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Interview

«S'Läbe bringt Sache, wo me nöd cha plane»

Beatrice Egli im Schwiizerdüütsch-Interview: Die Schlagersängerin gibt Einblick in ihren Beziehungsstatus, aber nicht in ihr Bankkonto, sie nennt ihre Vorbilder und sie verrät, wer der schönste Mann im Musikbusiness ist.

FOTOS
Christoph Kaminski
14. August 2020
Ein Hauch von «Baywatch»  auf dem Zürichsee ? Beatrice Egli hat sichtbar Spass:  «Ich gnüsse s?Läbe, wie?s isch.»

Ein Hauch von «Baywatch» auf dem Zürichsee ? Beatrice Egli hat sichtbar Spass: «Ich gnüsse s?Läbe, wie?s isch.»

Beatrice Egli hat sich ein vermeintlich ruhiges Plätzchen für die Fotosession und das Interview ausgesucht: den Zürichsee. Doch weit gefehlt. Es sind keine zwei Minuten vergangen, als eine Schwimmerin sich ihrem Pedalo nähert und ihr zuruft: «Super, Beatrice, mach wiiter so!»

Würde sie dem Seeufer entlang flanieren, wäre sie sofort von Selfie-Jägern umzingelt. Beatrice Superstar, Beatrice, das Schlagerschätzeli. Dabei hatte alles mit einer krassen Fehleinschätzung begonnen. Bill Kaulitz, 2013 Jurymitglied bei «Deutschland sucht den Superstar», blickte Egli nach ihrem ersten Auftritt an und sagte: «Das geht leider an mir vorbei.» Die Metzgerstochter hatte gerade mit Inbrunst den Schlagersong «Und morgen früh küss ich dich wach» von Helene Fischer gesungen. Den Leadsänger von «Tokio Hotel» küsste sie damit nicht wach. «Ich denke, das gibt es so schon», schnödete er. Doch er sollte sich täuschen. So etwas wie Egli gab es noch nie. Dieter Bohlen, der Mann fürs Grobe, der aber ein feines Gespür dafür hat, was im Musikgeschäft funktioniert, war begeistert von der Schwyzerin: «Im Schlagerbereich bist du die Beste, die wir hier überhaupt hatten.»

Heute, sieben Jahre später, ist die 32-Jährige, zumindest was die Verkaufszahlen anbelangt, immer noch die Beste: Keine andere Künstlerin mit Schweizer Pass – nicht mal Tina Turner – hat hierzulande so viele Alben auf Rang 1 der Charts platziert. Und man kann davon ausgehen, dass auch ihr neustes Album «Mini Schwiiz, mini Heimat» in den Hitparaden durchstartet. Es ist ihr erstes Album, das neben vier französischen und italienischen Songs ausschliesslich Lieder auf Schweizerdeutsch enthält. Egli selbst spricht eine Mischung aus Züridüütsch und Schwyzerisch, wie sich gleich zeigen wird.

Beatrice Egli, du hesch emol gsait, dass di bi emene Mensch als Erschts dr Beziehigs-Status interessiert …

… was me alles so seit, wenn de Tag lang isch ...

... also fön mir grad do dermit a – wie isch dy Beziehigs-Status?

Ich bi Single und gnüsse s’Läbe, wie’s isch. Ich find’s wichtig, dass me au allei glücklich cha sii, denn wird’s inere Be- ziehig umso schöner sii.

Bisch uff dr Suechi?

Nei, ’s chunt, wie’s chunt. Ich find’s spannend so.

Wie «chunt’s» denne bi eme Star?

Das isch bi mir als öffentlichi Person nöd andersch als binere «normale» Person: Indem me dur s’Läbe gaht und offe isch für alles.

«Liebi chunt, Liebi gaht» haisst’s uff dym Album «Mini Schwiiz, mini Heimat». Verliebsch di schnäll?

Nei, ich verlieb mi nöd schnäll – e tüüfi Liebi bruucht Ziit. Aber ich find die Frag hät sich langsam e chli «abgnutzt».

Scho? Mir hän jo kuum agfange!

Ich verstah die Frag, aber stell dir emal vor, du bisch Single und dich fröged d’Lüüt jede Tag, warum du no Single bisch.

Wenn hesch di s’erschti Mol so richtig verliebt?

Scho im Chindsgi. Sin Name weiss i nüm, sondern nur no, dass er e Pilzfrisur gha hät. Liebi gspürt me ab em erschte Momänt, wo me gebore wird.

