Nicole Petignat | Coopzeitung
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Nicole Petignat

Früher gab sie als Referee auf den Fussballfeldern den Takt an, heute knetet sie müde Muskeln durch.

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Freshfocus, zvg
15. März 2021

Nicole Petignat will den Text am Ende nicht gegenlesen. Warum auch? Die ehemalige Spitzenschiedsrichterin hat eine klare Ansprache, wie man im Fussball-jargon so schön sagt. Da gibt es keine Missverständnisse. Das war früher auf dem Rasen nicht anders. Die Jurassierin beeindruckte die Inspizienten bei ihren Einsätzen in einem Masse, dass sie bald für Höheres berufen wurde. 1999 gab sie in der obersten Schweizer Spielklasse der Männer ihr Debüt.

«Das ging im einen Ohr rein und beim anderen wieder raus.»

Nicole Petignat

Eine Frau, die die Fusssballer nach ihrer Pfeife tanzen lässt – das gefiel vielen nicht. Sie wurde von den Fans mit faulen Sprüchen eingedeckt, zeigte sich aber unbeeindruckt: «Das ging im einen Ohr rein und beim anderen wieder raus.» Spielern, die zu wenig Respekt an den Tag legten, zeigte sie gerne einmal die Gelbe Karte. Petignat bekam aber auch Lob zu hören, zum Beispiel dieses: «Der beste Mann auf dem Platz war eine Frau.» Sie hätte sich gewünscht, der VAR – der Videoassistent – wäre schon damals zur Verfügung gestanden, «das hätte einiges erleichtert». 2008, nach Hunderten von Spielen, trat sie zurück.

Wenn die 54-Jährige an ihre grosse Karriere als Spielleiterin zurückdenkt, fällt ihr nicht als Erstes das Endspiel der Frauen-WM 1999 ein, auch nicht der Männer-Cupfinal 2007 zwischen Basel und Luzern (1:0), ebenso wenig eines der Europacup-Spiele, sondern ein 2.-Liga-Match in Luzern, «weil es so spannend war: Es ging hin und her». Der Fussball stand im Mittelpunkt, nicht der Referee.

Heute betreibt Nicole Petignat zwei Massage-Praxen in Soulce JU und in Watt ZH, wo sie ihren Hauptwohnsitz hat. «Das sorgt für Abwechslung.»