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Interview

«Es ist ein gutes Gefühl, körperlich unschlagbar zu sein»

Mit Vorurteilen hat die Zürcher Fitnesstrainerin Cindy Landolt oft zu kämpfen. Wie sie damit umgeht und warum sie sich trotz strikten Trainings fast jeden Abend ein Glas Wein gönnt.

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Christoph Kaminski
13. Juli 2020

Powerpaket

Cindy Landolt

2005 wurde Cindy Landolt Zweite bei der Miss-Zürich-Wahl. 15 Jahre und über 20 Kilo später ist sie vom zierlichen Model zur international gefragten Fitness­trainerin aufgestiegen. Unterwegs, im eigenen Gym in Zürich und über Social Media bringt die verheiratete 35-Jährige weltweit Kunden und Fans ins Schwitzen.

Ihr Bizeps hat einen Umfang von 37,5 Zentimetern, die Oberschenkel von 63 Zentimetern. Die fast 1,80 Meter grosse Fitnesstrainerin Cindy Landolt ist optisch wortwörtlich eine Wucht. Eine Frau, die viele Männer beim Armdrücken alt aussehen lässt. Vorgefasste Meinungen sind da vorprogrammiert. Doch als wir die 35-Jährige vor ihrem Fitnessstudio im Zürcher Seefeld treffen und sie uns mit einem natürlichen Lachen herzlich begrüsst, sind die Vorurteile wie weggeblasen.

Cindy Landolt, was muss ich tun, damit ich so ein Sixpack bekomme?

(Lacht.) Wenn man nur trainiert, um ganz bestimmt auszusehen, wird es schwierig, das Ziel zu erreichen. Das klingt vielleicht komisch, vor allem, wenn ich das sage: Aber ein perfektes Sixpack ist nur bis zu einem gewissen Grad befriedigend. Man muss Freude am Training haben und viel Disziplin.

Frauen und Muskeln passen für viele immer noch nicht zusammen. Steckt hinter Ihren Muskeln auch ein Meitli?

Ich war früher voll das Meitli. Ich hatte ein pinkes Velo, spielte mit Bäbis, machte gerne Frisuren. Aber ich bin auch mit Sport aufgewachsen. Mit vier Jahren hat mich meine Mutter das erste Mal in eine Ballettstunde mitgenommen. Zur gleichen Zeit habe ich mit Kunstturnen angefangen, danach rhythmische Sportgymnastik gemacht.

Hatten Sie auch wilde Phasen?

Ich war nie der grosse Partytiger. Ich hatte eine kurze und intensive Phase, in der ich einigermassen regelmässig in den Ausgang ging. Doch die war schnell vorbei. Denn ich wusste: Am Samstag war Trainingstag. Und am Sonntag stand ich auf den Ski, ging wandern oder mit meinem Vater biken. Da geht man nicht erst um zehn Uhr, sondern um sechs Uhr los.

Neben dem Sport haben Sie ziemlich jung mit Modeln angefangen, 2005 den zweiten Platz bei der Miss-Zürich-Wahl gemacht.

Da bin ich so reingerutscht. «Du bist hübsch, probier das doch aus», hat man mir gesagt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht meine Welt ist. Immer wieder hörte ich, dass ich schlanker sein sollte: «Mach nicht zu viel Sport, Muskeln sind nicht attraktiv!» Und mit 16 Jahren, da war ich noch nicht an einem Punkt, wo ich mich gut fühlte, wie ich war, und mir egal war, was die anderen über mich sagten.

Wie ist das heute?

Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich weiss nicht genau, was damals der Auslöser war, aber ich kam einfach an einen Punkt, an dem ich dachte: Alles, was mir nicht passt, das mache ich nicht mehr. Ich wusste, dass ich Power in den Beinen hatte, dass es mir Spass macht, mich körperlich zu verausgaben. So kam ich zum Krafttraining.

Krafttraining gilt ja für einige als typischer Männersport.