Du singsch au: «Will immer das, won ich nöd ha.» Isch das so?

Ja, scho. Au bim Ässe. Ich dänk oft: «Warum han i nöd das vo näbedra bstellt?» Das näbedra gseht immer besser us.

Du hesch drei Sache uff dr Karte: es Entrecôte, e Tällr Pasta «aglio olio» und e Curry-Salat. Was wählsch?

Ich würd alli drüü neh! De Curry-Salat als Vorspiis und d’Pasta zum Entrecôte. (Lacht.) Ich iss alles und so vill i will. Min Körper seit mir, was er bruucht. Ich iss en Salat nöd, wil i dänke, er hät weniger Kalorie. Ich iss en, wil i en gern ha. Drum iss i gern drüü Gäng, mit Vorspiis, Hauptgang und Dessert.

Wenn du e Hauptgang wärsch, wölle wärsch?

Irgendöppis Deftigs. Gnueg muess es sii, e grossi Portion: Fleisch, Biilag, Gmües.

Du singsch uff em Album in drei Sproche: Dialäggt, Französisch und Italiänisch. Willsch au in Frankrych und Italie Karriere mache?

Nei, sicher nöd. Ich find Italienisch und Französisch uh schön. D’Mischig macht’s us. Grad jetzt, wo me nöd so guet dur d Wält cha reise, chönnd d Lüüt wenigschtens mit de Musik anderi Ort kännelerne. Aber Italienisch fallt mir liechter. Ich find’s e wunderschöni Sprach, ich ha scho privat Kürs bsuecht. D’Grammatik isch i beidne Sprache nöd ganz so eifach.

Bisch guet gsi im Französisch in dr Schuel?

Ach, mir reded eher vomene Drüer oder Vierer als vomene Foifer oder Sächser. (Lacht.) Aber ich würd hüt andersch lerne, vor allem über d’Musig. Wenn i d’Wörter singe würd, chönnt ich’s besser. Min Lehrer isch de Herr Schatt gsi, er hät e uh Geduld mit mir gha.

Worum?

Vo ihm han i immer z’ghöre becho: «Encore une fois!» Ich han ihn grad letschti bim Jogge troffe und er hät sich riisig gfreut, dass i jetzt au Französisch singe. Ich glaub, er hät vergässe, dass i gar nöd so guet gsi bi.

Wenn me uf Google dy Name schrybt, kunnt schon bald: Wie vill Vermöge hett d Beatrice Egli? Antwort: drei Millione Frangge. Dorum: Wie villi Hüüser könnsch baue?

Villi – s’Liebeshüüsli, s’Liederhüüsli, s’Familiehüüsli … das isch schön, wenn’s das deet heisst. Aber über das redemer nöd – ich bin da typisch schwiizerisch.

Wenn bausch abr es Huus?

Ich weiss nöd, ob’s es Huus sii wird bi mir. Das isch keis Thema für mich und ungefähr gliich, wie weme fröge würd: «Willsch Chind?» Das isch doch für e Frau, wo Single isch, keis Thema. S’Läbe bringt Sache, wo me nöd cha plane.

Abr fyr dy Karriere hesch scho e genaue Plan?

Mit 14i han i welle Schlagersängerin werde. Das hät klappt. Sitdem passiert s’Läbe, au wänn du öppis anders plansch. Min einzige Plan isch, dass i das, won i mach, gern mach. Mis Herz git de Takt a.

Wie isch es dir während em Corona-­Lockdown ergange?

Die erschte drüü Wuche bin i gfühlt i de Schockstarri gsi: Wie gaht’s jetzt wiiter? Denn isch d’Musig grad wien e Flucht gsi, zum neui Energie finde, mit dem Album, wo zumene guete Teil im Lockdown entstande isch. Es isch e schwirigi Ziit gsi, au wil hinder de Musiker no ganz vill anderi Persone mithälfed. Mir händ versuecht, zämezhebe und mitenand Lösige z finde.

Wölle Schlagerstar hett e gueti Balance gfunde im Läbe?

Mini grosse Vorbilder, mit däne ich mich au ustuusch, sind de Roland Kaiser und d’Mary Roos. Zwei erfolgriichi Künstler, zwei Vorbilder, wie me über Jahrzähnt gern Musig macht, obwohl’s immer wider es Uf und Ab git und de Trend wächslet. Mängisch söll me sich bewusst us em Spiil neh und neui Energie tanke.

