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Interview

«Wenn du so eine steile Karriere hinlegst, kannst du kein Tubel sein»

Art Furrer und Hausi Leutenegger im ersten gemeinsamen Interview: über spektakuläre Casinoabende mit Klaus Kinski, ihre bewundernswerte Fitness und das Ausharren in einer 30 Meter tiefen Gletscherspalte.

FOTOS
Valentin Flauraud
13. Juli 2020
Art Furrer beim Fototermin am Genfersee zu Hausi Leutenegger: «Ich kann nicht einmal schwimmen.»

Art Furrer beim Fototermin am Genfersee zu Hausi Leutenegger: «Ich kann nicht einmal schwimmen.»

Die erste Generation der Schweizer Boulevard-Prominenz dünnt sich langsam aus. Zwei allerdings scheinen unverwüstlich: Art Furrer (83) und Hausi Leutenegger (80). Die erfolgreichen Unternehmer und Paradiesvögel kennen sich seit Jahrzehnten, an unzähligen Promi-Anlässen kreuzten sich ihre Wege. Ein gemeinsames Interview haben sie aber noch nie gegeben. Das soll sich hiermit ändern. Beide sind sofort dabei. «Man muss mir nur sagen, wo ich hinkommen soll», sagt Furrer begeistert am Telefon. «Das Interview findet bei mir zu Hause am Genfersee statt!», befiehlt Leutenegger.

Zwei Wochen später ist es so weit: Art Furrer erscheint mit Cowboyhut, seinem Markenzeichen, «denn nur mit ihm fühle ich mich frei». Hausi Leutenegger begrüsst ihn mit dem Ellbogen, aber deswegen nicht minder herzlich. Er gibt den Gastgeber und den Takt vor: «Legen wir los! Es gibt viel zu erzählen.»


Art Furrer, was fällt Ihnen spontan zu Hausi Leutenegger ein?

Art Furrer: Der Hausi kommt aus ähnlichen Familienverhältnissen wie ich, er hat sich ebenfalls hochgearbeitet und geht mit einem Strahlen durch die Welt. Und er ist grosszügig, hat ein riesengrosses Herz und will immer alles bezahlen. Vor zwei Jahren ist es mir nach dem Skifahren endlich gelungen, ihm in einem kleinen Beizli in Zermatt etwas zu bezahlen.

Sind Sie Brüder im Geist?

«Wir leben beide nach dem Motto: Man muss Menschen mögen.»

Art Furrer

Furrer: Wir sind sehr verschieden, leben aber nach demselben Motto: Man muss Menschen mögen. Diese vier «m» sind wichtig im Leben. Beide sind wir sehr sportlich. Wir wissen, dass es im Alter körperlich und geistig steil abwärts gehen kann, wenn man aufhört, an sich zu arbeiten. Man muss immer ein Ziel vor Augen haben, egal, wie alt man ist – und egal, was die anderen von einem denken. Ich wollte mit 82 nochmals auf den Mont Blanc hinauf, das habe ich durchgestiert. Denn es ist mein Leben.

Worum beneiden Sie Hausi?

Furrer: (Blickt sich um.) Also wenn ich diese wunderschöne Umgebung so anschaue, denke ich: Das würde meiner Frau hier ausserordentlich gut gefallen, mit diesem vielen Grün, den Blumen, dem Genfersee und dem Vogelgezwitscher im Garten. Aber beneiden trifft es nicht. Ich beneide niemanden.

Leutenegger: Und ich würde liebend gerne so Ski fahren können wie du! Niemand schwingt sich schöner die Hänge hinunter als du.

Wo lernten Sie sich kennen?

Leutenegger: An einem Fussballmatch in Bern. Später lernten wir uns beim Skifahren besser kennen. Von da an fragte ich immer, wenn ich zu einem Anlass eingeladen wurde: «Ist der Art auch da? Dann bin ich dabei!» Art war bereits ein Star, als mich noch niemand kannte. Er brachte den Amerikanern das Skifahren bei. Wenn es dir gelingt, ohne Geld und ohne die Sprache zu können, in ein fremdes Land zu kommen und schon bald eine steile Karriere hinzulegen, dann kannst du kein Tubel sein. Auch dass er als einfacher Bergbub im Militär Oberleutnant wurde: alle Achtung!

