegane Rezepte, z.B. bei www.fooby.ch/vegan. Als Alternative zum Ei verwendet man oft Banane, Butter kann durch Margarine oder Pflanzenöl, Kuhmilch durch Pflanzenmilch, Honig durch Ahornsirup und Gelatine durch Agar-Agar ersetzt werden.

23. Ist Hefe vegan?

Frisch- und Trockenhefe sind vegan, da es sich dabei um einzellige Mikroorganismen handelt. Diese zählt man zu den Pilzen.

Laut einer Studie von Coop verzichten 36 Prozent der Befragten mehrmals pro Woche bewusst auf tierische Lebensmittel. Damit gehören sie zu den Flexitariern.

24. Wie steht es mit Wein?

Als Klärmittel verwenden Winzer meist Gelatine oder andere Produkte tierischen Ursprungs. Diese sind im fertigen Wein zwar nicht mehr enthalten, trotzdem ist der Wein dann nicht vegan. Es gibt jedoch inzwischen auch andere, vegane Verfahren.

25. Und was ist mit Bier?

Auch hier ist der Einsatz von tierischen Klärmitteln grundsätzlich möglich, wenn auch sehr selten. Jedoch kann Bier tierische Zutaten wie Honig enthalten, diese sind in der Zutatenliste ersichtlich.


Pflanzenbasierte Ernährung bei Coop

26. Welche Produkte sind besonders beliebt?

Pflanzenbasierte Burger machen bei Coop bereits mehr als einen Fünftel des gesamten Burger-Umsatzes aus und der Anteil des veganen Poulet-Geschnetzelten beträgt im Vergleich zum tierischen Produkt neun Prozent.

27. Hat sich das Kaufverhalten der Coop-Kunden während des Lockdowns im Frühling in Bezug auf vegane Lebensmittel verändert?

Im Frühjahr wurden bei Coop so viele pflanzenbasierte Ersatzprodukte eingekauft wie noch nie. Über das ganze Jahr gesehen, probierten über 30 Prozent der Leute, die pflanzenbasierte Ersatzprodukte gekauft haben, diesen Sortimentsbereich zum ersten Mal aus.

28. Wer kauft diese Produkte am häufigsten ein?

Frauen entscheiden sich häufiger für alle Kategorien dieses Sortiments als der Durchschnitt; bei den Käsealternativen ist der Unterschied am höchsten. Frauen unter 30 und zwischen 50 und 60 Jahren sind besonders stark vertreten.

29. Aus welchen Gründen kaufen Kunden keine veganen Ersatzprodukte ein?

37 Prozent sagen, dass sie das «Original» bevorzugen. Und 13 Prozent geben an, dass ihnen der Ersatz nicht schmeckt.

30. Auf welche tierischen Lebensmittel könnten die Befragten am wenigsten verzichten?

Die Studie hat ergeben, dass die Hälfte am wenigsten auf Fleisch verzichten könnte (49 Prozent), gefolgt von Milch (36 Prozent) und Käse (25 Prozent).

31. Wie entwickelt sich der Konsum von pflanzenbasierten Ersatzprodukten?

41 Prozent der Befragten denken, dass sie in fünf Jahren häufiger als heute solche Lebensmittel konsumieren werden.

Quellen: Statista.com, wwf.ch, vegan.ch, Marktforschungsstudie von Coop zum pflanzenbasierten Genuss in der Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Link Institut: Online-Befragung von 2247 Personen im Alter von 15 bis 79 Jahren in der ganzen Schweiz.