Du hesch di 2018 für zwai Monat in Australie komplett us em Spiel gnoh.

Es bruucht die Ruhephase, zum wider mal richtig dureschnuufe. Aber no wichtiger isch mir: Lieber sich mal en Tag dezwüsche Pause gönne, als nüün Mönet am Stück durepowere und denn Ferie mache. Während Corona han i erläbt, wie’s isch, mit Fründe, wo au frei händ, chönne zäme z sii. Wil i vo Mäntig bis Samschtig oft voll unterwägs bi, isch en freie Sunntig für mich Gold wert.

«Min einzige Plan isch hütt, dass mis Herz de Takt a git.»

 

Wenn bisch geschtr ins Bett?

Am halbi zwölfi …

… und wenn bisch hütt am Morge uffgstande?

Am foifi. Und das jetzt auch scho wider foif, sächs Täg hinterenand. Ich merk aber, uf zwei Sache sött me nöd z’vill druf verzichte, susch wird d Luune nöd guet: schlafe und ässe.

Mit wäm hesch es immr widr luschtig?

Es isch e cooli Branche mit villne tolle Mänsche. In Kitzbühel hämmer es Pingpong-Turnier gha, das isch sehr luschtig gsi.

Wär hesch bodiget?

Gäge de Ramon Roselly bin i nöd so guet acho. Gäge de Gerry Friedle, also de DJ Ötzi, isch es eifacher gsi.

Wär wird unterschätzt?

De Trauffer. Es wird bi ihm oft nöd gseh, was er alles gschafft hät, zum deet anecho, won er jetzt isch. Er isch au eine wien ich, wo villi Konzert gspillt hät, wo’s niemert interessiert hät, wer du bisch.

Verzell doch mol vomene söttige Uftritt vo dir!

Das het en Geburtstag chönne sii oder im Ichaufscenter. D’Lüüt sind wiitergloffe und händ nöd glost. (Lacht.)

Wirdsch au unterschätzt?

Es fehlt oft s’Wüsse. Ich würd nie amene Choch, wo e Bolognese chocht, säge, er chönni nöd choche, nur wil’s es eifachs Gricht isch. So gsehn i au de Schlager. Es sind eifachi, igängigi Melodie, wo aber au vill Freud bereited.

Wär isch dr schönschti Musiker?

Ich find, es git kei hässlichi Männer uf de Bühni. Wenn mir d’Musig gfallt, gfallt mir automatisch au de Maa. Denn bechömed d’Mänsche e schöni Usstrahlig.

Wäm wöttisch du unbedingt no begegne?

Ich find jedi Begägnig mit emene Mensch, wo öppis z’verzele hät, wunderschön. In Kitzbühel bin i emene 95-jährige Maa begägnet, wo mi nöd kännt hät. Er hät ex- trem vill erläbt, mit sibe Töchtere, enere Frau, mit dere er 70 Jahr zämegläbt hät. Vor emene Jahr isch sie gstorbe, für ihn isch sie sini gröschti Perle gsi. Mit 75i hät er no s’Bike glernt, im Winter gaht er jede Tag go schiifahre.

Was isch no e grosses Zyl vo dir?

Ich möcht de Pilotschiin mache – so wie de Roland Kaiser. Meh zum d’Perspektive verändere und d’Wält vo obe gseh.

Denne wird me di bald au am Stüür vomene Jumbo seh – so wie dr Bruce Dickinson vo Iron Maiden, wo sy Tross sälbr durch d Wält fliegt.

Ich find die chliine Flüüger schöner. En Jumbo isch krass. Zu vill Verantwortig!

Dr schönschti Refrain?

Uii, schwierig. Villicht «Mini Schwiiz, mini Heimat».

Beatrice Egli, ich dangg dir für das Gschpröch.

Beatrice Egli

Schlagerstar

Beatrice Egli, 1988 als Metzgerstochter im Kanton Schwyz geboren, liess sich zur Coiffeuse ausbilden, ging in Hamburg (D) auf die Schauspielschule und startete 2013 bei «DSDS» durch. Mit ihrem Triumph in der Castingshow auf RTL wurde sie als Schlagersängerin im deutschsprachigen Raum berühmt. Soeben ist ihr neustes Album erschienen: «Mini Schwiiz, mini Heimat» (Universal Music). Als Extra gibt es die Bonus-CD «Bunt» dazu, auf der ein «Best of» ihrer grössten Hits zu hören ist.