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Interview

«Mein Traum wäre Mario Barth in Arosa»

Er hat das Bärenland geschaffen und gehört laut «Bilanz» zu den 100 wichtigsten Persönlichkeiten der Schweizer Wirtschaft. Tourismusdirektor Pascal Jenny über Arosa vor, während und nach Corona.

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Yannick Andrea
13. Juli 2020
Beim Bergkirchli in Arosa hält Pascal Jenny Ausschau nach Gästen: Er kanns gelassen angehen: Sie kommen.

Beim Bergkirchli in Arosa hält Pascal Jenny Ausschau nach Gästen: Er kanns gelassen angehen: Sie kommen.

Pascal Jenny, der Tourismus ist aus der Corona-Starre erwacht. Wie munter ist Arosa im Moment?

Sehr munter. Schon an Auffahrt und über Pfingsten, als es die ersten Lockerungen gab, kamen viele Gäste, obwohl Zwischensaison war. Es herrscht richtiggehend Aufbruchstimmung.

Erwarten Sie bis Ende Jahr ein kleines Minus oder einen grossen Einbruch?

Ein kleines Minus. Wenn man die Nachfrage sieht, steht uns ein guter Sommer bevor. Arosa hatte immer einen hohen Inlandanteil bei den Gästen, das zahlt sich jetzt aus. Was fehlt, sind die Events.

Wie haben Sie den Lockdown als Privatperson erlebt?

«Man hat plötzlich viel mehr Präsenz vor Ort.»

 

Reinigend. Man hat plötzlich viel mehr Präsenz vor Ort. Ich reise im Job sehr viel, das ist komplett zum Erliegen gekommen. Es ergaben sich dafür vertiefte Gespräche hier in Arosa. Nach zwei, drei Wochen hat mir die Betriebsamkeit allerdings gefehlt. Zum Glück musste ich dann doch ab und zu nach Zürich.

Während des Lockdowns?

Ja. Während der Corona-Krise musste ich einmal sogar in Zürich übernachten. An der Rezeption eines Hotels habe ich gefragt, ob ich der einzige Gast sei. «Nein, nein», sagte die Concierge, «mit Ihnen sind noch drei Männer in unserem Hotel, die es zu Hause nicht mehr aushalten.»

Worauf sind Sie stolz in Arosa?

Es ist eine Leistung, dass ein 2500-Seelen-Dorf zu den Top-Tourismusmarken in der Schweiz gehört. Da wurde viel gute Arbeit geleistet.

In den letzten zwölf Jahren unter anderem durch Sie. Was sind Ihre persönlichen Highlights?

Der Erfolg des Aroser Bärenlandes übertrifft die kühnsten Erwartungen.

Inwiefern?

Seit der Eröffnung des Bärenlandes haben sich die Frequenzen der Bergbahnen im Sommer verdoppelt und die Logiernächte sind zweistellig gewachsen.

War das eine spontane Idee?

Dabei sollten Ruhe, Natur und Tiere im Zentrum stehen.»

 

Ja, es war sehr spontan. Wir wollten den Sommer fördern. Dabei sollten Ruhe, Natur und Tiere im Zentrum stehen. Bei den Tieren haben wir allerdings eher an Eichhörnchen und Steinböcke gedacht, nicht an Bären. In diesem Prozess stiess ich auf einen Zeitungsbericht, dass der Bärenpark Bern zwei junge Bären zu vergeben habe, für die kein Platz mehr sei. Aus Jux habe ich noch am selben Abend eine Medienmitteilung verfasst, dass wir das Problem der Berner Bären lösen können. Ich hatte null Strategie, aber das Projekt hat plötzlich Fahrt aufgenommen.

Nun sind andere Bären hier.

Ja, Bern fand eine andere Lösung. Dafür hat die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» mit uns Kontakt aufgenommen. Sie retten Bären aus schlechten Verhältnissen. Jetzt ist unser Bärenland ein Tierschutzprojekt geworden.

Wie steht es um das Arosa Humorfestival. Ist es finanziell gesichert?

Es ist abhängig von Sponsoren. Aber der Anlass ist für Arosa so wichtig, den würden wir nie fallen lassen.

Der einstige Lückenfüller in der Vorsaison ist so wichtig geworden?

Bei aller Freude an den Bären und am Skifahren: Wir werden in der Schweiz übers Humorfestival definiert. Es würde viel Wirkungskraft verloren gehen.

Ihre Lieblingscomedians, die hier schon aufgetreten sind?

«Als Kind war ich ein grosser Fan von Mani Matter.»

 

Ich gelte ja als einer, der den einfachen Humor mag. Das zumindest hält mir Festivalleiter Frank Baumann vor. Ich mag Peach Weber, Divertimento, Marco Rima und Lapsus. Wobei noch zu diskutieren wäre, was einfacher Humor ist. Als Kind war ich ein grosser Fan von Mani Matter.

Wen wollen Sie unbedingt mal in Arosa sehen?

Mein Traum wäre Mario Barth. Sein Humor ist hart und einfach. Aber den können wir nicht zahlen.

Frank Baumann würde ihn wohl auch nicht engagieren, wenn er das Budget dafür hätte.

Das ist ein guter Einwand. Frank ist für das Programm zuständig, und ich sage ihm jeweils: «Das Ziel muss sein, dass das Zelt voll ist!» Das gibt schon Diskussionen. Aber Frank sagt ja immer, es sei ihm egal, wer unter ihm Kurdirektor sei.

Gibt es Herzensprojekte, die Sie noch nicht umsetzen konnten?

«Während der Finanzkrise 2008 wollten wir eine eigene Währung einführen, den Arosa Taler.»

 

Einiges. Während der Finanzkrise 2008 wollten wir eine eigene Währung einführen, den Arosa Taler. Das wäre ein Projekt gewesen, um Stammgäste zu binden. Das haben wir nicht geschafft. Lustigerweise haben wir etwas Ähnliches im April lanciert, ein Gutschein-System für Käufe bei jedem Anbieter in Arosa mit zehn Prozent Corona-Bonus der Gemeinde. Das zweite Projekt, das hoffentlich kommt, wenn wohl auch nicht mehr in meiner Generation, ist die Bahnverbindung nach Davos.

Was passiert mit dem Sommertourismus in Arosa?

Der nimmt stark zu. Die Urdenbahn, die Arosa und Lenzerheide verbindet und die für die Skifahrer gebaut wurde, wird zum Beispiel für die Biker immer wichtiger. Worauf wir wohl alle in Zukunft setzen müssen, sind die E-Mountainbikes.

Führt das nicht zu Konflikten zwischen Bikern und Wanderern?

Kaum. Wir versuchen, Nadelöhre zu entflechten, indem wir die Biketrails neben die Wanderwege legen. Bis jetzt sind die Biker sehr respektvoll. Sie wissen, dass Arosa vor allem ein Wandergebiet ist.

Sie haben früher erfolgreich Handball gespielt. Waren Sie ein giftiger Gegenspieler?

(Lacht verschmitzt.) Ja, das war ich.

Wie zeigte sich das?

Ich bin für einen Handballer eher klein, zwar schnell und wendig, aber klein. Ich wurde oft als Manndecker eingesetzt und bin meinem Gegner auf den Füssen herumgetrampt. Das Ziel war, ihn zu stören, zu nerven, zu provozieren. Das gelang mir recht gut.