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Interview

Der Zauberer von Sz

Der Zauberkünstler Peter Marvey gehört in die oberste Liga der Illusionisten, sein Zuhause sind die Bühnen der Welt. Im Herzen aber ist er Schweizer geblieben, er lebt im Kanton Schwyz und liebt alle Arten von Käse.

11. November 2019

Wettbewerb

Tickets für Peter Marvey zu gewinnen

Wir verlosen 5 x 2 Tickets für die Show «Starts of Illusion. Peter Marvey & Friends» in der Maag-Halle in Zürich (freie Terminwahl).

Im Gewerbegebiet von Feusisberg SZ hat der Magier Peter Marvey (48) vor zehn Jahren ein Theater gebaut, das Magic- House. Er selber wohnt auch dort in einem Apartment. Vom Wohnungseingang führt eine Showtreppe aus Plexiglas in den Wohnbereich. «So kann ich permanent Treppensteigen üben für meine Bühnenauftritte», meint der Illusionist, der mit bürgerlichem Namen Peter Wollenmann heisst. Im Dezember wird er seine Show in der Zürcher Maag-Halle aufführen und dort Dinge zeigen, für die sein eigenes Theater zu klein ist: zum Beispiel ein schwebendes Auto.

Peter Marvey, sind Sie eigentlich Zauberer, Magier oder Illusionist?

Ich bezeichne mich als Illusionisten. Wir schaffen besondere Effekte, Kunststücke mit Menschen, mit Autos und grossen Requisiten. Ich erfinde auch Illusionen, und zwar von Grund auf. Leider werden die weltweit fleissig kopiert, das lässt sich fast nicht verhindern.

Sie sagen: Fast nicht verhindern ...

Inzwischen habe ich die Taktik geändert und veröffentliche auch die Kopien. So sieht man meine Nummern und weiss, das ist eine Marvey-Nummer. Das hat etwas geholfen. Seither habe ich viel mehr Anfragen, ob eine Nummer geschützt ist und ob man sie nachmachen dürfe. Vorher hat niemand gefragt.

Können Sie Ihre Ideen verkaufen?

Ja. Ich habe zum Beispiel Illusionen für die japanische Sängerin Ayumi Hamasaki entwickelt und an sie verkauft. Die zeige ich selber nicht. Was ich zeige, soll einmalig in meiner Show sein, das gebe ich nicht weiter. Und was ich für andere mache, führe ich nicht selber auf.

Sie sind ausserhalb der Schweiz als Illusionist gross geworden. Warum?

Ich habe früh neue Dinge gemacht oder bestehende Zaubertricks weiterentwickelt. Weil selbst die Jury meine Tricks nicht durchschaute, habe ich Wettbewerbe gewonnen. 1993 gewann ich einen Zauberer-Wettbewerb im deutschen Böblingen. Danach ging es los. Ich wurde am selben Abend für elf Destinationen gebucht, von Tokio bis Las Vegas. Die Schweiz kam erst mit dem Bau des Magic-House in Feusisberg in den Fokus.

«Meine Illusionen werden oft kopiert, das lässt sich fast nicht verhindern.»

 

Was unterscheidet den international erfolgreichen Illusionisten, der Sie sind, vom Zauberer auf einem Schulfest?

Die Illusionen, die wir zeigen, sind ohne Ausnahme Originalnummern, die man sonst nirgends sieht. Die Idee, dass ein Mensch verschwindet, ist zwar immer gleich. Aber unsere Art der Illusion kann man nirgends sonst sehen. Hinzu kommt: Wir machen eine Show. Das Licht, die Tänzerinnen, die Kostüme und Requisiten spielen zusammen. Ich will, dass das Publikum sich einfach zurücklehnen und geniessen kann.

Was ist das Verrückteste, das Sie auf der Bühne machen?

Ein richtiges Auto schweben lassen. Diese Nummer kann ich nur in der Maag-Halle zeigen, dafür ist mein Theater zu klein. Oder die Flying-Nummer, wenn ich selber fliege wie Peter Pan.

Warum verwenden Sie keinen Zauberstab mehr?

Ich habe ihn mir implantieren lassen. (Lacht.)

Haben Sie den «Zauberberg» von Thomas Mann gelesen?

Nein. Aber ich habe in einem Musikgeschäft mal nach Musik gefragt, die sich zum Zaubern eignet. Darauf habe ich die «Zauberflöte» von Mozart bekommen. Das ist zwar schöne Musik, hat aber nicht funktioniert. Fürs Zaubern brauche ich eher atmosphärische Musik.

