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Der Pinsel-Messi

Mit seinen Spielerporträts dribbelt sich der Basler Streetart-Künstler Ersan Kaya in die glänzende Welt der Fussballstars.

FOTOS
Kostas Maros
04. Dezember 2020
In seinem Kunstatelier bringt Ersan Kaya die Stars auf die Leinwand. Mit dem Ergebnis ist auch FC-Basel-Legende Murat Yakin (Bild rechts) zufrieden.

In seinem Kunstatelier bringt Ersan Kaya die Stars auf die Leinwand. Mit dem Ergebnis ist auch FC-Basel-Legende Murat Yakin (Bild rechts) zufrieden.

«Hier runter», sagt Ersan Kaya und deutet mit dem Zeigefinger auf die Treppe, die ins Untergeschoss des Einfamilienhauses führt. Dieses steht in Leymen (F), einem beschaulichen Dorf im Elsass, wo der 39-Jährige mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern lebt. Und in dessen Keller befindet sich Kayas Reich: das Kunstatelier. Hier verbringt der Coop-Informatiker seine Freizeit – meist bis tief in die Nacht. Gross ist es nicht, sein Universum, aber farbenfroh. Auf dem Boden herrscht ein kreatives Chaos aus Spraydosen, Farbpaletten und -kübeln. An den Wänden stehen und hängen Bilder; fertige, halbfertige und solche, die sich noch gänzlich nach künstlerischer Eingebung und Pinselstrichen sehnen. Und, jetzt mittendrin, Ersan Kaya.

Der entscheidende Tausch

Imposant sieht er aus. Nicht etwa wegen seines Körperbaus – die Haarpracht ist es. Diese erinnert stark an jene der kolumbianischen Fussball-Legende Carlos Valderama (59) in seinen besten Zeiten. Einziger Unterschied: Beim Südamerikaner ist sie blond, beim Basler dunkelbraun bis schwarz.

«Als Kind stand ich selber viel auf dem Kickplatz.»

 

Doch nicht nur sein Lockenkopf verbindet den Künstler mit dem Fussball. «Als Kind stand ich selber viel auf dem Kickplatz.» Und wenn nicht, ging er einem anderen Hobby nach – er zeichnete Comics. «Daumenkinosachen und so», erklärt er. Das mit dem Fussballspielen ging nicht lange gut. Bereits in Jugendjahren holperte Kaya dem Ende entgegen. Zahlreiche Verletzungen zwangen ihn dazu. Also hängte er seine Stollenschuhe an den berühmten Nagel und tauschte sie gegen Farbpalette und Pinsel.

Vom Rasen auf die Leinwand

Die Liebe zum Fussball aber, die ist geblieben. Und sie spiegelt sich in einer Vielzahl von Ersan Kayas Bildern wider. Nationale und internationale Stars der Szene grüssen von seinen Werken. Und diese hängen nicht etwa an den Wänden seines Eigenheims, sondern in den Häusern und Wohnungen der Porträtierten selbst – obwohl er sie ab Fotos und nicht live vor Ort malt. «Dabei achte ich auf die kleinsten Details und lege grossen Wert auf die Perspektiven», erklärt er. Gökhan Inler (36), der langjährige Captain der Schweizer Nationalmannschaft, war einer der Ersten, der es auf eine Leinwand des Basler Streetart-Künstlers schaffte.

In seinem Kunstatelier bringt Ersan Kaya die Stars auf die Leinwand. Mit dem Ergebnis ist auch FC-Basel-Legende Murat Yakin zufrieden.

Auch Murat Yakin (46), Granit Xhaka (28), Ricardo Rodriguez (28), Emmanuel Adebayor (36) oder der italienische Kultkicker Paolo Maldini (52) sind mittlerweile im Besitz ihres Konterfeis in Öl. «Ich beschränke mich aber nicht auf Fussballer», betont Kaya. Auch Showgrössen wie der deutsche Komiker Kaya Yanar (47) oder der Sänger Xavier Naidoo (49) rückte er auf der Leinwand schon in seine ganz eigene Perspektive.

Doch wie kommen seine Gemälde in die Hände der meist unnahbaren Stars? «Lustigerweise läuft dies meist über Mundpropaganda», erzählt Kaya. Einen nützlichen Dienst erweist ihm dabei auch sein Instagram-Account. Auf der Social-Media- Plattform postet der Basler seine Werke. «Die Spieler und Künstler entdecken darauf ihr Porträt, und deren Manager kommt dann auf mich zu, um über den Preis zu verhandeln.»

«Robinho bat mich, seine Fussballschuhe zu bemalen, und ich willigte natürlich ein.»

 

Und obwohl Ersan Kaya die Stars ab Foto malt, findet die Übergabe meist persönlich statt. Das ist ihm wichtig. Zahlreiche Selfies zeugen davon. Wichtig ist ihm aber auch das Bewahren seiner künstlerischen Freiheit. «Ich mache immer nur das, was ich will, nicht, was andere wollen», sagt er.

Eine spezielle Anfrage erhielt Kaya von Ex-Real-Madrid-Star Robinho (36). «Er bat mich, seine Fussballschuhe zu bemalen, und ich willigte natürlich ein.» Den Rat, die Schuhe nicht zum Spielen anzuziehen, befolgte der Brasilianer nicht und schoss sogar ein Tor damit. Das Bild darauf aber, das war futsch. «Obwohl ich ihn warnte und ihm erklärte, dass Acrylfarben auf Kunstleder nicht lange halten», meint Kaya und fügt an: «Ich durfte ihm ein paar neue kreieren.»

Ersan Kayas malerische Reise in die Welt des Fussballs ist aber noch lange nicht zu Ende. Seine nächsten Etappenziele tragen die klingenden Namen: Zinédine Zidane (48) und Cristiano Ronaldo (35).