Furrer: Ich wollte sogar Militärinstruktor werden und vermutlich wäre ich es auch geworden. Aber plötzlich verdiente ich in den USA so viel Geld, dass ich im Militär nicht weitermachen wollte. Ich schickte deshalb von Los Angeles ein Telegramm: «Ich verzichte auf den nächsten Grad.»

In den USA riet Ihnen Komikerlegende Bob Hope: «Art, wenn du vor Publikum auftrittst, musst du früh ein Feuerwerk zünden …»

Leutenegger:… er hat absolut recht …

… und deshalb wäre es schön, wenn Sie beide gleich Ihre spektakulärste Anekdote erzählen.

Leutenegger: Ich habe sieben Wochen zusammen mit Klaus Kinski im Dschungel auf den Philippinen verbracht. Etwas Verrückteres gibt es nicht. Als wir an einem Abend in Manila ins Casino gingen, setzte er 200 Dollar auf eine Zahl und gewann prompt. Kinski sprang in seiner Freude auf den Tisch und schmiss dabei alle Jetons, die auf ihm lagen, herunter. Natürlich warf man uns aus dem Casino. Ich habe so viel Verrücktes mit ihm erlebt, dass ich damit drei Bücher füllen könnte.

Und Sie liessen solche Peinlichkeiten einfach über sich ergehen?

Leutenegger: Auf der Promotionstour zum Film ««Kommando Leopard» ging er zum Spass in die Schuhläden und liess sich 30 Paar zeigen, obwohl er kein Geld im Sack hatte. Er schikanierte die Menschen von frühmorgens bis spätnachts. Grausam. Ich schämte mich natürlich und drohte ihm unzählige Male: «Klaus, hör auf, sonst gehe ich weg!» Er sagte dann zwar gerne, ich sei ein kleiner Wicht. Trotzdem hörte er meist auf mich und beruhigte sich tatsächlich.

Furrer: Ich erinnere mich besonders gerne an die Show von Late-Night-Talker Johnny Carson im US-Fernsehen. Auf einer künstlichen Piste sollte ich ihm das Skifahren beibringen. Als er mit dem Skilift auf dem Nylon-Teppich hochfahren wollte, hat es ihn hingelegt. Er machte wilde Faxen, die Zuschauer zu Hause waren begeistert. 60 Millionen sahen zu. Dieser Auftritt öffnete mir viele Türen.

Wer ist der grössere Paradiesvogel? Art Furrer: «Er.» Hausi Leutenegger: «Nein, er. Art, du warst sogar Skischulleiter im "Playboy"-Club.»

Wer ist der grössere Paradiesvogel?

Furrer: (Zeigt auf Leutenegger.) Er.

Leutenegger: (Winkt ab.) Nein, definitiv er. Art, du warst in den USA sogar Skischulleiter im «Playboy»-Club! (Lacht.) Ich habe immer zwei Gesichter gehabt. Ich war überall als lustiger Chaib bekannt, im Innern war ich jedoch ernster, auch wegen mehrerer Schicksalsschläge. Ich trug früh viel Verantwortung. Mit 25 gründete ich meine Firma. Mit 30 sagte mir mein Treuhänder: «Hausi, du bist Millionär.» Das Geld lag damals auf der Strasse.

Sie sagten auch schon: «Die Leute wollten, dass ich reich werde.»

Leutenegger: So war es. Ich habe aber auch etwas dafür getan, habe viel mehr gechrampft, als die Leute denken. Ich fuhr riesige Strecken mit dem Auto, um Baustellen und Geschäftspartner zu besuchen. Um nicht einzuschlafen, rauchte ich Backpfeife. Die Leute mögen uns als Paradiesvögel bezeichnen, eines aber sind wir beide sicher: Wir sind Unternehmer, die sich hochgearbeitet haben.

«Die Bankangestellten dachten wohl, dass ich das Geld geklaut hatte.»

 

Furrer: Ich zog mit 36 Dollar in die USA – mit dem Schiff, weil ein Flugticket unbezahlbar war. Als ich nach dem ersten Winter als Skilehrer in die Schweiz zurückkehrte, brachte ich meine Ersparnisse in Brig direkt zur Bank. Mein Köfferli war mit US-Dollars gefüllt. Die Bankangestellten erschraken und dachten wohl, dass ich das Geld geklaut hatte. Schliesslich wechselten sie es doch und überreichten mir ein Bankbüchlein mit dem Betrag von 8000 Franken. Als ich das Büchlein meiner Grossmutter zeigte, rief sie: «Jetzt sind wir reich!»

