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Interview

«Fremdgänger machen viel kaputt»

«Wolkenbruch»-Autor Thomas Meyer ist auch als pointierter Ratgeber bekannt. Höchste Zeit also, dass er hier beantwortet, wie man mit dem anderen Geschlecht in Kontakt tritt, ob es klug ist, sich in die Chefin zu verlieben, und was am Ende bleibt.

12. August 2021
Schriftsteller Thomas Meyer hat auf alles eine Antwort, hält sich aber trotzdem nicht für allwissend.

Schriftsteller Thomas Meyer hat auf alles eine Antwort, hält sich aber trotzdem nicht für allwissend.

Ratgeber gibt es viele. Thomas Meyer (47) aber wird gelesen: Seine «Sonntagsblick»-Kolumne ist so beliebt, dass sie nun in Buchform erscheint: «Hat sie recht?» versammelt «unbequeme Antworten auf allerlei Lebensfragen». Da wollten wir nicht zurückstehen und haben Thomas Meyer ebenfalls um Rat gefragt.

Thomas Meyer, Dieter ist 28 und hat noch nie eine Frau angesprochen. Was tun?

In dem Fall ist es wohl einfach nicht Dieters Art, fremde Frauen anzusprechen. Er wird eine andere, für ihn passendere Art suchen müssen, mit Frauen in Kontakt zu treten. Ich bin übrigens 47 und habe vielleicht zwei Frauen einfach so angesprochen. Erfolglos.

Pamela ist 28 und wurde noch nie von einem Mann angesprochen. Wie kann sie das ändern?

Vielleicht sollten wir über das Klischee der passiven Frau sprechen.

«Vielleicht sollten wir über das Klischee der passiven Frau sprechen.»

Thomas Meyer

Dann halt so: Was ist für Pamela denn die passendste Art, um selber mit Männern in Kontakt zu treten?

Das hängt auch in ihrem Fall vom Charakter ab, wie bei Dieter und mir. Ist Pamela schüchtern wie Dieter und ich, wird sie nicht um Dating-Apps herumkommen. Mein Glück war, dass Chatrooms aufkamen, als ich jung war. Ich konnte Frauen einfach live anschreiben, das war toll.

Es heisst, dass man beim zukünftigen Partner auf die Eltern schauen soll, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie er in 30 Jahren aussehen könnte. Ein guter Ratschlag?

Ich denke, es gibt eine ganze Reihe von Dingen, auf die man eher schauen sollte. Kompatibilität, zum Beispiel.

Bea liebt es, am Sonntagmorgen spazieren zu gehen. Ihr Partner Paul hingegen will am liebsten bis Mittag im Bett liegen bleiben. Soll sich einer anpassen, damit wenigstens nur einer unglücklich ist?

«Wenigstens nur einer unglücklich» – was für eine schreckliche Formulierung! Zumal doch das Glück beider möglich ist: An einem Wochenende passt Bea sich Paul an, am nächsten umgekehrt. So kommen beide auf ihre Kosten und erweisen einander einen Liebesdienst.

Denise möchte, dass ihre Beziehung mit Georg ein Leben lang hält. Was muss sie dafür tun?

Ehrlich sein mit sich selbst und ehrlich sein mit Georg. Und nicht nur deshalb mit ihm zusammenbleiben, weil sie findet, das müsse so sein.

Sebastian ist 25 Jahre alt – und damit mindestens 40 Jahre vom AHV-Alter entfernt. Soll er sich trotzdem um seine Vorsorge kümmern?

Auf jeden Fall! Er muss schon jetzt in die dritte Säule einzahlen und zusätzlich in Wertpapiere investieren. Immer gemäss seinen Möglichkeiten, aber unbedingt regelmässig.

Kevin (25) ist verliebt in seine zehn Jahre ältere Chefin. Was raten Sie ihm?

Cool zu bleiben, was in diesem Alter schwierig ist, und darauf zu achten, was sie ihm signalisiert. Wenn sie eine gute Chefin ist, wird sie ihn feuern, bevor sie was mit ihm anfängt.

