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Interview

«Einen Moment lang hatte ich die Krise»

Doppelinterview mit Matthew McConaughey und Hugh Grant – über herumschnüffelnde Privatdetektive, Diskussionen am Filmset und die Freude am Trinken.

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Alamy Stock, Getty Images
24. Februar 2020

Rendezvous mit Matthew McConaughey (50) und Hugh Grant (59) in einem Londoner Pub, das niemand anderem gehört als Guy Ritchie – dem Regisseur der neuen Gang­ster-Komödie «The Gentlemen», in dem die beiden mitwirken. McConaughey spielt darin einen Cannabis-Baron, während ihm Hugh Grant als schmieriger Privatdetektiv im Auftrag einer Boulevardzeitung nachspioniert. In den folgenden Minuten entwickelt sich ein munteres Frage-Antwort-Spiel, in dem Hugh Grant leicht den Ton angibt.

Gibt es etwas Cooleres, als von Guy Ritchie eine Rolle zu erhalten?

Hugh Grant: Nein. Dabei repräsentieren Matthew und ich auch so schon den maximalen Grad an möglicher Coolness, nicht wahr? Ich drehte mit Guy bereits die Agenten-Action-Komödie «Codename U.N.C.L.E» und weiss deshalb, wie grossartig es ist, mit ihm zusammenzuarbeiten. Und nun wählte er mich ausgerechnet für diese Rolle des Privatdetektivs in «Gentlemen» aus. Sieben Jahre lang hatte ich mich öffentlich gegen Privatdetektive gewehrt, die bekannte Personen wie mich im Auftrag der englischen Boulevardmedien ausspionierten. Und nun spiele ich einen dieser Jungs. Mit grossem Vergnügen übrigens!

Was ist für Sie ein Gentleman?

Matthew McConaughey: Ein Gentleman mischt sich nicht ins Privatleben anderer ein. Ich kenne einen solchen Gentleman: Er lehnt es ab, irgendwelche Gerüchte über andere Menschen zu verbreiten.

Grant: Ich finde das ein wenig anmassend! Denn ich liebe Klatsch, deshalb bin ich auch kein Gentleman. Und die Rolle, die ich im Film spiele, ist auch das Gegenteil eines Gentleman. Er interessiert sich für nichts anderes als sich selbst. Ich weiss nicht, warum ich immer solche miesen narzisstischen Typen spiele …

McConaughey: ... vielleicht weil du ganz einfach prädestiniert dafür bist!

Hugh, wie viel hat Ihre Filmfigur mit den Privatdetektiven zu tun, gegen die Sie sich seit Langem wehren?

Grant: Die Rolle basiert nicht auf einer bestimmten Person. Ich bin aber mit einigen von diesen Detektiven essen gegangen, obwohl sie in der Vergangenheit mein Telefon abgehört und meine medizinische Akte durchstöbert hatten sowie in meine Wohnung eingebrochen waren. Mittlerweile sind wir sogar Freunde. Sie arbeiten nun für mich, wir wollen die grossen Chefs überführen, die die Aufträge herausgegeben haben, und nicht die kleinen Fische.

«Ich liebe Klatsch, deshalb bin ich auch kein Gentleman.»

Hugh Grant

Wie in diesem Milieu gesprochen wird, ist sehr speziell.

McConaughey: Ja, wobei oft wichtiger ist, wie sie etwas sagen und nicht, was sie sagen. Das sind keine Astronauten oder Anwälte, die da sprechen, sondern Gangster, die um die Macht buhlen. Normalerweise ist es in den Filmen eher mein Ding, so zu sprechen, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Guy wollte das hier aber nicht. Er wünschte, dass wir sehr präzis und schnell miteinander reden. Als ich das kapiert hatte, gefiel es mir auf einmal, so zu sprechen.

Einer von beiden bezeichnet sich selber explizit nicht als Gentleman: Matthew McConaughey (l.) und Hugh Grant.

Guy Ritchie, so heisst es, soll die Dialoge manchmal kurz vor dem Dreh noch ändern.

Grant: Genau, und deshalb hatte ich mit ihm einige längere Diskussionen. Weil ich 59 Jahre alt bin und zu viel trinke, habe ich Mühe mit meinem Text. Hier begann ich drei oder vier Wochen vorher mit dem Üben und war genau auf den Punkt bereit. Entsprechend glücklich erschien ich zu den Dreharbeiten. Guy aber sagte: «Nein, nein, wir haben alles geändert. Hier hast du zwei neue Textseiten!» Einen Moment lang hatte ich die Krise.

