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Interview

«Tinder finde ich grauenhaft»

Die Moderatorin Gülsha Adilji (34) entlockt ihren Gesprächspartnern gerne Unerwartetes. Hier gibt sie selber Überraschendes preis: Wofür sie ihr letztes Geld ausgibt und warum sie telefonieren doof findet.

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Kostas Maros
13. Juli 2020
Gülsha Adilji macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt – dazu gehört auch, dass sie sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Gülsha Adilji macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt – dazu gehört auch, dass sie sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Gülsha Adilji, Mykonos am Meer oder schwedische Wälder?

Ganz klar schwedische Wälder.

In den Norden für die Ferien?

In den Norden für die Ferien. Aber auch wegen des nordischen Typs: blonde Schweden. Blaue Augen sind egal. Eigentlich der Schweizer 08/15-Mann. (Lacht.)

Haben Sie schon einmal einen Liebesbrief erhalten?

Einen richtig klassischen Liebesbrief, mit dem mir jemand seine Liebe offenbart hat, leider nicht. Aber einen erzwungenen Liebesbrief habe ich schon erhalten, nachdem ich gesagt habe: «Hey, wäre es nicht schön, mal einen Liebesbrief zu bekommen?»

Im Alltag verbringe ich zu viel Zeit mit …

… meinem Handy.

Gegenmassnahmen?

Leider fruchten die Gegenmassnahmen überhaupt nicht. Ich nehme mir zwar vor, vor dem Schlafengehen zu lesen, anstatt blöde TikTok-Videos anzuschauen. Doch vergeblich. Und wenn ich im ÖV unterwegs bin, versuche ich, mehr aus dem Fenster zu sehen, statt auf den Bildschirm. Eine Tramfahrt ist nämlich ein schöner Zeitpunkt, um Gesehenes zu reflektieren, denn durch das Handy prasseln zu viele Informationen auf uns ein.

Wenn Sie aus dem Jahr 1920 in unsere Zeit reisen würden, worüber würden Sie am meisten staunen?

WC-Spülungen. Wenn ich damals geboren worden wäre, könnte ich nicht einschätzen, wie krass ein Handy ist. WCs aber hatte man schon damals.

Lesen, schauen oder hören?

Hören. Freunden zuhören und keine Angst davor haben, nachzufragen, wenn ein Thema heikel wird. Ich habe das Gefühl, dass sich jeder jemanden wünscht, der einem zuhört und für einen auch in schlimmen Situationen da ist. Zuhören und nachfragen braucht Mut. Ich ermutige alle, mutiger zu sein.

Fahren Sie Auto?

Nein, ich habe mich aktiv gegen die Auto­prüfung entschieden und fahre Velo.

«Mit dem E-Bike alle zu überholen – irgendwie peinlich.»

 

Ihre Haltung gegenüber E-Bikes?

Wie viel Zeit haben wir? Ich spaziere oft auf den Üetliberg. Wenn E-Biker an mir vorbeifahren, verdrehe ich die Augen. Bin ich mit dem Velo unterwegs und ein E-Bike rauscht an mir vorbei, nervt mich das aber so richtig. Mit dem E-Bike alle zu überholen – irgendwie peinlich. Vielleicht bin ich aber nur neidisch, dass mir für ein E-Bike das Geld fehlt.

Haben Sie schon einmal so sehr einen über den Durst getrunken, dass Sie ein Blackout hatten?

Ja, natürlich.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Nach einem Blackout? Couscous-Salat, den ich mir im Delirium zubereite. Das ist nährstoffreich und fein. Ansonsten ist mein Lieblingsessen Brokkoli. Ich liebe Brokkoli – das beste Gemüse der Welt.

Auf welche Art bereiten Sie Ihren Brokkoli zu?

Haltet euch fest! Mit Öl, Knoblauch und Gewürzen mariniert und anschliessend im Ofen gebacken, wird er knusprig und einfach göttlich!