Hans ist mit seiner Partnerin nicht glücklich. Doch er hat Angst, dass er alleine noch unglücklicher ist. Was spricht dafür, dass er sich trennt?

Beides.

Bei einem Schicksalsschlag merkt man, wie unbedeutend vieles ist. Wie schafft man es, dass man sich ein paar Tage später trotzdem nicht über Kleinigkeiten aufregt?

Indem man stets im Auge behält, wie gut es einem geht, was sich vor allem an den Problemen zeigt, die man eben nicht hat. Es gibt so viel Schreckliches, das einem widerfahren kann.

Claudia ist 16 und bringt das erste Mal ihren drei Jahre älteren Freund nach Hause. Darf er gleich bei ihr übernachten?

Wäre Claudia meine Tochter, würde ich sagen: Dieses Bürschlein sitzt mir erst mal einen Abend lang am Tisch gegenüber!

Ein guter Freund hat mir einen Versicherungsvertrag aufgeschwatzt, den ich gar nicht will. Ich traue mich aber nicht, Nein zu sagen. Soll ich einfach zahlen?

Innerhalb von zwei Wochen dürfen Sie ohne Kostenfolge zurücktreten. Gute Freunde machen so was aber ohnehin nicht.

Daniel und Christa fragen sich, was sie in der Erziehung falsch gemacht haben: Ihr Sohn kifft, trägt Tattoo und ist faul. Also: Was haben sie falsch gemacht?

Wenn der Sohn 12 ist, eine Menge. Wenn er 18 ist, nichts.

«Von Beziehungen, die noch nicht richtig beendet sind, muss man sich fernhalten.»

Thomas Meyer

Zoë ist in den Partner ihrer Freundin verliebt – und glaubt, dass er ihre Gefühle erwidern würde. Soll sie es riskieren?

Nein. Das macht nur drei Menschen unglücklich. Von Beziehungen, die noch nicht richtig beendet sind, muss man sich fernhalten.

Was, wenn man weiss, dass der Partner der besten Freundin fremdgeht?

Schwierig. Ich weiss es bis heute nicht. Einerseits muss man intervenieren, aus Loyalität, andererseits darf man nicht, aus Respekt. Fremdgänger machen viel kaputt, nicht nur in der eigenen Beziehung.

Sabines neuer Partner, sonst ein angenehmer Zeitgenosse, flucht, dass Gott erbarm, was aber irgendwie auch befreiend ist (zumindest für ihn). Muss sie sich daran gewöhnen, oder muss er sich mässigen?

Mich würde vor allem interessieren, was den armen Kerl derart in Rage versetzt. Ich habe den Menschentyp «Tobender Taxifahrer» nie verstanden.

Als kleiner Junge hat Marc seiner Mutter rund 100 Franken geklaut, um sich Panini-Bildchen zu kaufen – voll wurde das Heft übrigens trotzdem nicht. Soll er beichten und das Geld heute als 44-Jähriger zurückgeben?

Fände ich toll! Die meisten Mütter würden aber wohl nur herzlich lachen.

Als allwissender Ratgeber können Sie sicher auch diese Frage beantworten: Was bleibt einmal?

Ich bin keinesfalls allwissend. Ich habe lediglich ein knappes halbes Jahrhundert Lebenserfahrung und versuche, meine Einsichten zu teilen. Was einmal bleibt, ist, woran andere sich erinnern. Von meinem Grossvater bleiben zum Beispiel seine Liebe, sein Schelmenhumor und sein politisches Wesen. Wir tun gut daran, so zu leben, dass andere auch später noch was davon haben.

Thomas Meyer, wir danken Ihnen für Ihre Antworten. 

Thomas Meyer

Zürcher Erfolgsautor

Thomas Meyer (47) arbeitete nach einem abgebrochenen Jura-Studium als Texter in Werbeagenturen und als Reporter auf Redaktionen. Seit 2012 ist er freier Schriftsteller und «freut sich jeden Tag darüber». Seine «Wolkenbruch»-Romane wurden Bestseller. Soeben ist beim Diogenes-Verlag sein neuestes Buch erschienen: «Hat sie recht?». Thomas Meyer ist Vater eines Kindes und lebt in Zürich.