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Originell und schmackhaft: An der Grenze zwischen dem Kanton Aargau und Luzern baut die Familie Steiner drei Sorten Randen von Pro Specie Rara an.

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Pino Covino
22. September 2020
Auf einem seiner Felder in Reitnau prüft  Daniel Steiner die Qualität seiner Randen. Er baut hier im Aargau drei unterschiedliche Sorten von Randen an.

Auf einem seiner Felder in Reitnau prüft Daniel Steiner die Qualität seiner Randen. Er baut hier im Aargau drei unterschiedliche Sorten von Randen an.

Es hat in den letzten Tagen viel geregnet. Die Erde ist noch nass, der Himmel grau und die frische Luft kündigt die Ankunft des Herbstes an. In Reitnau AG, auf dem Hof Steiner, laufen die Vorbereitungen für die Erntesaison von Rüebli, Kartoffeln, Pastinaken, Petersilienwurzeln und Randen. Daniel Steiner (47) empfängt uns in seinem renovierten Herrenhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert. «Meine Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern waren bereits Bauern und lebten schon in diesem Haus – mir war immer klar, dass ich den gleichen Weg einschlagen würde», sagt er und begleitet uns zu den Feldern, auf denen er Bio-Randen der Sorte Pro Specie Rara anbaut.

​«Ich wollte mehr mit der Natur und dem Boden arbeiten.» ​

 

«Im Jahr 2016 haben wir die Milchwirtschaft eingestellt: Wir hätten den Stall komplett neu aufbauen müssen», sagt Steiner. «Da wir uns mitten im Dorf befinden, wären diese Arbeiten nicht möglich gewesen.» Also hat er die Anbauflächen erweitert und auf biologischen Landbau umgestellt. «Ich wollte mehr mit der Natur und dem Boden arbeiten und etwas für den Umweltschutz tun.» Die grösste Herausforderung sei die Unsicherheit gewesen, ob es einen Absatzmarkt für seine Produkte geben würde und ob er davon würde leben können. Doch es klappte alles. «Ich erhielt sofort Ratschläge und Hilfe von befreundeten Bauern, die bereits biologisch anbauten. Kurz gesagt, es läuft gut für uns.» Die Familie Steiner bewirtschaftet 16 Hektar Land, davon sind 180 Aren für drei Sorten Randen reserviert: Chioggia, Golden und Formanova. Sie gehören zu den beliebtesten Sorten von Pro Specie Rara und sehen sehr speziell aus, wenn man sie aufschneidet.

Besondere Sorten

Katja Bahrdt (46), Brandmanagerin Pro Specie Rara bei Coop, erklärt die Besonderheiten dieser Gemüsesorten: «Chioggia hat ein zartes, süssliches Fruchtfleisch und kann auch roh gegessen werden. Die Sorte Golden schmeckt eher süsslich-kräuterig. Ihre leuchtend gelbe Farbe bleibt durch etwas Essig im Kochwasser erhalten. Die Formanova ist eine intensiv dunkelrote Rande mit einem herb-erdigen Geschmack. Sie lässt sich gut lagern.»

​«Ich liebe ihre leuchtend rote Farbe und ihren Geschmack.» ​

 

Daniel Steiner zeigt uns das Feld, wo die Sorte Chioggia wächst: «Dies ist das dritte Jahr, in dem ich sie anbaue. 2018 war die Ernte wegen der Dürre schlecht. Letztes Jahr lief jedoch alles gut und die Aussichten für dieses Jahr sind wieder vielversprechend.» Auch ihm gefällt die schöne Zeichnung dieser Randen, wenn man sie quer aufschneidet. «Sie sind sehr schön, weil sie innen rote und weisse Ringe haben. Aber nur, solange sie roh gegessen werden, denn beim Kochen gehen die Abstufungen verloren. Einige von ihnen sind etwas beschädigt, andere sind noch ein wenig klein.» Das stört Steiner nicht. «Wir werden erst in einigen Tagen mit der Ernte beginnen. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass dies von den drei Qualitäten der Randen von Pro Specie Rara die empfindlichsten sind.» Auf den beiden anderen Parzellen sieht es besser aus. «Hier, das sind die Golden», ruft er aus und holt eine leuchtend orangefarbene, runde Rande aus dem Boden. Er wählt ein paar mehr aus, eine schöner als die andere. Als hätte er den magischen Blick, um die besten zu finden. Er lächelt. «Nein, es ist reiner Zufall. Aber es stimmt, dass diese leichter wachsen, vielleicht ist sogar der Boden besser geeignet», meint er. Zu guter Letzt zeigt uns Daniel seine Favoriten, die Formanova: «Nicht nur, dass sie mir weniger Probleme bereiten. Ich liebe auch ihre leuchtend rote Farbe und ihren Geschmack.» Dann belädt er seinen Wagen mit dem Gemüse.

Die nächste Generation übt schon

Auf dem Rückweg zum Bauernhof treffen wir Daniels Vater, der mithilfe seines Enkels Livio Pflaumen pflückt. «Wir sind ein Familienunternehmen: Meine Eltern Vreni und Kurt sind zwar im Ruhestand, aber sie gehen meiner Frau Flavia (39) und mir immer zur Hand.» Genau wie seine Kinder Sira (13) und Livio (3). «Denn wir sind während der Erntezeit auf zwei Mitarbeiter angewiesen», so Daniel Steiner. «Wir sind sehr glücklich, dass wir unsere Kinder in dieser Umgebung aufziehen können», sagt seine Frau Flavia lächelnd, die inzwischen auch in den Garten gekommen ist. «Ich bevorzuge auch die Formanova, wegen ihrer intensiven Farbe und ihrem Geschmack. Aber sie sind alle gut und es ist schön, Carpaccio oder Salate mit verschiedenen rohen Qualitäten herzustellen, so dass man auch ihre Farbe sehen kann.» Die Ernte findet erst in einigen Wochen statt, dann stehen zwischen 25 und 30 Tonnen der Steiner-Randen zum Verkauf.

​«Ich bin frei und ich lebe inmitten der Natur» ​

 

Trotz mancher Schwierigkeiten würde Daniel Steiner alles wieder genauso machen: «Wir haben vor allem an Lebensqualität gewonnen: Ich bin mein eigener Chef, ich bin frei und ich lebe inmitten der Natur. Was könnte ich mehr wollen?»

Daniel lächelt und sieht Livio zu, wie er mit seinem kleinen Traktor durch den Garten fährt. Sieht so aus, als ob sich hier jemand bereits darauf vorbereitet, das Handwerk zu erlernen.