Vor allem früher, ja. Aber Kraft ist voll mein Ding! Ich fand es toll, dass ich stärker werden konnte. Wenn du körperlich unschlagbar bist, gibt dir das auch im Kopf ein gutes Gefühl. Als ich mit 16 Jahren das erste Mal in ein Fitness­center kam, gab es noch nicht viele Frauen, die Krafttraining machten. Der Typ, der mich herumführte, hat mir dann erklärt, dass das etwas für Männer sei. Das hat mir gar nicht gepasst.

Andere wollen abnehmen, Sie aber haben über zwanzig Kilo zugenommen. Vor allem Muskelmasse. Wie haben Sie das geschafft?

Mit viel Disziplin. Ich habe auch schon in meinem Fitnessstudio geschlafen. Die Arbeitstage waren lang, und der Tag startete so früh, da war es ganz bequem, sich auf die Matte zu legen. Ich trainierte viermal in der Woche, achtete auf die Ernährung. Heute ist das immer noch so. Ich bin aber nicht mehr so verbissen.

Fühlen Sie sich jetzt schön?

Ich fühle mich viel besser und selbstsicherer als früher. Ich mag athletische Körper, für mich müssen die Proportionen einfach stimmen, deshalb habe ich mir auch die Brüste vergrössern lassen. Ich bin jetzt zufrieden mit mir. Aber egal, wo man körperlich ist, man findet immer etwas, das einem nicht passt.

Trotzdem zeigen Sie sich gerne freizügig in den sozialen Medien.

Ja, ich provoziere gerne. Aber ich habe nie trainiert, nur um mich danach auf sexy Bildern zu zeigen. Ich habe vor ein paar Jahren Fotos machen lassen und sie auf Facebook gestellt. Wortwörtlich über Nacht hatte ich plötzlich Tausende von Freundschaftsanfragen. Da habe ich gemerkt, dass die Leute daran interessiert sind, wie ich aussehe.

«So sehr ich bei mir selber ein Ideal verfolge, so finde ich auch Menschen attraktiv, die mal über die Stränge schlagen können, ohne Angst zu haben, das Sixpack zu ruinieren.»

Cindy Landolt

Jetzt sind es allein auf Instagram über 600 000 Follower. Da gibt es bestimmt auch negative Stimmen.

Ja klar. Man kann es nicht allen recht machen. Ich bin mir bewusst, dass ich auf vielen Bildern im knappen Bikini zu sehen bin. Doch ich bin stolz auf meinen Körper. Ich zeige mich gerne und weiss auch, ich ecke damit an.

Verletzten Sie die negativen Kommentare gar nicht?

Nicht mehr. Ich erhalte so viele positive Rückmeldungen. Wenn es dann auch einmal eine «Knolle» gibt, die findet, ich sehe aus wie ein Mann oder ich bin gruusig, dann ist das okay. Ich meine, sehen wir es so: Früher war ich zu dünn, jetzt zu muskulös. Egal, was ich mache, es gibt immer jemanden, der findet, das ist schlecht.

Sind Sie eitel?

In Bezug auf den Körper ja. Ich bin sehr selbstkritisch. Aber ich verurteile nicht andere, weil sie ein Pölsterchen zu viel haben. So sehr ich bei mir selber ein Ideal verfolge, so finde ich auch Menschen attraktiv, die mal über die Stränge schlagen können, ohne Angst zu haben, das Sixpack zu ruinieren.

Hand aufs Herz: Haben Sie diese Angst nicht auch?

Nicht mehr. Da ich so viele Jahre hart trainiert habe, kann ich mir auch mal einen Ausrutscher erlauben.

Was ist ein Ausrutscher? Eine Pizza?

Es ist nicht so, dass ich es kaum erwarten kann, eine Pizza zu essen. Ich genehmige mir aber hin und wieder gerne mal eine grosse Portion Spaghetti mit Tomaten­sauce und Käse. Ich trinke auch fast jeden Abend ein Glas Rotwein. Das ge­nies­se ich. Ein Glas Wein, ein Pouletbrüstli, ein Stück Käse und ich bin glücklich.

Können Sie sich vorstellen, mal etwas anderes zu machen?

Einen komplett anderen Job als den der Fitnesstrainerin? Nein, auf keinen Fall. Im Büro wäre ich eine Vollkatastrophe.

Cindy Landolt, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.