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Interview

«Da haben wir wohl einen Nerv getroffen»

Der deutsche Schauspieler und Sänger Uwe Ochsenknecht über den legendären Kinohit «Männer», seine verkorkste Schulzeit und die erlebnisreiche Beziehung zur Schweiz.

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Jens Koch
11. Juni 2021

Uwe Ochsenknecht, die Menschen beginnen wieder Ferienpläne zu schmieden. Sie auch?

Ich bin grundsätzlich keiner, der gross plant. In meinem Beruf wäre es auch eher schwierig, da ich oft kurzfristig Rollenangebote bekomme. Ich halte mich jedoch oft in meinem Ferienhaus auf Mallorca auf, wo ich meistens das Gefühl habe, dass ich nirgendwo anders hinreisen möchte – auch nicht in die Schweiz. Früher bin i aber vil i de Schwiiz gsi, gäll, in Züri, in Bern und in Gersau …

… ​also nicht nur in Appenzell für die berühmten Werbespots für Appenzeller Käse?

Natürlich nicht! Die Appenzeller-Käse-Spots werden logischerweise in Appenzell gedreht. Aber das isch dänn doch es Stückli wägg! (Lacht.) Ich habe 30 Jahre in München gelebt, da bin ich oft in die Schweiz gefahren. Sie ist ein wunderschönes Land. Leider sind inzwischen alle meine Freunde von dort weggezogen.

Wie ist es dazu gekommen, dass gerade Sie in diesen Spots auf der Suche nach der geheimnisvollen Kräutersulz sind?

Eine Werbeagentur hatte sich überlegt, mit welchem Schauspieler sie die Marke Appenzeller Käse in Deutschland bekannt machen könnte, und sich für mich entschieden. Es scheint funktioniert zu haben, denn die Verkaufszahlen sind ganz schön gestiegen.

Welches war Ihr amüsantestes Erlebnis in diesem Zusammenhang?

Manchmal werde ich immer noch – speziell von Schweizern – ernsthaft gefragt, ob ich nun endlich hinter das Geheimnis gekommen sei ...

Wenn Sie in der Schweiz waren, fuhren Sie besonders gerne auf den Zürichsee hinaus.

Mein Freund hatte ein kleines, edles Bösch-Motorboot, mit dem wir Wasserski fahren gingen oder einen Ausflug auf die Insel Ufenau machten. Abends, wenn wir wieder an Land waren, gings in die Limmatbar, ins Kaufleuten und in andere Läden, gälled Sie! (Lacht.)

Klingt nach einer wilden Zeit.

Nö, wild nicht, sondern einfach schön.

In der Schweiz sind Sie 1985 durch die Kinokomödie «Männer» populär geworden, ein Jahr nach dem gleichnamigen Hit von Herbert Grönemeyer. Kein Zufall?

Song und Film hatten zwar nicht direkt etwas miteinander zu tun, aber tatsächlich war es eine Zeit, in der man die Frauen- und Männerbilder überdacht hat. Da hatten wir wohl einen Nerv getroffen.

Heute sind die Väter ein viel diskutiertes Thema. Was haben Sie selber dafür getan, dass Ihre vier Kinder leichter aus Ihrem doch grossen Schatten treten können?

Naja, es ist nie einfach, wenn man einen bekannten und erfolgreichen Vater hat. Man kann ihnen eigentlich nur vorleben, dass es nicht wichtig ist, was man darstellt, sondern wie man wirklich ist. Ich erinnere mich gerne, wie sie mal zu mir kamen und sich schrecklich darüber aufregten, ja, dass sie es richtig zum Kotzen fanden, wie sich der Sohn eines anderen Prominenten aufgeführt habe, als er am Eingang zu einem Event keine Sonderbehandlung bekam. Da dachte ich, dass ich als Vater wohl nicht alles falsch gemacht habe.

Was lief hingegen in Ihrer Jugend schief, als Sie am Gymnasium gleich dreimal nicht versetzt wurden?