Leutenegger: Es war aber auch einfacher damals. Das Geld ist bei mir richtiggehend vom Himmel heruntergeflattert. Mein Treuhänder fragte manchmal verzweifelt: «Was machen wir nur mit all dem Geld?» Mit Freunden flogen wir dann nach Rio – im Flieger sassen wir ganz vorne. Ich habe fünf Weltreisen unternommen und insgesamt sicher über eine Million Franken verreist.

Furrer: Ich verdiente zwar viel, aber lange Zeit wusste ich gar nicht, wofür ich es ausgeben könnte …

Leutenegger:… ich habs früh gelernt …

Furrer:… irgendwann lernte ich es auch: Wenn ich Geld verdiente, investierte ich es sofort in Beton und baute Häuser. Geld war für mich das Baumaterial für meine Hotels und Häuser. In den USA wurde ich an edle Dinner eingeladen, von den Kennedys oder grossen Sponsoren. Aber wenn ich alleine ins Restaurant ging, war ich mit einem einfachen Essen für fünf Dollar zufrieden. Nicht aus Geiz, sondern weil ich mich so am wohlsten fühlte.

Leutenegger: Ich hatte sieben Geschwister, wir hatten genug zu essen, aber das Geld war immer knapp, vor allem am Monatsende. Es gab sehr oft Streit deswegen zu Hause. Ich schwor mir, dass mir das nie passieren wird. Ich wollte unbedingt genug Geld haben und es dann auch grosszügig ausgeben. Ich bekam viele Bettelbriefe, in denen die Absender heulten, ob ich helfen könne. Allein in den Schweizer Sport habe ich 25 Millionen gesteckt und sehr viele Athleten und Vereine unterstützt. Zum Beispiel Radprofis oder den Fussballclub Neuchâtel Xamax, weil ich mit Präsident Gilbert Facchinetti eng verbunden war.

Hatten Sie nie Angst, ausgenutzt zu werden?

«Es git scho truurigi Sauhünd!»

 

Leutenegger: Ich bin einer, der lieber das Gute sieht: Ich bekam in meinem Leben sehr viel zurück. Vor einem Jahr habe ich in einem Restaurant die Toilette aufgesucht. Alles war verdreckt. Der Mann, der dort am Putzen war, tat mir leid. «Es git scho truurigi Sauhünd!», sagte ich zu ihm und drückte ihm 100 Franken in die Hand: «Gönnen Sie sich einen Kaffi-Schnaps, damit Sie mit einem schönen Gout im Mund nach Hause kommen!» Er schaute mich an und sagte: «Ich habe Sie sofort erkannt, Herr Leutenegger. Mein Sohn arbeitete fünf Jahre in Ihrer Firma und sagte immer, dass Sie ein guter Mensch seien.» Ein schöneres Kompliment gibt es nicht.

Nach der RTL-Doku-Soap «Das Leben der Superreichen», als Sie Einblicke in Ihr Reich gewährten, bekamen Sie auch viel zurück, nämlich 800 schmachtende Liebesbriefe.

Leutenegger: Ich war damals Witwer und alleine. Bei einer Hamburgerin schaute ich tatsächlich vorbei. Es hat sich aber nichts ergeben.

Furrer: Vielleicht ist das der grösste Unterschied zwischen uns: Was Frauen anbelangt, drang bei mir der Walliser Bergkatholizismus durch, mit dem ich aufgewachsen war …

Leutenegger:… ich bin auch gläubig: Ich gehe jeden Sonntag in die Kirche.

Furrer: Ich bete lieber oben auf dem Berggipfel für mich alleine. Der Glaube war für mich aber der rote Faden in meinem Leben. Ohne ihn wäre ich in den USA abgestürzt, bei all den Verlockungen dort. Ich weiss auch, dass ich einen Schutzengel hatte. Das muss ja so sein, wenn du in eine 30 Meter tiefe Spalte fällst und du dir nur eine leichte Hautschürfung zuziehst. 40 Minuten fror ich mir da unten den Hintern ab, immer die Gefahr vor Augen, noch weiter zu fallen.

