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Interview

«Ich wäre gerne optimistischer»

Der deutsche Popstar Mark Forster (38) erklärt im Interview, weshalb sein neues Album «Musketiere» zum Spagat wurde, wie die besten Ratschläge seiner Eltern lauteten und was zum absoluten Glück noch fehlt.

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Robert Winter
06. August 2021
Mark Forster sieht sich nicht als schnelllebiger Chartstürmer: «Ich bin eher einer, der über die Konstanz kommt.»

Mark Forster sieht sich nicht als schnelllebiger Chartstürmer: «Ich bin eher einer, der über die Konstanz kommt.»

Mark Forster, welche Eigenschaften machen Sie zu einem Musketier?

(Amüsiert.) Wahrscheinlich, dass ich immer einen Hut trage. Und so eine Art Schnurrbart. Mein neues Album trägt den Titel aber nicht, weil ich Mantel- und-Degen-Abenteuer besinge, sondern weil d’Artagnan und die drei Musketiere für Zusammenhalt und Loyalität stehen. Beides sind Werte, die mir privat und im Beruf sehr wichtig sind.

Woher kommt Ihre Beziehung zu den Romanfiguren?

In meiner Kindheit fanden wir die Musketiere cool. Ich ging auch als Musketier an den Fasching. Ich weiss nicht, wie das heute ist. Vielleicht verkleidet man sich als Transformer? Mir gefällt auch das Wort. Es klingt würdevoll. Ein Musketier ist so etwas wie ein Ritter, nur kennt er sich besser mit Wein aus …

Haben Sie die Bücher gelesen oder die Filme gesehen?

Wenn mein Vater am Sonntagnachmittag seine Hemden bügelte, schaute er auf einem ganz alten, kleinen Fernseher Streifen wie «Ben Hur» oder «Die drei Musketiere». Da habe ich natürlich gerne mitgeguckt.

Der Titelsong Ihres Albums ist eine wundervolle Liebeserklärung an ein werdendes Kind. Wie ist diese Piano-Ballade entstanden?

Erstmal Dankeschön! Naja, wie immer hatte ich mich hingesetzt und alles aufgeschrieben, was rausmusste. Grundsätzlich sind dieses Album und speziell dieser Song ein kleiner Spagat. Ich halte es strikt so, dass ich nicht über mein Privatleben spreche. Wenn, dann nur über Geschichten von früher, die mit dem Heute nicht viel zu tun haben, aber ich würde nie konkret erzählen, was momentan bei mir zu Hause los ist. Trotzdem ist es mir wichtig, in der Musik komplett offen zu sein. Das macht unsere Situation in diesem Interview gerade ein bisschen kompliziert. (Lacht.)

«Mir gefällt, wie die Schweizer miteinander umgehen.»

Mark Foster

Allerdings.

Das Lied «Musketiere» geht da voll ans Eingemachte. Das weiss ich auch. Aber ich kann nicht mehr darüber sagen. Der Text muss für sich stehen können.

Der Videoclip dazu beseitigt tatsächlich alle Zweifel.

Richtig. Dadurch, dass er so eindeutig ist, muss ich gar nicht darüber reden.

Sie sind im Herbst zum fünften Mal als Coach bei «The Voice of Germany» zu sehen. Wie erklären Sie sich, dass Ihre Schützlinge in jeder Staffel einen Platz weiter hinten gelandet sind?

Ist das so? Auf Pech möchte ich es nicht schieben. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich oft zu dumme Sprüche mache, um besonders talentierte Sänger für mein Team gewinnen zu können. Damit verscheuche ich sie, obwohl ich sehr ernsthaft mit ihnen arbeiten möchte. Ich bin froh, dass ich dieses Missverständnis hier mal ausräumen kann und appelliere an alle, sich nicht abschrecken und auf mich einzulassen!

Zuletzt gewann die Schweizerin Paula Dalla Corte. Was trauen Sie ihr zu?

Manchmal weiss man bei «The Voice» schon bei den Blind Auditions, wer ins Finale kommen und wer eventuell siegen wird. Wenn jemand super singen kann und noch ein gewisses Etwas vorhanden ist, geht das wie ein Schauer durchs Studio. Ich finde es toll, dass sie gewonnen hat, und bin gespannt, wo ihre Reise hingeht.

Wagen Sie eine Prognose?

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich sie gar nicht in einem Format wie «The Voice» gesehen. Sie ist eher jemand, von dem ich gerne die eigenen Lieder und Geschichten hören würde. Ich kann mir vorstellen, dass sie zwei, drei Jahre nichts veröffentlichen wird, weil sie zuerst Songs schreiben wird, bevor sie mit etwas Grossem zurückkommt und uns alle umhaut.

Haben Sie noch andere Bezüge zur Schweiz als durch die Musik?

Meine Schwester wohnte ein paar Jahre in Zürich. Ich habe sie häufiger besucht. Konzerte waren oft mit einem kleinen Familientreffen verbunden. Was ich bei euch besonders mag, ist, wie die Schweizer miteinander umgehen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ihr – ich muss jetzt aufpassen, was ich sage – ein kleines Land seid, dass sich die Leute mehr schätzen als in Deutschland. Ihr habt euren Mitmenschen gegenüber eine positive Grundeinstellung – solange sie kein Misstrauen wecken. Bei uns ist es eher umgekehrt.

Haben Sie eigentlich wieder eine Einladung zum Locarno Film Festival bekommen?

Tatsächlich schon länger nicht mehr. Das wundert mich eigentlich. Entweder bin ich bekannter geworden, oder aber Regisseur Marc Forster hat im Gegenteil an Bekanntheit eingebüsst ​...

Wegen der Album-Veröffentlichung haben Sie nicht mal Zeit für einen richtigen Sommerurlaub. Fehlt er Ihnen nicht?

