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Der fabelhafte Felix Fischer

Madonna, Hillary Clinton, Kate Winslet: Er hatte sie alle. Starcoiffeur Felix Fischer frisierte und schnitt in New York während 24 Jahren die Haare der Prominenz. Jetzt ist er wieder zurück in der Schweiz. 

FOTOS
Tobias Stahel
07. Juni 2021

Es ist kurz nach Mittag, die Sonne blendet in den Pfützen, die der eben erst versiegte Regen hinterlassen hat. Am Zürcher Paradeplatz schüttelt eine Frau ihren Regenschirm aus, ein Anzugsträger – ganz in Schwarz gekleidet – drängt sich, noch kurz bevor es abfährt, vor dem 13er-Tram durch.

Von seinem Zimmer im altehrwürdigen Hotel Savoy Baur en Ville aus könnte Felix Fischer (54) die Szene beobachten. Könnte er, wenn er nicht gerade damit beschäftigt wäre, durch seine schwarz umrandete, viereckige Brille einen blonden Schopf zu betrachten. Von hinten, von vorne, von der Seite. Im Spiegel blendet die Ringleuchte, Fischer schüttelt die blonde Mähne seiner Kundin. Er trägt einen schwarzen Blazer und dazu goldfunkelnde Hosen.

Felix Fischer ist ein Schweizer Coiffeur, der nach 24 Jahren in New York wieder in Zürich lebt. In den USA frisierte er praktisch nur berühmte Persönlichkeiten, was Medien schnell dazu brachte, ihn als «Starcoiffeur» zu betiteln. Das Schweizer Topmodel Manuela Frey (24), das nun in Zürich vor ihm sitzt, hat er ebenfalls in New York kennengelernt. Mehrmals hat er sie für Fotoshootings frisiert. Er zieht an ihrem Haar, dreht die Rundbürste, schneidet hier und da ein bisschen etwas weg. Zwischendurch tanzt er einige Schritte zur Musik, die im Hintergrund läuft. Fischer ist in seinem Element. Mit derselben Gelassenheit und einem Glas Champagner in der Hand erzählt er von seiner prominenten Klientel. Mit einer Ausnahme: «Mariah Carey würde ich nicht mehr frisieren. Sie ist eine schwierige Kundin», sagt er. Zweimal habe er sich das angetan. «Schliesslich muss man jemandem eine zweite Chance geben.» 

Felix Fischer nimmt sich selbst nicht allzu ernst und untermalt seine Anekdoten gerne mit wilden Gesten.

Champagner zur Beruhigung

Auf eine Lieblingskundin möchte er sich nicht festlegen, da gebe es einige. Opernsängerin Anna Netrebko (49), Geigerin Anne-Sophie Mutter (57), Sängerin Kelly Clarkson (39) und die Schauspielerinnen Kate Winslet (45) und Cate Blanchett (52). Schräg sei ein Termin bei Sängerin Rihanna (33) gewesen. «Sie war vom Reisen so müde, dass sie sich liegend frisieren liess», erzählt Fischer. Dabei sei sie eingeschlafen und habe geschnarcht. «Das war schon eher ein schwieriges Unterfangen. Aber auch ziemlich lustig.»

Er erzählt die Anekdoten gerne und auch nicht zum ersten Mal. Er weiss, wie er die Geschichten erzählen muss, damit ihm die Lacher sicher sind. Dramatisch verwirft er die Hände, verzieht das Gesicht, fläzt sich auf seinem Sofa, um die Erzählungen passend zu untermalen – der fabelhafte Felix Fischer. Ganz so locker fühlte er sich nicht, als sein erster Auftrag in New York bei einer prominenten Person anstand. Elizabeth Hurley (55). «Das war an der Fifth Avenue. Im Haus war alles verspiegelt. Ich war so nervös, dass ich davor unbedingt Champagner brauchte.» Weniger auf-geregt war er hingegen, als er aus dem Swiss­air-Flieger stieg, der ihn von Zürich nach New York brachte. «Damals wusste ich noch nicht, dass daraus 24 Jahre werden. Ich wollte es einfach mal versuchen.» Langsam arbeitete er sich hoch, lebte zuerst in einem Einzimmerappartement. «Da war nichts mit teuer einkaufen oder teuer essen. Ich musste richtig spuele, wie man so schön sagt.»

«Alles kann sich innert 24 Stunden ändern. Heute wollen sie dich, morgen vielleicht nicht mehr.»