Was heisst schiefgelaufen? Dass die Schulkarriere im herkömmlichen Sinn nicht funktioniert hat, sagt doch nichts über die Genialität der Person aus! (Lacht.) Wenn man jetzt Albert Einstein nimmt oder andere bedeutende Menschen, die Grösseres geleistet haben als ich, dann hatten viele keine normale Schulbildung, hatten wie ich auch schlechte Noten oder sind überall rausgeflogen. Das liegt wohl eher am Schulsystem als an den Schülern.

Was interessierte Sie damals mehr als die Schule?

Ich habe schon in jungen Jahren im Kinderchor der Mannheimer Oper gesungen und bin als Komparse am Nationaltheater aufgetreten. Diese ersten Auftritte beflügelten mich so, dass ich immer weniger Bock auf Mengenlehre, Wurzelziehen und chemische Formeln hatte.

Dann waren Ihre Schulnoten kein Aufbegehren gegenüber Obrigkeit oder Elternhaus?

Nein, das war eher eine unterbewusste, stille Revolution. Seitdem ich erlebt hatte, wie sich mein Vater morgens um sechs, manchmal auch schon um fünf Uhr in die Fabrik quälte, tue ich in meinem Leben bis heute prinzipiell immer nur das, was mir Spass macht.

Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem gefährlich aussehenden roten Ochsenkopf auf Ihrer Homepage?

Ich habe ihn 1991 zur Veröffentlichung meines ersten Rockalbums entwerfen lassen. Seither ist er mein Logo.

Was kann Sie wie ein Ochse in Rage bringen?

Die Dummheit der Menschen, die unseren wunderbaren Planeten kaputtmachen. Jede andere Kreatur verhält sich artgerecht, nur der Mensch nicht.

Was wäre denn artgerecht?

Nicht zum Mond zu fliegen und vieles mehr in dieser Richtung. Und vor allem, wenn wir uns die Erde nicht untertan zu machen versuchten, sondern uns selber der Natur unterwerfen würden.

Ist das Musikmachen für Sie ein gutes Ventil?

Nö. Es ist für mich einfach einer von vielen Spassfaktoren, keine Therapie!

Haben Sie während des Lockdowns mehr Musik gemacht?

Ich habe auf der Gitarre ein paar zusätzliche Griffe und einige Songs aus verschiedenen Epochen gelernt.

Was hören Sie gerne?

Westcoast-Sound, Eagles und so Zeug, aber auch John Legend, Adele und Jennifer Hudson sowie ein paar deutsche Rapper wie Bausa oder Appache 207.

In der populären ARD-Reihe «Die Drei von der Müllabfuhr» verkörpern Sie einen Müllmann. Haben Sie bei der Vorbereitung auf diese Rolle Ihre Vorstellungen von diesem Beruf revidiert?

Nein. Ich hatte immer grössten Respekt vor dieser Art von «Dienstleistungen».

Hollywoodstars haben vor den US-Präsidentschaftswahlen deutlich Stellung bezogen. Tun Sie das vor den Bundestagswahlen auch?

Die Politik hat kein sympathisches, glaubwürdiges Image. Es gibt zwar Ausnahmen, aber wie dreist ist es denn, wenn sich Politiker bei der Beschaffung von Schutzmasken bereichern? Ausserdem lassen solche Geschichten nur die Spitze des Eisbergs erkennen. Wir erfahren nicht alles. Trotzdem gehört Deutschland zu den Ländern, in denen man sehr, sehr gut leben kann. Das darf man bei aller Kritik nicht vergessen.

Uwe Ochsenknecht, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

Uwe Ochsenknecht

Der Unverwechselbare

Uwe Ochsenknecht, 1956 geboren, wuchs in Mannheim (D) auf und lebt heute in Berlin und auf Mallorca. Als unverwechselbarer Charakterdarsteller mit rauem Charme überzeugt er in grossen und kleinen Rollen. Er wurde durch «Das Boot» (1981) bekannt und mit «Männer» (1985) und «Schtonk!» (1992) zum Star. Ochsenknecht macht auch Rockmusik und singt in Musicals. Er ist in zweiter Ehe mit Kiki Viebrock (46) verheiratet. Seine drei Söhne Rocco (34), Wilson Gonzalez (31) und Jimi Blue (30) sind Schauspieler, Tochter Cheyenne Savannah (20) ist Model.