Nein, dadurch, dass wegen Covid so viele Termine weggefallen sind, bin ich schon gut erholt. Das Veröffentlichungsdatum mussten wir bereits ein paar Mal verschieben, weil ich keine qualitativen Kompromisse machen wollte. Nun ist es zufällig Freitag, der 13. August, geworden. Ich hoffe, er wird mir Glück bringen. Ich hatte ja noch nie ein Nummer- eins-Album. Ich bin jemand, der eher über die Konstanz kommt. Während andere nach einer Woche an der Spitze verschwunden sind, bleibe ich monatelang auf den vorderen Plätzen. Ich hoffe, diesmal gibts niemand aus Schlager, Heavy Metal oder Rap, der mir vor der Sonne steht!

Gerne möchte ich Ihnen nun ein paar kunterbunte Fragen stellen: Welches sind die besten Ratschläge, die Sie von Ihren Eltern bekommen haben?

Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass die Familie über allem steht. Ich hielt das für so eine Mutter-Floskel, aber je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, was sie gemeint hat. Von meinem Vater bekam ich einen konkreten Ratschlag. Er sagte, dass es absolut keine Rolle spiele, welchen Beruf oder welches Studium ich wähle: «Mach einfach, was dir Spass macht! Dann wirst du gut darin. Mach dir über den Rest keine Gedanken!» Das hat mir total geholfen.

Mark Forster: «Ich wünschte mir das Gefühl aus meiner Jugend zurück, als ich dachte, dass in Zukunft alles noch viel besser würde.»

Trotzdem haben Sie zwei Studien angefangen – und abgeschlossen?

Jura nicht, aber BWL. Ich bin Master of Business Administration.

Das hört man Ihrer Musik ja an ...

(Lacht.) Genau. Ja, ich gehe mit einer gewissen Systematik an ein Albumprojekt ran. Ich setze mich nicht einfach mit der Gitarre ans Lagerfeuer und lasse die Songs fliessen. Ich überleg mir was und setze die Idee konsequent um. Aber in Investitionsrechnung würde ich heute keine Punkte mehr machen!

Der Werbung nach scheinen alle Leute zu grillieren. Sie auch?

Ich bin nicht der Barbecue-König, aber ich finde es eine lustige Art, miteinander abzuhängen, und ich mag den Geruch von Holzkohle oder verbranntem Irgendwas, falls es sich um einen Gasgrill handelt. Ich habe einen Beefer, der ultraheiss wird, auf dem man nur Steaks machen kann. Ein schönes Happening.

Sollte man die Impfpflicht einführen ...

… oh, vom Grillfest zur Impfpflicht …

... damit Konzerte so schnell wie möglich wieder im früheren Rahmen möglich werden?

Ich weiss nicht, ob eine Impfpflicht überhaupt rechtens wäre. Ich hab mich impfen lassen, weil ich nicht an Corona erkranken oder jemanden anstecken möchte. Ich selbst würde keine Impfpflicht einführen wollen, obwohl Konzerte zu den Dingen gehören, die ich am meisten vermisse. Wir müssen einfach akzeptieren, dass wir in Zeiten einer Pandemie leben und es seine Zeit dauern wird, bis wir sie überwunden haben.

Welcher Fussballer wären Sie am liebsten geworden?

Cristiano Ronaldo wegen des Geldes, aber wahrscheinlich doch nicht, denn ich habe irgendwo gelesen, dass er zur Maximierung seiner Leistungsfähigkeit Intervallschlafen macht. Nur fünf Mal 90 Minuten.

Intervallschlafen machen Sie im Moment doch auch.

(Lacht.) Wer definitiv kein Intervallschlafen gemacht hat, sind Spieler wie Mario Basler und Stefan Effenberg. Die scheinen auch in ihrer aktiven Zeit normal gelebt zu haben, konnten geil schiessen und haben es weit gebracht. Ich bin eher der Miro-Klose-Typ. Er ist erst spät Profi geworden, was zu meiner Musikkarriere passt, kommt auch halb aus der Pfalz, halb aus Polen und ist hinten raus doch ganz gut geworden.

Was fehlt zum absoluten Glück?

Natürlich müsste man in Zeiten von Klimakatastrophen und der globalen Pandemie solche Probleme ausklammern, um eine persönliche Antwort zu geben. Das fällt mir jedoch schwer, weil sie so dringlich sind. Ich glaube, dass sie auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einen grossen Einfluss auf unsere kleinen Leben haben werden.

Mit welcher Konsequenz?

Ich sehne mich danach, optimistischer in die Zukunft zu schauen, grundsätzlich, für uns alle. Ich habe das in den letzten Jahren verlernt. Beim Trump- Horror ist zwar auf Pause gedrückt, aber es passieren ständig Sachen, die mich pessimistisch stimmen. Ich wünsche mir das Gefühl aus meiner Jugend zurück, als ich dachte, dass in Zukunft alles noch viel besser würde.

Mark Forster, wir danken Ihnen für das Gespräch. 

SYMPATHIETRÄGER

Mit Hut und Herz

Sänger und Songschreiber Mark Forster, dessen optische Erkennungszeichen die Baseballmütze und die markante Brille sind, gelang der Durchbruch 2013 mit der CD «Bauch und Kopf» und der Single «Au revoir». Weitere Alben sowie die TV-Formate «Sing meinen Song» und «The Voice» machten ihn zu einem der beliebtesten deutschen Musiker. In diesen Tagen erscheint sein neues Album «Musketiere». Verschiedene Boulevard-Medien berichteten, er und Eurovision-Song-Contest-Siegerin Lena Meyer-Landrut seien ein (Ehe-)Paar und im Februar Eltern geworden. Beide äussern sich dazu nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.