Felix Fischer

Das hat sich für Fischer ausgezahlt. Seine Frisuren waren in der «Vogue», auf der Oscar-Verleihung, auf den grossen Bühnen dieser Welt. Madonna (62), Jennifer Lopez (51), Hillary Clinton (73): Sie alle frisierte er. Aus der kleinen Einzimmerwohnung wurde irgendwann eine riesige Loftwohnung. «Das war very New York.» Ganz oben angekommen habe er sich nie gefühlt. «You never made it in New York», sagt er. «Hier hat man es nie geschafft.» Die Stadt lasse das gar nicht erst zu. «Alles kann sich innert 24 Stunden ändern. Heute wollen sie dich, morgen vielleicht nicht mehr. Es gibt immer jemanden, der dich ersetzen kann.»

Seine Disziplin und das Durchhaltevermögen sind durch seine Kindheit und Jugend geprägt. In Möriken AG wuchs er auf. Der Vater hatte ein Baugeschäft, die Mutter arbeitete im Büro. Als Achtjähriger wollte er Ballett tanzen; im 4500-Seelen-Dorf gab es damals einmal pro Woche eine Ballettstunde. Fischer tanzte, bald obsessiv, bald jeden Tag. Gleichzeitig startete er seine Coiffeurlehre im Dorf, sein Herz gehörte aber dem Ballett. Er trainierte weiter. Mit einem Stipendium in der Tasche ging er ans Stuttgarter Ballett, machte sich einen Namen. Dieses Kapitel endete, als er zu einem grossen Sprung ansetzte und fiel. «Ich wusste schon beim Landen, dass es vorbei ist», sagt Fischer. Die linke Kniescheibe war gebrochen, seine Karriere vorbei. «Wie sollte es weitergehen? Das war eine sehr schwierige Zeit für mich.»

Zurück in Zürich entdeckte Felix Fischer seine Passion fürs Haareschneiden wieder. Er verfolgte seine wiedergewonnene Leidenschaft erneut obsessiv – wie er das auch schon beim Tanzen tat und führte bald schon zwei erfolgreiche Salons. Einige Jahre später brach er seine Zelte in der Schweiz aber wieder ab, um in die Staaten zu ziehen, wo er schon bald zum Coiffeur der Stars wurde. Dass er einst in seine Heimat zurückkehren würde, war ihm aber immer klar.

Das Schweizer Model Manuela Frey lernte Felix Fischer in New York kennen und frisierte sie für einige Shootings.

Alles selber machen

Als er im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie neun Monate alleine in seiner New Yorker Wohnung sass, war der Zeitpunkt für eine Rückkehr in die Schweiz da. Wieder zurück vermisst er aber die Inspiration. Er müsse sich die bald wieder in Paris oder Tokio suchen. Auch nach New York will er so bald wie möglich wieder. «Die Stadt hat einfach ein ganz anderes Tempo», sagt er. Seit einigen Monaten frisiert, schneidet und färbt Fischer nun also in einer umgemodelten Suite im Zürcher Hotel Savoy Baur en Ville. Er nimmt sich Zeit, kümmert sich alleine um alles, wäscht die Haare seiner Kundinnen selbst. Er schaut, dass der Champagner bereitsteht und, das sei für ihn das Wichtigste, kreiert eine Frisur, die perfekt zur Kundin passt. Bis Ende Jahr bleibt er dort, danach hat er weitere Projekte im Köcher. In der Schweiz will er dafür aber bleiben. 

In seiner Salon-Suite riecht es wunderbar nach Bergamotte, Sandelholz und Yuzu. Über die gelbgrau gemusterten Spannteppiche des Hotels legt er einen fuchsiafarbenen Teppich, auf den er einen knallroten Ledersessel stellt. An einer Wand lehnt ein Spiegel, an der anderen hängen Gemälde und in Neonfarben bemalte Schwarz-Weiss-Fotos mit Hollywood-Stars, die die klassische graue Hotel-Wandmalerei verdecken. Und überall stehen Blumen. Riesige Bouquets und Grünpflanzen. Hier, über dem Paradeplatz, tänzelt Felix Fischer hinter seinen Kundinnen, föhnt, betrachtet, schneidet. Der kosmopolitische Starcoiffeur aus Möriken ist zurück zu Hause und hat etwas Hollywoodflair mit nach Zürich gebracht.

www.felixfischerhair.com