Leutenegger: Auch ich wundere mich, dass ich noch am Leben bin. Im Militär hatten wir einen schlimmen Verkehrsunfall mit Toten, ich lag mehrere Wochen schwer verletzt im Spital. Oder 1972 nach unserem Olympiasieg mit dem Viererbob in Sapporo: Da ging es mir ganz elend.

Warum das denn?

Leutenegger: Ich hatte eine doppelte Lungenentzündung erlitten. Mein Körper war geschwächt, auch weil ich in einer Hauruckaktion schnell hatte abnehmen müssen, damit wir mit dem Bob nicht das erlaubte Maximalgewicht überschreiten. Während meine Kollegen für eine Woche in die Badeferien nach Thailand flogen und dort die Goldmedaille ausgiebig feierten, lag ich vierzehn Tage in einem japanischen Krankenhaus. Der Herrgott bestrafte mich, wenn ich übermütig wurde und den Grössenwahn bekam. Allein am Knie musste ich mich sechsmal operieren lassen. Bald wird es wieder der Fall sein.

Furrer: Ich war in meinem Leben vielleicht einen Tag im Spital.

Sie sind beide viel in der Welt herumgekommen. Wo befindet sich der schönste Fleck auf Erden?

Leutenegger: Da entscheide ich mich für Maui auf Hawaii. Die Musik, das Meer, das Ambiente, alles einfach grossartig.

«Er hätte abheben können, nachdem er so viel erreicht hatte»

 

Furrer: Auch da bin ich das pure Gegenteil. Ich wähle irgendeinen schönen Berg, auf dem ich im Zelt übernachten kann. Mit meiner Frau habe ich alle 48 Viertausender in den Schweizer Alpen bestiegen. Wenn wir mit unseren Kindern Ferien am Meer machten, dann litt ich immer. Ich kann ja nicht mal schwimmen, das sagt schon alles.

Leutenegger: Genau diese bescheidene Art bewundere ich an ihm. Er hätte abheben können, nachdem er so viel erreicht hatte – und das im Wallis, wo es vermutlich besonders schwer ist. Auch ich hatte viele Neider im Thurgau … kein Wunder, ich sah als erfolgreicher Kranzturner ja auch am besten aus von allen.

Furrer: Das würde ich von mir nicht behaupten. (Lacht.) Ich möchte gerne noch etwas dazu sagen, dass früher immer alles einfacher gewesen sein soll. Vieles war einfacher, das stimmt. Aber die Grundsätze, um erfolgreich zu sein, haben bis heute nicht geändert: Klare Ziele sind wichtig, hartes Chrampfen, ohne die Stunden zu zählen. Und schliesslich muss man die Gabe besitzen, zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein.

Leutenegger: Genau, Instinkt ist wichtig. Man muss gute, positive Menschen um sich herum haben. Und man muss seinen Körper fordern …

Furrer:… und zwar jeden Tag. Ich habe dieses Jahr schon über 40 000 Höhenmeter geschafft. Ich setze mir klare Ziele, die ich eisern verfolge. Meine Frau schüttelt oft den Kopf: «Warum musst du dich immer wieder aufs Neue bestätigen? Ist das nötig in deinem Alter?»

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Furrer: Die verrate ich nie. Sonst schüttelt meine Frau wieder den Kopf.

«Morgens vor dem Spiegel sage ich: Hausi, du geiler Typ!»

Hausi Leutenegger

Leutenegger: Ich nehme es, wie es kommt. Mein Hauptziel ist, gesund zu bleiben. Und jeden Tag lachen zu können. Was der Fall ist. Es gibt so viele Gründe, gut drauf zu sein. Das fängt morgens an, wenn ich mich vor den Spiegel stelle. Dann sage ich: «Wie siehst du wieder gut aus, Hausi! Du bist ein geiler Typ! Es kommt alles gut!» Ich bringe mich selber in Schwung – ist doch besser, als nur herumzujammern.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?

Furrer: Ich gehe jeden Abend vor dem Schlafengehen zur Bar, greife nach der Schnapsflasche und nehme einen kräftigen Schluck daraus, um den Mund zu spülen. Dann lege ich mich hin.

Leutenegger: Auch ich trinke täglich einen Schnaps, aber eher morgens.

