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Kulinarik

Kirschen: Geschenk der Römer

Die Kirsche ist ein Schmuckstück. Und eine genauso mythische wie lebensfrohe Frucht. Mit den Legenden über die Kirsche könnte man Bücher füllen. Hier ist ein erstes Kapitel.

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Ferdinando Godenzi
24. Juli 2011

Dieses Dessert ist schnell zubereitet: feine Kirschen mit Quark. Kirschen entsteinen, vierteln und mit Rahmquark mischen.

Welch ein Glücksgefühl, wenn die Kirschbäume plötzlich mit weissen Blüten übergossen die Landschaft romantisch verzaubern! Es gibt kein schöneres Symbol, vom dunklen, kalten Winter befreit zu sein. Der Moment ist kurz. Die Blüte der Kirschbäume dauert nur wenige Tage. Japanische Maler werden der Versuche nie müde, jedes Jahr diesen Moment der Kirschblüte noch schöner und noch faszinierender darzustellen. Kirschblüten gelten in der Malerei als Symbol für die Liebe und ihre Vergänglichkeit. In der griechischen Mythologie ist die Sicht auf die Kirschen allerdings ambivalenter. Vielleicht wegen seiner silbrigen Rinde galt der Kirschbaum hier als Mondbaum. Wie der Mond symbolisiert er die Fruchtbarkeit der Erde, das Werden und Vergehen, den Rhythmus des Todes und der Wiedergeburt. Der Kirschbaum ist Artemis, der Göttin der Jagd und des Todes, geweiht.

Die pralle Fülle der Kirschen ist auch Abbild der Sünde: Wenn eine junge Frau einen Kirschzweig vor ihrer Haustür fand, hatte sie vor der Zeit Kirschen gebrochen, das bedeutete, sie war vor der Ehe schwanger geworden, sie wurde verachtet. Luther formulierte in seinen Tischreden: Der eine frisst die Kirschen auf und hängt den Korb dem anderen an den Hals. Will heissen: Der eine schwängert ein Mädchen und überlässt es einem anderen, es zu heiraten. Der Spruch Mit ihm ist nicht gut Kirschen essen sagt auch heute noch, dass man sich mit dieser Person besser nicht anlegt. Diese Redewendung hat ihren Ursprung im Mittelalter. Damals lautete sie auch noch anders, nämlich: Wer mit Herren Kirschen essen will, dem werfen sie die Stiele in die Augen. Sie taucht in den Fabeln und Geschichten des Berner Predigermönchs Ulrich Boner um 1350 auf und gilt als Warnung an Untergebene, sich vor den Launen ihrer Herren gut in Acht zu nehmen.

Wir möchten aber eigentlich lieber an den positiven Eigenschaften dieser herrlich-feinen und in ihrer doppelten Erscheinung auch ausgesprochen hübschen Frucht festhalten. Damit sind wir auch einer Meinung mit Lukullus, dem römischen Feldherrn, Urahn aller Gourmets und Kirschförderer schlechthin. Lukullus militärische Errungenschaften sind längst vergessen, nicht aber seine Kriegsbeute: Er brachte die allerersten Süsskirschen von der Schwarzmeerküste (wahrscheinlich aus Armenien) nach Rom. Als ausgeprägter Feinschmecker räumte er dem mitgebrachten Kirschbäumchen auf seinem Triumphwagen einen zentralen Platz ein, denn seiner Meinung nach war es seine kostbarste Kriegsbeute. Wer sich also 2200 Jahre später noch an einem eigenen Kirschbaum im Garten erfreut, kann den Römern noch ein Ave! hinterherschicken. Auf jeden Fall würden wir es aber nicht versäumen, einen Kirschbaum zu nutzen, um darunter den ersten Kuss zu wagen oder romantische Liebesschwüre zu tun.

Hochstammbäume: Sind noch schöner

Ihre wirtschaftliche Hochblüte erlebte die Kirsche in der Schweiz im 20. Jahrhundert. Schon 1951 zählte man landesweit 2 Millionen Kirschbäume. Das Baselbiet und Fricktal gelten als klassische Kirschgebiete. Im Kanton Schwyz gibt es heute rund 30000 Kirschbäume. Schweizweit hat man das letzte Mal im Jahr 2001 noch 530000 Hochstammbäume gezählt.

Der Trend in der Kirschzucht ging in den letzten Jahren immer mehr zu Niederstammbäumen, damit man die Kirschen leichter ernten kann. Doch in der Region Zug-Rigi wurden kürzlich 6000 neue Hochstammbäume gepflanzt, um das Landschaftsbild aufzuwerten, schreibt die Tagespresse.