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Interview

«Das Risiko war immer kalkulierbar»

Nik Hartmann hat den Sender gewechselt. Der TV-Moderator über seine neue Reiselust auf 3+, seine Bereitschaft zu scheitern und was ihn mit dem Platzspitz verbindet.

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Christoph Kaminski
01. März 2021
Fertig Schweiz: Nik Hartmann,  hier im Platzspitz-Park in Zürich,  bereist in seiner neuen Sendung  auf 3+ den ganzen Globus.

Fertig Schweiz: Nik Hartmann, hier im Platzspitz-Park in Zürich, bereist in seiner neuen Sendung auf 3+ den ganzen Globus.

Wir treffen Nik Hartmann in Zürich im Platzspitz-Park hinter dem Landesmuseum zum Fotoshooting. Der Fernseh-Mann schaut sich verwundert um.

Nik Hartmann: Wahnsinn! Das ist jetzt etwa 30 Jahre her, dass ich zum letzten Mal hier gewesen bin.

Aha!

Nein, nicht was Sie denken. Ich gehörte nicht zur Drogenszene, die von der Polizei aufgelöst wurde.

Ach so.

Es war während einer Projektwoche an der Kanti Zug. Wir verteilten damals Suppe an die Menschen hier. Mich schaudert gerade, wenn ich zurückdenke. Das war eindrücklich für uns 18-Jährige. Es ist ein schöner Park geworden. Viele Bäume, Wasser in der Nähe. Da fühle ich mich wohl.

Am Wasser? Ich dachte, Sie wären mehr ein Mann für die Berge.

Ich fühle mich in der Natur wohl. Das können die Berge sein, aber auch das Wasser. In Zug wohne ich am Wasser.

Sie haben letztes Jahr zwei wag- halsige Kehren vollzogen. Als einer der beliebtesten Moderatoren haben Sie den Sender gewechselt: von SRF zu den nationalen TV- Sendern von CH Media. Und statt der Schweiz zeigen Sie uns nun mit Ihrer neuen Sendung auf 3+ den ganzen Globus, das heisst, vor allem das Ausland.

Das kann man so zusammenfassen.

Wie kommt das? Haben Sie in der Schweiz schon alles gesehen?

Nein, überhaupt nicht. Aber ich übergebe das, was ich gemacht habe, gerne auch mal anderen Augen. Der Reiz am Neuen war die Frage, ob die Art, wie ich reise, auch in anderen Kulturkreisen funktioniert. Ausserdem wäre es zu einfach und billig gewesen, beim neuen Arbeitgeber einfach das zu kopieren, was ich bisher gemacht habe.

Wird es wieder gefährlich?

Ich denke nicht, dass es jemals gefährlich war. Es war immer im Rahmen eines kalkulierbaren Risikos.

Aber es gab in Ihren bisherigen Sendungen schon die eine oder andere Situation, die zumindest gefährlich aussah.

Natürlich. Sobald man die eigenen vier Wände verlässt, birgt das Leben gewisse Risiken. Ich habe aber immer ein Urvertrauen in die Menschen gehabt, die mich geführt haben. Das hat mir bei allen Bergtouren geholfen. Es hat mich auch beruhigt, gerade in Situationen, in denen man sehr auf den nächsten Schritt fokussiert sein musste.

Haben Sie sich wirklich als Greenhorn auf die Dufourspitze und andere Gipfel bringen lassen?

Ich bin schon als Student geklettert und habe eine gewisse alpinistische Erfahrung mitgebracht. Ich weiss, dass ich mich im alpinen Gelände sehr wohlfühle. Und ich bin in all den Jahren natürlich zum Bergsteiger geworden.

Solche Situationen wird es in Ihrer neuen Sendung «Abenteuerlustig» nicht mehr geben?

Nein. Wobei: Eine Gefahr, die hinzukommt, ist, dass ich mich blossstelle. Wenn man bisher immer den Erfolg gesehen hat, wird man neu auch mein Scheitern sehen.

Sie und Comedian Claudio Zuccolini müssen Bewährungsproben bestehen. Das geht aber nicht Richtung «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus»?

Nein, das wäre ganz falsch. Ein neues Format zu entwickeln, ist nicht ganz einfach, weil man schon vieles gesehen hat. Unser Format wird von Zucco und mir getragen. Da braucht es kein Drehbuch, man lässt uns einfach mal losziehen.

Was passiert, wenn Sie losziehen?

