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Interview

«Glauben Sie an die Liebe?»

Nikolaj Coster-Waldau wurde der breiten Masse durch die Erfolgs-TV-Serie «Game of Thrones» bekannt. Im Interview verrät er, dass er ein grosser Romantiker ist.

07. Juni 2020
Ein Mann mit Persönlichkeit und romantischer Ader: Nikolaj Coster-Waldau.

Ein Mann mit Persönlichkeit und romantischer Ader: Nikolaj Coster-Waldau.

Fantasy-star

Zwei Töchter, zwei Hunde

Der dänische Schauspieler Nikolaj Coster-Waldau (49) verkörperte ab 2011 in der Fantasy-Serie «Game of Thrones» die Rolle des Jaime Lennister. Er ist mit der Schauspielerin und Ex-«Miss Greenland» Nukâka Motzfeldt (49) verheiratet; die beiden haben zwei Töchter und zwei Hunde. Ab 11. Juni ist Coster-Waldau in den Schweizer Kinos im Drama «Suicide Tourist» zu sehen. Dabei mimt er den schwer erkrankten Max, der an einem unheilbaren Gehirntumor leidet.

Nikolaj Coster-Waldau, ich wurde gebeten, keine Fragen zu «Game of Thrones» zu stellen.

Wirklich?

Ja, wirklich. Wie fest nervt es denn, immer wieder Fragen zu «Game of Thrones» beantworten zu müssen?

Das nervt überhaupt nicht. Ich bin sehr dankbar für die Jahre mit dieser Serie. Sie hat mir ermöglicht, in Filmen wie jetzt aktuell «Suicide Tourist» mitzuspielen. Aber auch, dass ich während eines ganzen Tages mit so wundervollen Leuten wie Ihnen reden kann.

Sie sterben in der Serie in den Armen Ihrer grossen Liebe und Schwester Cersei Lannister. Ganz ehrlich: Hätten Sie sich für Ihre Rolle als Jaime Lannister nicht ein anderes Ende gewünscht?

Es war ja nicht so, dass wir uns unser Ende in der Serie hätten aussuchen können. Aber so, wie es dann endete, fand ich es fantastisch.

«Es war ja nicht so, dass wir uns unser Ende in Game of Thrones hätten aussuchen können.»

 

Das klingt so, als hätten Sie selber nie an Ihrem Ende bei der Serie herumstudiert. Dabei liess Autor George R. R. Martin die ganze Zeit Hauptfiguren sterben …

Na ja, es gab da dieses Gerücht, dass Jaime seine Schwester irgendwann tötet. Aber ich glaubte nie daran. Schliesslich war sie seine grosse Liebe. Als es wirklich so geschehen sollte, hätte ich mir gewünscht, dass sie es lebend aus den Trümmern schaffen. Sie hätten wenigstens versuchen können, den herunterfallenden Steinen zu entkommen.

Sind Sie ein Romantiker?

Sind wir das nicht alle? Mögen Sie Romantik?

Ja, ich schätze mal, ein bisschen schadet nicht.

Aber Sie glauben an die Liebe? Lieben Sie Ihre Kinder?

Ja klar! Und Sie?

Natürlich! Ich meine, darum geht es ja im Leben. Zu leben bedeutet zu lieben.

In Ihrer Filmografie fallen die Kontraste auf. Sie machen Hollywoodblockbuster, Serien wie «Game of Thrones» und dann wieder Arthouse Movies wie «Suicide Tourist», der jetzt in die Kinos kommt. Wieso?

Weil ich selber Vielfalt liebe. Entscheidend ist, dass mich ein Film reinzieht. Filme wie «Suicide Tourist» locken nicht Hunderte von Millionen Menschen ins Kino. Müssen sie auch nicht. Das ist das Wundervolle der heutigen Zeit: Man hat so viele Möglichkeiten, ohne gleich in eine Schublade gesteckt zu werden. Man darf eine doofe Hollywood-Romcom, also eine romantische Liebeskomödie, und einen alternativen Schweizer Film gleichermassen geniessen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Rollen aus?

Da entscheide ich spontan. Ich lese ein Drehbuch und denke mir: Das will ich machen! Manchmal auch nur wegen der Schauspieler, die mitwirken. Ich wollte zum Beispiel unbedingt mit Juliette Binoche arbeiten. Das reichte mir schon als Kriterium für die Zusage zum Film «Tausendmal gute Nacht».

In «Suicide Tourist» spielen Sie Max, einen schwer depressiven Mann, der an einem Gehirntumor erkrankt ist und beschliesst, sich das Leben zu nehmen. Das ist ziemlich schwere Kost. Weshalb haben Sie diese Rolle übernommen?

Es war ein sehr überraschendes, interessantes Drehbuch, ausserdem wollte ich unbedingt mit dem Regisseur Jonas Alexander Arnby arbeiten. Ich habe die Handlung aber hauptsächlich als Liebesgeschichte zwischen Max und seiner Frau Laerke verstanden.

Womit wir wieder bei Ihrer romantischen Ader wären.

Die habe ich offenbar tatsächlich. Ich mag Liebesgeschichten. Wie gesagt: Liebe ist das Allerwichtigste in unserem Leben. Sie gibt uns allen Hoffnung. Auch Max, die Hauptfigur des Films, braucht diese Hoffnung, um sich am Schluss doch dafür zu entscheiden, weiterzuleben. Selbstmord ist schlussendlich immer eine egoistische Entscheidung. Die Filmfigur hat aber auch Angst vor dem Unbekannten – wie wir alle.

«Nichts ist wichtiger im Leben als Liebe. Sie gibt uns Hoffnung.»

 

Da hilft nur eins: Lernen, die Kontrolle abzugeben.

Genau dies lernt Max zum Schluss des Films: Er beginnt seiner Frau Laerke zu vertrauen. Vielleicht gefiel mir die Rolle deshalb so gut. Ich selber lebe einen sehr unsteten Lifestyle, ich reise des Berufs wegen sehr viel. Deshalb habe ich oft das Bedürfnis, alles in meinem Leben zu kontrollieren. Ich muss immer wieder lernen, dass das nicht funktioniert. Liege ich da richtig?

Auf jeden Fall. Besonders wenn man eine Familie hat.

Die Familie, das Leben ... eigentlich ist alles chaotisch, oder?

Nikolaj Coster-Waldau, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.