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Die Rüeblitorte von Pascale Bruderer Wyss

John Wittwer, Redaktor und gelernter Koch, bereitet mit Persönlichkeiten Schweizer Gerichte zu. Heute mit der Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer Wyss eine feine Rüeblitorte.

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Andreas Fahrni
29. Oktober 2012

Selber backen macht Spass. Die Vorfreude ist den beiden anzusehen.

 

Reportage

 

Sie hat schon etliche Rüeblitorten gebacken, die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer Wyss. Davon profitiert haben bis jetzt vor allem Freunde und ihre Familie. Doch die Torte, die sie für die Coopzeitung gebacken hat, landet sogar im Bundeshaus. Meine Fraktionskollegen werden sich freuen, wenn ich ihnen zum Sessionsstart eine süsse Überraschung mitbringe, strahlt Pascale Bruderer Wyss. Das Rezept dazu stammt ursprünglich aus einem Kochbuch. Sie hat jedoch damit gepröbelt mit den Mengen, den Zutaten und mit der Süsse. Das Resultat lässt sich sehen und natürlich vor allem genüsslich verspeisen. Gut, dass die Politikerin damit experimentiert hat. Denn auch die beiden zwei Tage vor unserem gemeinsamen Backen produzierten Rüeblitorten haben reissenden Absatz gefunden und viele Komplimente eingeheimst. Eine Rüeblitorte muss mindestens zwei Tage vor dem Genuss gebacken und dann gut verpackt in den Kühlschrank gestellt werden, erst dann ist sie richtig feucht, ist die Aargauerin überzeugt.

Gebacken hat sie im Übrigen schon als Kind, meist mit ihrer Mutter oder zusammen mit ihren beiden älteren Schwestern, von deren Erfahrungen sie viel profitieren konnte. Klar haben wir auch Rüeblitorte gemacht. Unser Lieblingsrezept in dieser Zeit war allerdings ein Mississippi-Cake, das ist der mit den Schoggistängeli drin, blickt sie zurück. Mehr als einmal sei es dabei vorgekommen, dass die drei Mädchen bei dieser Gelegenheit einen guten Viertel des Teiges vorneweg schnausten. Ohne anschliessendes Bauchweh, welches es ja offenbar von rohem Teig geben soll, schmunzelt sie. Und sie erinnert sich gleich noch an eine andere Geschichte: Als meine Freundin und ich einmal einen Marmorcake doppelte Menge backen wollten, merkten wir erst ganz am Schluss, als alle wertvollen Zutaten in der Schüssel waren, dass wir statt Zucker Salz genommen hatten. Eine Riesenenttäuschung! Nicht zuletzt deshalb wohl lagert sie heute in ihrer Küche Zucker und Salz in ganz unterschiedlichen Gläsern und gut angeschrieben.

Während der Session weilt die Ständerätin meist in Bern und isst täglich auswärts oder bei einer befreundeten Familie. Zu Hause aber kocht sie gerne und regelmässig. Mein Mann und ich wechseln uns dabei ab, oft stehen wir auch gemeinsam in der Küche, vor allem abends. Wir gehen weniger häufig auswärts essen als früher. Lieber geniessen wir unsere kleine Familie zu Hause und laden auch mal Gäste ein. Dann tischen die beiden gerne Gerichte auf, die im Voraus zubereitet werden können. Im Sommer zum Beispiel etwas vom Grill, dazu Beilagen, Gemüse oder Salat. Ein anderer Favorit sind mexikanische Faijtas. Diese Weizentortillas können alle individuell mit den vorbereiteten Zutaten wie Fleisch, Gemüse, Sauce und anderem belegen und rollen. Jeder ganz nach seinem Gusto und in meinem Fall gerne scharf, ergänzt Pascale Bruderer Wyss. Raclette wiederum sei der absolute Winterhit. Auch da könne jeder am Tisch sein Esstempo selber bestimmen und die gewünschten Beilagen wie Birnen, Ananas oder Pilze picken. Sie schätzt im Alltag aber auch ein Gericht aus dem Wok oder Pasta mit vielen frischen Zutaten und liebt dabei die Gesellschaft von Gästen rund um ihre Kochinsel. Gerne geniesst sie auch einen ausgiebigen und unkomplizierten sonntäglichen Brunch.