Ihre Lieblingsfigur aus Asterix und Obelix?

Natürlich Miraculix, der den Zaubertrank braut.

Soll man die Zauberformel im Bundesrat verändern?

Ich bin grundsätzlich für Veränderung, man kann sie ohnehin nicht aufhalten.

Sie sind viel unterwegs, essen viel auswärts, sind aber in guter Form geblieben. Gibt es dafür ein Zaubermittel?

Ja. Und das verrate ich sogar: Ich treibe viel Sport. Ich mache jeden oder fast jeden Tag etwas: Kraftübungen, Lauftraining. Und eine Treppe renne ich immer hinauf. So kann ich mein Gewicht seit meinem 18. Lebensjahr halten.

Was zaubern Sie auf den Tisch, wenn Sie Freunde zum Essen einladen?

Eines meiner Lieblingsgerichte ist Green-Thai-Curry. Ich mag es scharf. Und es ist nicht schwierig zu kochen mit den richtigen Zutaten ...

... wenn man das Curry nicht selber herstellen muss?

Genau. Aber das machen in Thailand auch die wenigsten. Grundsätzlich koche ich lieber einfache Dinge, die ich für mich adaptiert habe.

Warum adaptiert?

Ich esse, seit ich zwei Jahre alt war, keine Früchte, ausser Limonen, Zitronen, Avocado und Kokosnuss.

Woher kommt diese Abneigung gegen Früchte?

Das weiss niemand. Ich mag sie einfach nicht. Vielleicht ist es das Süsse, Intensive, das Früchte manchmal haben. Am schlimmsten ist eine überreife Ananas. Aber ich muss ergänzen, dass ich sonst sehr aufs Essen achte und mich gesund ernähre. Was ich vermeide, sind Desserts und ganz allgemein Süssigkeiten. Ich könnte tonnenweise Schokolade essen, aber mit 18 habe ich das gestoppt und verzichte seither auf Süsses.

Ein Mann mit strengen Prinzipien. Wieso so absolut?

Als Illusionist muss ich sportlich sein. Eine konsequente Lebenshaltung hilft.

Sie sagen, dass Sie gesund und bewusst essen. Was bedeutet das?

Ich esse viel Gemüse und Salat und wenn immer möglich Bio-Produkte, auch Fleisch kommt auf den Teller, vor allem weisses Fleisch, Fisch und Geflügel, wenig Rind und gar kein Schwein.

Kein Schwein?

Nein. Mein Arzt hat mal gemeint, das sei nicht gut für mich. Ich weiss bis heute nicht, ob das stimmt. Vieles ist Einbildung, als Zauberer weiss ich das. Aber ich halte mich daran. Es ist ja kein grosses Problem.

Na ja. Es gibt Länder, da wird sehr viel Schwein gegessen.

Richtig. Einmal war ich bei einem Produzenten von knuspriger Schweinehaut in Guatemala und hätte das kosten sollen. Das war etwas heikel, ich musste die Dinger verschwinden lassen ...

... für einen Zauberer sollte das ja kein Problem sein.

Doch. Ich war permanent umringt von Menschen. Das war selbst für mich etwas schwierig.

Wie oft sind Sie zu Hause in Feusisberg?

Rund die Hälfte meiner Zeit. Es kam aber auch schon vor, dass ich sechs Monate hintereinander permanent weg war.

Da schätzt man die Hausmannskost wahrscheinlich umso mehr. Was essen Sie zu Hause am liebsten?

Alle Arten von Käse. Ich weiss, Käse kann man nicht als extrem gesund bezeichnen, aber das muss einfach sein. Da versuche ich gerne immer wieder etwas Neues.

Peter Marvey, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Globetrotter

Peter Marvey wurde 1971 als Peter Wollenmann in Zürich geboren. Schon während der Mittelschulzeit fing er an zu zaubern. Sein Architekturstudium brach er bald zugunsten der Zauberei ab. Mit 22 gewann Marvey einen Zauberer-Wettbewerb in Böblingen (D), worauf er gleich für elf Destinationen weltweit engagiert wurde. Bis heute trat er auf fünf Kontinenten und in 50 Ländern auf, so auch mit Siegfried & Roy und Helene Fischer. Marvey lebt heute in Feusisberg SZ.