Haben Sie Pflanzen in Ihrer Wohnung?

Ja, aber keine davon gehört mir. Ich wohne momentan abwechslungsweise in Zürich und in Berlin. Da sollte ich mich in der Vergangenheit einmal um die Pflanzen der Vermieter kümmern. Ich habe es tatsächlich geschafft, sie alle verkümmern zu lassen. Die Pflanze, die mein Mitbewohner nun in unserer Wohnung in Zürich hat, ist absolut Gülsha-konform: Die kann man zwei Wochen vergessen, dann einmal mit Wasser tränken und schon kommt sie wieder.

Wofür würden Sie Ihre letzten 100 Franken ausgeben?

Für richtig guten Wein oder Prosecco. Ich würde mich mit dem Wein an einen schönen Ort setzen und zuschauen, wie die Welt untergeht.

Mit einem Glas Wein dem Weltuntergang zuschauen?

Eher mit einer Flasche oder zwei.

Text-, Sprachnachricht oder anrufen?

Priorität eins: Text. Priorität zwei: Sprachnachricht. Nicht auf der Liste: telefonieren.

«Okay, ja, gut, ja dann sehen wir uns, okay, ja gut, okay, tschüüüüüüss, ciao!»

 

Wieso nicht?

Telefonieren ist eine Kunst, die der Floskeln bedarf, mit Vorspiel, Hauptteil und Nachspiel, und das ist vor allem eins: nervig. Vom «Hallo, gehts gut?» muss man den Rank zum eigentlichen Thema finden – und dann das Ende mit Abschlussworten einleiten: «Okay, ja, gut, ja dann sehen wir uns, okay, ja gut, okay, tschü-üüüüüss, ciao!» Dieses Hin und Her, bei dem ich das Tempo des Gesprächs nicht bestimmen kann, nervt.

Wer wäre Ihr Wunschgast für die Online-Sendung «Nahtalk-Erfahrungen», die Sie moderieren?

Roger Federer. Er ist eine Art Übermensch. Was er für unglaubliche Leistungen erbringt und wie er nebenher sein Familienleben führt, aber auch sein Charisma – das ist alles faszinierend. Wir fragen ihn immer wieder für die Sendung an, aber es ist noch nie eine Antwort zurückgekommen.

Wie finden Sie Online-Dating?

Tinder finde ich grauenhaft, weil du weisst, dass neben dir noch so viele andere Leute angemeldet sind. Da bist du nichts Spezielles. Ich habe die App trotzdem auf meinem Handy, allerdings nicht für den persönlichen Gebrauch … (Lacht.) Ehrlich jetzt. Erst kürzlich habe ich in Berlin einen Tinder-Sketch gemacht, wofür ich die App installiert habe.

Sie sprechen in den Medien nicht über Ihr Liebesleben. Könnte es also sein, dass Sie verheiratet sind und zwei Kinder haben?

Ja, mit Roger Federer. Wir bauen gerade ein Haus am See.

Was ist ein No-Go auf Instagram?

Ich finde es verheerend, was für ein Frauen- und Männerbild die Influencer- Bewegung schafft! Es wird nur ein Teil der Wirklichkeit gezeigt: Dass man gerade beim Coiffeur gewesen ist, wo man seine Ferien verbracht hat, was für tolle falsche Wimpern man verwendet, dass man ein Sixpack hat. Kurz: immer schön und glücklich. Das hat so wenig mit dem zu tun, was einen Menschen ausmacht. Und das Schlimme daran ist, dass viele junge Männer und Frauen das Gefühl haben, dass es im Leben nur darum geht.

Wenn Sie von drei Personen den Instagram-Account managen könnten, wer wäre das?

Die Accounts dreier Ex-Freunde. Nicht dass ich drei Ex-Freunde hätte! (Lacht.) Oder den Account eines Schwarms. Oder den Account einer Freundin oder eines Freundes, mit der oder dem ich gerade Streit habe – um zu sehen, was sie so lästern.