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Interview

«Die Generation Z ist aktivistisch»

Yaël Meier ist Unternehmerin, Schauspielerin und seit Januar Mutter. Die 21-Jährige berät gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Firmen im Umgang mit der Generation Z.

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Herbert Zimmermann
02. Juli 2021
Im vergangenen Jahr ist Yaël Meier auf der Forbes-Liste «30 under 30» gelandet.

Im vergangenen Jahr ist Yaël Meier auf der Forbes-Liste «30 under 30» gelandet.

Yaël Meier, ich bin ein Millennial, Sie gehören zur Generation Z. Was unterscheidet uns?

Der grösste Unterschied ist, dass meine Generation mit Handy und Internet aufgewachsen ist und das Leben ohne gar nicht kennt. Sie hingegen können sich gut an die Zeit erinnern, in der noch nicht alles online vernetzt war.

Wie tickt Ihre Generation?

Die Generation Z ist aktivistisch. Sie will die Welt verändern und zu einem besseren Ort machen. Das sieht man beispielsweise bei Klimademos.

Das tönt alles sehr positiv. Was sind die Schattenseiten?

Ein grosses Thema ist die mentale Gesundheit. Sehr viele Junge fühlen sich unter Druck gesetzt oder haben psychische Probleme. Da haben sicher auch die sozialen Medien einen markanten Einfluss darauf. Man vergleicht sich ständig mit anderen. Um darauf aufmerksam zu machen, unterstütze ich Unicef bei einer Studie als «Stimme der Jugend».

In den Medien geben Sie häufig Auskunft als Stimme der Generation Z.

Ja, das stimmt. Ich wurde bereits vor der Gründung unserer Agentur Zeam oft um meine Meinung und Einschätzung bei Jugendthemen gebeten. Ich hatte schon immer ein sehr gutes Gefühl für die Lebenswelten von jungen Menschen – das hat sich noch zugespitzt, seit ich mich täglich damit befasse. Ausserdem merken Unternehmen gerade, dass wir Jungen viel mehr Potenzial haben, als man uns zutraut.

Zeam berät Bauunternehmen, Gesundheitsmarken, aber auch Politiker. Gibt es eine Branche, der Sie nicht zur Seite stehen?

Nein, denn junge Menschen sind für jede Branche wichtig. Es gibt ja nicht nur junge Kunden, sondern auch junge Mitarbeiter. Branchentechnisch ist es egal, wen wir beraten. Das macht es für uns spannend.

Was wollen Sie mit Zeam erreichen?

Unsere Vision ist es, junges Denken in Unternehmen zu bringen.

Die Jungen bleiben aber nicht immer jung. Irgendwann kommt die Generation Alpha. Hat Ihr Unternehmen ein Ablaufdatum?

Nein, in zehn Jahren werden aber sicher nicht mehr mein Lebens- und Geschäftspartner Jo Dietrich und ich die Agentur führen. Dann würde unsere Message keinen Sinn machen. Zeam funktioniert, weil sich bei uns Junge mit Jungen beschäftigen. Das wird auch so bleiben.

Der Fokus liegt zwar auf den Jungen, oft arbeiten Sie aber mit Älteren zusammen. Werden Sie unterschätzt?

Nein. Unternehmen, die mit uns ar- beiten, wissen, was wir können. In den letzten Monaten haben wir gezeigt, dass es sich lohnt, auf junges Denken zu setzen. Aber als junge Frau in der Wirtschaftswelt fühlte ich mich schon nicht immer ernst genommen.

Inwiefern?

Zum Beispiel passierte es ab und zu in Sitzungen, dass Jo automatisch die operative Führung zugeschrieben wurde und mir das Marketing. Oft werde ich auch in die Schublade «Influencerin» gesteckt. Nichts gegen diesen Job, aber ich bin Unternehmerin.

Wird über Sie geschrieben, ist das Attribut «jung» nicht weit. Sie sind eine junge Mutter und eine junge Unternehmerin. Stört Sie die Reduktion auf das Alter?

Nein, das ist kein Problem. Ich fühle mich nicht auf mein Alter reduziert. Mit 21 bin ich ja wirklich noch jung – dann ist es verständlich, dass das immer wieder zur Sprache kommt.

Jung ist auch Ihr Mutterglück. Sie und Ihr Partner Jo arbeiten beide, kümmern sich gleich viel um Ihren Sohn: Kommt das natürlich, oder gibt es Momente, in denen Sie in «alte» Muster fallen?

Nein, wir teilen uns das alles auf. Das kommt bei uns wirklich natürlich. Es war uns von Anfang an klar, dass wir das so handhaben möchten. Anders hätte es für uns nicht gepasst. Jo will für sein Kind da sein, ich will Karriere machen – und umgekehrt. Das funktioniert aber nur, weil wir am gleichen Strang ziehen.

Früher war nicht alles schlecht. Gibt es Werte, die Ihre Eltern Ihnen mitgegeben haben, die Sie Ihrem Sohn weitergeben wollen?

Meine Mutter hat mich gelehrt, dass ich mich für andere Menschen einsetze. Das heisst, dass ich mich starkmache, wenn ich miterlebe, wie jemandem unrecht getan wird. Das will ich ihm weitergeben. Mein Vater erfreut sich an den kleinen Dingen im Leben. Auch das finde ich etwas sehr Schönes.

Mit negativen Kommentaren waren auch Sie konfrontiert, als Sie Ihre Schwangerschaft kommuniziert haben: Sie seien zu jung, und das alles sei zu wenig durchdacht.

Negativ waren vielleicht höchstens fünf Prozent der Reaktionen – das sieht von aussen nach viel aus, weil Negatives unbewusst schwerer gewichtet wird. Aber so ist es oft im Leben, von Negativität darf man sich einfach nicht unterkriegen lassen.

Sie schreiben Texte für die «NZZ» und die «Weltwoche», haben in Filmen mitgespielt, sind Mutter und Unternehmerin. Auf den sozialen Medien scheint es, als würden Sie all diese Rollen ganz einfach jonglieren.

Ich lebe mich gerne aus. Die verschiedenen Lebensbereiche befruchten sich gegenseitig und geben mir Energie. 

Stimme einer Generation

Yaël Meier

Yaël Meier wächst in Vitznau LU auf. Im Alter von 14 Jahren spielt sie ihre erste Rolle im SRF-Film «Upload». Mit 17 unterschreibt sie einen Arbeitsvertrag bei «Blick». Zwei Jahre später gründet sie mit Jo Dietrich (24) das Beratungs- und Kommunikationsunternehmen Zeam. Mit 20 Jahren wird sie Mutter eines Sohnes.