Und wie zeigte sich diese Krise?

Grant: Ich stellte klar: «Ich kann das nicht in fünf Minuten lernen.» Er antwortete: «Das macht nichts. Du kannst deinen Text notfalls auch von einem Teleprompter ablesen.» Ich: «Mein Lieber, ich bin Schauspieler, kein Tagesschausprecher.» Am Ende durfte ich doch den Originaltext verwenden.

Sie sprachen vorhin vom grossen Vergnügen an der Rolle, obwohl diese doch so ungewohnt für Sie war.

Grant: Ja, es machte grossen Spass. Ganz zu Beginn hatte ich kurz meine Zweifel, ob ich ins Schleudern gerate. Aber nach dem ersten Drehtag kehrte die Zuversicht zurück, dass es eine gute Sache wird. Ausserdem war dieser Rollenwechsel nicht neu für mich. Vor «Vier Hochzeiten und ein Todesfall» war ich auf lächerliche Typen abonniert, die Absurdes von sich gaben. Das passte bestens zu mir, jedenfalls besser als die ersten romantischen Rollen.

Matthew, Sie spielen in «Gentlemen» einen Amerikaner, der ein Marihuana-Imperium aufgebaut hat. Welches sind Ihre Laster?

McConaughey: Lassen Sie mich nachdenken. (Wendet sich an Hugh Grant.) Vielleicht solltest du zuerst antworten, du kennst deine Laster besser.

Grant: Mit welchem soll ich beginnen? Ich bin geldgierig, eitel … (Bricht ab.)

Und sonst?

Grant: Wie gesagt: Ich trinke. Aber zu meiner Entlastung muss ich auch sagen, dass ich fünf Kinder habe. Da bleibt mir gar nichts anderes übrig, als zu trinken.

Was trinken Sie?

Grant: Alles, was ich in die Finger kriege. Ab 18 Uhr geht es in der Regel los.

Cannabis ist in bestimmten Bundesstaaten der USA legal – eine gute oder schlechte Sache?

Grant: Das werden wir sehen. Colorado ist der erste Bundesstaat, der Marihuana legalisiert hat. Warten wir erst mal fünfzehn Jahre ab und dann wissen wir mehr, was die Kriminalitätsrate und den Zustand der Wirtschaft anbelangt.

«Ich habe schon immer sein Timing bewundert.»

Matthew McConaughey

Welche schauspielerischen Fähigkeiten bewundern Sie aneinander?

McConaughey: Ich habe schon immer sein spitzenmässiges Timing bewundert. Diese Kunstpausen, die er während eines Dialogs einstreut, bringen mich stets aufs Neue zum Lachen.

Grant: Matthew ist ein brillanter Schauspieler mit grosser Leinwandpräsenz und zugleich ein wirklicher Filmstar, was nicht unbedingt selbstverständlich ist, weil es einen grossen Unterschied zwischen diesen beiden Dingen gibt. Wussten Sie, dass er seit neun Jahren mit einem Schauspielcoach zusammenarbeitet? Und das als Oscar-Preisträger. Das muss man sich einmal vorstellen!

Was spricht dagegen?

Grant: Nichts. Sogar Roger Federer hat immer noch einen Coach.

Sie hingegen hatten nie einen?

Grant: Nein, und das sieht man auch!

Matthew McConaughey und Hugh Grant, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

MCConaughey und Grant

Der Texaner und der Londoner

Matthew McConaughey, 1969 in Texas geboren, begann seine Karriere in Werbespots als aalglatter Schönling – ein Part, den er später in zahlreichen Liebeskomödien verkörperte, bis er ins ernstere Fach wechselte. 2014 erhielt er für die Rolle eines aidskranken Elektrikers den Oscar als bester Hauptdarsteller. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Hugh Grant kam 1960 in London zur Welt. Noch während des Anglistik-Studiums in Oxford gab er sein Kinodebüt. 1994 schaffte er mit dem Film «Vier Hochzeiten und ein Todesfall» international den Durchbruch. Auch er ist verheiratet und hat fünf Kinder.

«The Gentlemen» mit McConaughey und Grant läuft ab 27. Februar in den Kinos.