Wir gehen an einen Ort, an dem wir noch nie waren. Dort bekommt jeder von uns eine Aufgabe, die er in Begleitung eines lokalen Führers in den folgenden zwei Tagen löst. Eine weitere Aufgabe lösen wir zudem gemeinsam. Erst einige Wochen später treffen Claudio und ich uns wieder und sehen, was der andere erlebt und gemacht hat und kommentieren das vor der Kamera. Das ist zum Brüllen. Claudio ist eher nicht der Abenteurer, ich bin nicht der lustige Typ, trotzdem meistern wir die Aufgaben auf unsere Weise – oder auch nicht.

Zum Beispiel?

Wir waren in Istanbul. Es gibt in der Türkei die Tradition des kriegerischen Bogenschiessens. Das musste ich ler- nen, ohne zu wissen, was genau auf mich zukommt, denn es wird immer noch eins draufgesetzt. Als ich das Schiessen einigermassen beherrschte, sollte ich das noch auf einem galoppierenden Pferd machen. Das war dann doch zu schwierig, also liess ich es lieber bleiben. Claudio musste dort Bauchtanz lernen. Die nächste Stufe war ein öffentlicher Auftritt. Den hatte er, der arme Kerl. (Lacht.)

Was ist die Absicht hinter der Sendung?

Die Zuschauer dürfen Land und Leute auf eine nicht alltägliche Art und durch uns kennenlernen. Im besten Fall bekommen sie Lust, die Stadt oder das Land selbst zu bereisen – in der Hoffnung, dass das bald wieder möglich sein wird. Das ist eine Aufgabe des Fernsehens, dass man in die Ferne sehen kann.

Wie kam das Duo Hartmann/Zuccolini zusammen?

Wir kennen uns seit bald 30 Jahren aus den Zeiten, als ich bei Radio 24 und er bei TeleZüri arbeitete. Wir sind immer in Kontakt geblieben, auch unsere Familien kennen sich. Claudio ist der Geniesser, und ich bin der Unruhige, ich muss los. Diese Kombination funk- tioniert sehr gut.

Reisen Sie auch privat viel?

Nein, weil ich beruflich durch die Wandergeschichten bereits viel unterwegs war. Wenn ich Ferien machte, dann in der Schweiz. Das hat auch mit der Familiensituation zu tun, weil unser jüngster Sohn Melchior beeinträchtigt und im Rollstuhl ist. Bei uns stand immer die Qualität des Reisens im Vordergrund, nicht die Distanz.

Was sagt Ihre Familie dazu, wenn Sie mal wieder unterwegs und somit abwesend sind?

Wir sind pro Destination vier Tage unterwegs. Das ist meine Familie gewohnt, das war auch vorher so.

Als Produzent der Sendung können Sie ja bestimmen, wo es hingeht.

Das mache ich nicht, weil ich ja überrascht werden möchte. Ich habe ein grosses Vertrauen in die Leute in meinem Team, von denen ich weiss, dass sie das Beste machen wollen.

Haben Sie auch Vertrauen ins Publikum, dass es das neue Format sehen will?

Ich glaube fest daran, dass die Sendung ihr Publikum finden wird. Natürlich ist es für einen Privatsender ein Wagnis. Wir haben in kürzester Zeit ein neues Format entwickelt und umgesetzt. Aber ich muss sagen: Ich habe schon viel gelacht bei Produktionen, auch abseits der Kamera, doch dieses Format übertrifft alles. Und ich bin sicher, die Zuschauer spüren das. Mein ältester Sohn Constantin hat gemeint: «Papa, endlich machst du etwas, das auch für die Jüngeren ist.»

Nik Hartmann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

Nik Hartmann

Auf Weltreise

Nik Hartmann (48), bürgerlich Dominik- Marc Hartmann, ist Radio- und TV-Moderator. Am 8. März 2021 startet auf dem Privatsender 3+ seine neue Sendung «Aben- teuerlustig». Zusammen mit Comedian Claudio Zuccolini (50) nimmt er sein Publikum auf Entdeckungsreisen rund um den Globus mit. Dabei bewältigen die beiden besondere Herausforderungen.

Von 2007 bis 2020 moderierte Hartmann die Sendung «SRF bi de Lüt» und machte sich als Wanderer der Nation einen Namen. Er bewältigte 2019 in 30 Tagen die Via Alpina von Vaduz (FL) nach Montreux VD. In sieben Folgen wurde diese Tour unter dem Titel «SRF bi de Lüt Wunderland Spezial – Via Alpina» gesendet. Privat lebt Nik Hartmann mit seiner Frau und den drei Söhnen am Zugersee.