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Kulinarik

Granatapfel: Der gekörnte Apfel

Dem Granatapfel haftet etwas Mythisches an. Als Symbol für ewige Jugend und Fruchtbarkeit wird er in seinen Herkunftsländern seit Jahrhunderten verehrt.

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Ferdinando Godenzi
24. Juli 2011

Kernen: Gurke schälen, in Scheibchen schneiden, mit einer roten Zwiebel, etwas frisch gehackter Minze, Zitronensaft, Salz und Pfeffer und den Granatapfel-Kernen mischen. 1 Stunde ziehen lassen.

Es gibt viele Blickwinkel, aus denen man den Granatapfel betrachten kann. Der Granatapfel ist die Frucht der Musse, der Küsse, der Liebe, der ewigen Jugend und? Ja, der Römer, den mutigen Kämpfern und Eroberern! Unglaublich, wie viele verschiedene Gesichter diese Frucht hat. Wahrscheinlich zum ersten Mal haben wir sie nun einmal gekrönt. Die aus West- und Mittelasien stammende Frucht hat diese Ehrung verdient. Sie galt bereits im Altertum als mythische Frucht der Unsterblichkeit. In den Anbauländern wird ihr eine unglaublich lange Liste gesundheitsfördernder Eigenschaften zugeschrieben. Sie soll einen positiven Einfluss auf verschiedenste Krankheiten haben. Manche behaupten, der Verzehr von Granatäpfeln lindere Herz-Kreislauf-Beschwerden, senke den Blutdruck und hemme sogar das Wachstum von Brust- und Prostatakrebs. Ob etwas Wahres dran ist?

Dem ihr nachgesagten Mythos der Unsterblichkeit fügte die griechische Liebesgöttin Aphrodite noch ein weiteres Attribut hinzu: Sie nutzte den Granatapfel aufgrund seiner grossen Anzahl Samen als Fruchtbarkeitssymbol. Die Anzahl seiner Samen unter der festen Schale scheint unendlich, sie haben ihm auch gleich ihren lateinischen Namen gegeben: Punica granatum. Die lateinische Bezeichnung des Granatapfels geht in vielen Sprachen auf den Begriff granae zurück, der Kerne oder Körner bedeutet. Orient, Mythologie und Fruchtbarkeit die Frucht ewiger Jugend scheint Aura und Inhalt aus einer anderen Zeit und von weit her bis ins Hier und Heute hinübergerettet zu haben.

Sehr gut können wir uns eine hübsche arabische Prinzessin in Tausendundeiner Nacht den erfrischenden Granatapfelsaft schlürfend vorstellen. Doch so fern muss die Fantasie gar nicht schweifen: der Punica granatum hatte den Römern sei Dank schon vor rund 2000 Jahren auch seinen Weg in die Schweiz gefunden. Bei Ausgrabungen am Legionslager Vindonissa im Aargau konnte der Verzehr von Granat- äpfeln sicher nachgewiesen werden. Bis er mit dem Verschwinden der Römer diese Region vorerst wieder verliess. Es wäre noch spannend zu erfahren, wie Adam und Eva, Aphrodite und Paris, Cleopatra und Cäsar ihre Liebesäpfel verspeist haben. Ja, wie sie sich überhaupt einen Zugang zu den saftigen, süss-sauren Fruchtkernen verschafft haben. Es gibt mehrere Techniken, an die ein wenig nach Johannisbeere und Fruchtgummis schmeckenden Kerne zu kommen.

Unser altbewährter Trick, einen Granatapfel zugänglich zu machen, funktioniert folgendermassen: Wir vierteln die hartschalige Frucht mit einem scharfen Messer (Achtung, das spritzt!) und befreien die kleinen Fruchtkerne, den Apfel tief in ein mit Wasser gefüllten Topf getaucht, von all ihren Hüllen und Schalen. Die Früchte sinken dabei auf den Boden des Gefässes, die Schalenanteile schwimmen obenauf und können so sehr leicht herausgefischt werden. Das Schälen sollte so spritzfrei wie irgend möglich vonstattengehen, denn Flecken des roten Fruchtsaftes auf der Kleidung können Sie nie wieder entfernen. Immerhin nutzen die Menschen in Indien und Persien die resistenten, kräftigen Farben des Granatapfels, um damit ihre Wolle und Teppiche zu färben!

Die in reifem Zustand gelb- bis rotbraune Frucht lässt sich gut transportieren und bei Zimmertemperatur ist sie 2 bis 3 Wochen haltbar. Also selbst, wenn die Schale schon schrumplig ist, sind die Früchte im Inneren noch geniessbar.