Und bei allem Aufzählen vergisst sie nicht (schmunzelnd) zu erwähnen: Ich koche übrigens um einiges lieber als dass ich putze, abwasche oder die Wäsche besorge. Der Haushalt aber funktioniere partnerschaftlich und zwar ohne grosse Absprachen oder sture Aufgabenteilung. Das war schon immer so, funktioniert ganz automatisch und wurde seit der Geburt unserer Tochter noch selbstverständlicher. Pascale Bruderer Wyss hat mit Rücksicht auf die Familie vor einiger Zeit die Geschäftsführung der Aargauischen Krebsliga abgegeben. Auch mit dem Rücktritt als Vizepräsidentin der SP Schweiz hat sie sich entlastet. So konzentriert sie sich jetzt politisch auf das Amt als Ständerätin und setzt sich mit Freude und Herzblut für die Inte-ressen des Kantons Aargau ein. Pascale Bruderer Wyss, die mit hörbehinderten Menschen aufgewachsen ist und auch deshalb schon früh in die Politik eingestiegen ist, blieb ihrem Schwerpunkt Sozialpolitik treu. Zusätzlich kümmert sie sich in den verschiedenen Kommissionen um zahlreiche weitere Dossiers. Die Entlastung des Mittelstands ist mir ein wichtiges Anliegen, dazu gehören auch bezahlbare Krankenkassenprämien für Familien. Und nicht zuletzt setze ich mich für die Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien ein ganz im Sinn einer vernünftigen, zukunftsgerichteten Energiepolitik, fasst sie kurz zusammen.

Rezept

 

Zutaten:
Für 4 Personen

  • 5 Eier
  • 150 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Zitrone für Zeste und Saft
  • 400 g Rüebli, geraffelt
  • 1-2 TL Zimt
  • 1 Messerspitze Nelkenpulver
  • 250 g gemahlene Mandeln
  • 75 g Mehl
  • TL Backpulver
  • 20 g Butter (zum Ausbuttern der Springform)


Glasur:

  • 150 g Puderzucker
  • 1 EL Wasser
  • 2 EL Zitronensaft


Zubereitung:

Eier in Eigelb und Eiweiss trennen. Eigelb mit Zucker und Salz schaumig rühren. Die Zesten (alternativ abgeriebene Zitronenschale), 2 EL Zitronensaft, geraffelte Rüebli, Zimt, Nelkenpulver und gemahlene Mandeln beigeben, umrühren. Dann nach und nach auch das gesiebte Mehl und Backpulver beifügen. Am Schluss das zu festem Schnee geschlagene Eiweiss unterziehen. Den Teig in eine ausgebutterte Springform füllen. Im auf 180 C vorgeheizten Ofen ca. 45 Min. backen. Erkalten lassen und vorsichtig auf einen grossen flachen Teller stürzen. Dann gut in Alufolie einpacken und für ein bis zwei Tage in den Kühlschrank stellen. Den kalten Kuchen eventuell mit verdünnter Aprikosenkonfitüre bepinseln, damit die Glasur besser haften bleibt. Dann Puderzucker, Wasser und Zitronensaft sehr gut verrühren. Den Kuchen mit dieser Glasur überziehen, mit Marzipan-Rüebli garnieren und vor dem Servieren noch einen Tag kühl stellen.

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Zutaten
Für 4 Personen

  • 800 g Rüebli
  • 1 Schalotte
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Kartoffel
  • 1 EL Butter
  • 1 Zitrone
  • 6 dl Gemüsebouillon
  • 2 dl Rahm
  • 1 TL Ingwer frisch
  • 1 TL Curry
  • 1 Bund Schnittlauch
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle


Zubereitung:
Rüebli, Kartoffel, Schalotte und Knoblauch schälen. Schalotte und Knoblauch fein hacken und in der Butter glasig dünsten. Rüebli und Kartoffel in Scheiben schneiden, dazugeben, ebenso die Bouillon und zugedeckt weich kochen, dann pürieren. In der Zwischenzeit Ingwer fein raffeln, Zitrone waschen und mit einem Sparschäler die halbe Rinde schälen und ganz fein hacken. Zur pürierten Suppe geben, mit Curry, Salz und Pfeffer abschmecken. Rahm steif schlagen und die Hälfte darunterziehen. Suppe anrichten, mit dem restlichen Schlagrahm und dem fein geschnittenen Schnittlauch garnieren.

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Steckbrief

Persönlich: Pascale Bruderer Wyss wurde am 28.Juli 1977 in Baden AG geboren und wuchs dort mit zwei älteren Schwestern auf. Sie wohnt mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter Juliana, die vor Kurzem ihren ersten Geburtstag feiern konnte, in Nussbaumen bei Baden.

Ausbildung/Karriere: Schule, Matura und 1997 erste berufliche Schritte an der Schwerhörigenschule Landenhof in Unterentfelden, später im Bankensektor. Studium der Politologie, Staatsrecht, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an den Universitäten Zürich und Växjö (Schweden). Abgeschlossenes Lizenziat, Master in Political Science. Weiterbildungen, unter anderem in den USA. Nach einer Anstellung für Gemeinschaftsprojekte bei Microsoft Schweiz machte sie sich ab 2008 beruflich selbstständig. Geschäftsführerin der Krebsliga Aargau auf Mandatsbasis bis Ende 2011.

Politik: 1997 Einwohnerrätin Stadt Baden, 2001 Grossrätin, 2002 Wahl in den Nationalrat. 2010 Nationalratspräsidentin und seit 2011 Ständerätin für den Kanton Aargau. Sie wirkt in den ständerätlichen Kommissionen für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK), für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) sowie für staatspolitische Fragen (SPK) mit.

Mehr unter: www.pascale-bruderer.ch

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