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«Es ist eine sehr gefährliche Welt»

Die Schweizer Schauspielerin Luna Wedler (20) spielt die Hauptrolle in der Netflix-Serie «Biohackers». Das mediale Interesse ist grösser als bei Wedlers bisherigen Projekten, entsprechend durchgeplant ist ihre Woche.

28. September 2020
 Die Zürcher Schauspielerin Luna Wedler hätte gerne einen Chip implantiert, mit dem man auf Knopfdruck alle Sprachen der Welt spricht.

 Die Zürcher Schauspielerin Luna Wedler hätte gerne einen Chip implantiert, mit dem man auf Knopfdruck alle Sprachen der Welt spricht.

Luna Wedler, wegen des Coronavirus hat sich die Veröffentlichung der Netflix-Serie «Biohackers», in der Sie mitspielen, um vier Monate verzögert. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Zu Beginn des Lockdowns habe ich mich zu Hause verschanzt und viel gekocht. Gemeinsam mit Freunden haben wir jede Woche eine Zoom-Kochshow veranstaltet: Alle haben gleichzeitig bei sich zu Hause mitgekocht. In solchen Situationen merkt man plötzlich, wie kreativ die Leute eigentlich sind. Ich habe etwa begonnen zu zeichnen – etwas, das ich davor weder machte noch konnte. Und natürlich habe ich viele Filme und Serien geschaut. Beispielsweise «How To Sell Drugs Online (Fast)», «Dark», «Ozark» oder «Sex Education».

Werden Sie in der Schweiz auf der Strasse erkannt?

Ja, schon. In Deutschland sprechen mich die Leute direkt an. Die Schweizer hingegen sind da eher zurückhaltend, schauen her und tuscheln.

Wie reagieren Sie darauf?

Es gibt natürlich unangenehme Situationen, beispielsweise wenn ich beim Einkaufen «heimlich» gefilmt werde. Dann gehe ich hin und spreche die Person darauf an. Aber generell ist es schön, wenn ich erkannt werde. Und das grösste Kompliment ist natürlich, wenn jemand auf mich zukommt und mir sagt, ich sei eine tolle Schauspielerin. Diese Anerkennung ist ein sehr schönes Gefühl.

Was hält Sie auf dem Boden?

Meine Freunde, meine Familie und meine Heimat Zürich. Hier bin ich einfach Luna, eine normale junge Frau.

Ist Netflix das neue Hollywood?​

Ich glaube nicht. Ich bin ein riesiger Kino-Fan. Einen Film auf Grossleinwand ansehen und sich zwei Stunden auf eine Geschichte einlassen, ist ein wunderbares Erlebnis. Die Kinobranche ist über die wachsende Popularität der Streamingdienste nicht erfreut, was ich verstehe: Es wird fast zu viel produziert, also auch viel Schlechtes. Trotzdem ist Netflix ein tolles Portal mit drei Vorteilen: Durch Netflix wird zwar mehr produziert, dadurch werden aber auch Geschichten erzählt, für die es sonst keinen Platz gäbe. Der Zuschauer kann entscheiden, wann und wo er sich Filme oder Serien ansieht. Und Netflix bietet einen Zugang zu nationalen Produktionen, beispielsweise zu französischen oder italienischen Filmen, die sich meine Generation sonst vielleicht nicht ansehen würde.

Die Serie «Biohackers» ist in 190 Ländern auf Netflix zu sehen. Wird sich deshalb etwas für Sie ändern?

Ich hoffe natürlich, dass sich «Biohackers» positiv auf meine Karriere auswirkt. Möglicherweise werden mir dadurch internationale Rollen angeboten, wir werden sehen.

Ist Biohacking, also die Selbstoptimierung des eigenen Körpers durch Genmanipulation, eine Gefahr oder eine Chance für die Zukunft?

Das ist genau die Frage oder eben das Dilemma. Es ist eine faszinierende, aber auch eine sehr gefährliche Welt. Man muss unterscheiden: Unter Bodyhacking versteht man technische Implantate, die sich sogenannte Bodyhacker selbst implantieren, «Biohacking» ist das Verändern der Genetik – beide Bereiche werden in der Serie thematisiert und haben das Ziel, den Menschen zu verbessern oder eben zu manipulieren. Da stellt sich die Frage, wie weit der Mensch in die Natur eingreifen darf.

Was für ein Implantat fänden Sie am tollsten?

Einen Interview-Knopf, mit dem ich auf alle Interviewfragen automatisch die perfekte Antwort hätte. Oder einen Chip, mit dem man auf Knopfdruck alle Sprachen der Welt spricht.

Sie spielen Mia Akerlund, die Hauptfigur der Serie. Welche Eigenschaften teilen Sie mit der Rolle?

Mia ist eine unglaublich zielstrebige, clevere, intelligente Kämpferin mit der grossen Willensstärke, ihr Ziel zu erreichen. Das habe ich auch in mir – der Antrieb und der Wille, etwas zu tun und zu erreichen.

«Biohackers» war die erste Serie, die Sie gedreht haben. Wenn Sie sich entscheiden müssten – Film oder Serie?

Ich möchte mich nicht für das eine oder das andere festlegen. Ich finde es toll, dass ich beides machen kann. Tendenziell sehe ich mich aber eher im Film. Serien mit Fortsetzung haben den Nachteil, dass man daran gebunden ist: Man muss über einen längeren Zeitraum Zeit reservieren, in der man an nichts anderem arbeiten kann. Für tolle Serien mache ich aber eine Ausnahme.

Folgt eine zweite Staffel?

Netflix hat eine Fortsetzung bestätigt und ich bin ebenfalls wieder mit dabei. Ich freue mich, denn die «Biohacking-Welt», das Studentenleben und die verschiedenen Figuren bieten viel Potenzial für eine zweite Staffel.

«Es ist eine faszinierende, aber auch gefährliche Welt.»

 

Sie haben auch schon gesagt, dass Sie nicht auf internationale Rollen aus sind, sondern gerne wieder einmal in einer Schweizer Produktion spielen würden.

Das gilt nach wie vor. Ich liebe mein Zuhause, ich liebe den Schweizer Film – die Branche ist einzigartig und familiär. Deswegen möchte ich die Schweizer Filmkultur unterstützen und meinen Teil beitragen. Ich hoffe, dass ich mein Leben lang beides machen kann: kleine Schweizer Produktionen, aber auch internationale Projekte.

Woran arbeiten Sie momentan?

Eigentlich wäre ich gerade am Dreh eines neuen Kinofilms, dieser wurde aber auf nächstes Jahr verschoben. Es handelt sich dabei um die Verfilmung des Romans «Der Passfälscher». Eine wahre Geschichte, geschrieben von Cioma Schönhaus. Die Regie führt eine Frau – Maggie Peren.

Braucht es mehr Frauenpower im Filmbusiness?

​Es passiert schon viel und man merkt, dass ein Wandel stattfindet. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Damit meine ich nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. «Biohackers» ist aber ein schönes Beispiel: Ich glaube, vor einigen Jahren wären die zwei Hauptrollen – die ambitionierte Professorin und die kämpferische Studentin – an Männer vergeben worden.

Luna Wedler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.