Was essen Sie?

Leutenegger: Zu Hause liebe ich es einfach. Gestern ass ich Ravioli und einen Salat dazu. Das war wie ein Hochzeitsessen für mich. Ich sage immer: Du wirst dich irgendwann so von dieser Erde verabschieden, wie du aufgewachsen bist. Ich bin einfach aufgewachsen, ich werde als einfacher Mann gehen.

Für die Menschen sind Sie aber nicht der einfache Mann, sondern der Lebemann, der die Show liebt.

Leutenegger: Sie sagen es: Es war oft Show. Die Menschen haben das von mir erwartet, dass ich stets für Unterhaltung sorge. Wenn Roger Schawinski kurzfristig die Quoten anheben musste, holte er mich in seine Sendung. Ich war viermal bei ihm. Jedes Mal griff er mich massiv an: «Sie haben sich für 50 000 Franken in Ihren ersten Hollywood-Streifen eingekauft!» Ich sagte ihm: «Meinen Sie, wegen 50 000 Franken mache ich das Portemonnaie auf? Wenn ich mich wirklich hätte einkaufen müssen, hätte ich eine Million bezahlt!» Nach dem ersten Mal sagte er mir: «Sie sind sympathischer, als ich gedacht habe.» Es war eine Hassliebe mit ihm.

Furrer: Ich bin ganz der Bergbauer, was das Essen anbelangt. Ich liebe Speck, Wurst, Roggenbrot. Am Mittag essen wir richtig, am Abend nur noch wenig: ein Glas Wein und ein bisschen Käse. Wenn du im Alter zu viel Gewicht hast, bekommst du es fast nicht mehr weg. Darauf achten wir.

Wir haben viel über Ihren Erfolg erfahren. Wie aber übersteht man Krisen?

Furrer: Die erlebt jeder, beruflich und privat. Auch in der besten Ehe gibt es schwierigere Momente. Nach der heissen Verliebtheit pendelt sich das Ganze auf einem «normalen» Niveau ein. Wichtig ist, dass man miteinander redet. Aber nicht alles zerreden, sondern es kommt auf den richtigen Moment an. Meine Frau und ich gingen zu Berg, wenn es brodelte. Man darf nicht nachtragend sein und muss sich entschuldigen können.

«Auf dem Weg zur Unglücksstelle dachte ich: Bitte nicht der Peter!»

Hausi Leutenegger

Leutenegger: Meine grössten Krisen waren die schweren Unfälle meiner Monteure auf den Baustellen. Gerade zu Beginn war ich ja nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Erzieher: Ich musste den einen oder anderen morgens aus dem Bett holen, wenn er nicht zur Arbeit erschien. Ich machte aus jungen Burschen verantwortungsbewusste Männer. Das sprach sich herum, weshalb mich Vormünder anriefen und fragten, ob ich Arbeit für einen Schützling hätte, der in einem Heim oder einer Erziehungsanstalt gewesen sei. So kam auch Peter, ein Verdingbub aus Basel, zu mir, der sich prächtig entwickelte. An einem Freitagabend sagte er in meinem Büro, dass er eine Freundin habe und sie gerne heiraten möchte. Was ich dazu meine. Natürlich wollte ich sie zuerst sehen. Also stellte er sie mir vor. Sie arbeitete bei der Post und stand mit beiden Füssen auf dem Boden. Ich sagte ihm sofort: «Gratuliere, das ist deine Frau!» Drei Wochen vor der Hochzeit erhielt ich einen Anruf, dass auf einer Baustelle einer meiner vier Monteure tödlich verunglückt sei. Auf dem Weg zur Unglücksstelle dachte ich: Bitte nicht der Peter! Als ich den Sargdeckel hob, sah ich, dass aber genau das der Fall war. Ich war es dann, der seine Freundin benachrichtigte. Ihren Schrei werde ich nie mehr vergessen. Wenn so etwas passiert, ist alles andere Pipifax dagegen.

Was denken Sie: Wie lange würden Sie es in den Ferien miteinander aushalten?

Leutenegger: Lange!

Furrer: Nicht lange. Wenn immer der Gleiche bezahlt, plagt dich das Gewissen.

Art Furrer, Hausi Leutenegger, wir danken Ihnen für das Gespräch.