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Kulinarik

Blutwurst: Von Rittern geadelt

Lust auf Blut sagt man eigentlich nur Vampiren nach, doch auch unter den Sterblichen wandeln Blutliebhaber.

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Ferdinando Godenzi
28. Oktober 2013

Mortagne-au-Perche ist eine kleine Gemeinde in der Basse Normandie in Frankreich. Einmal pro Jahr, jeweils am dritten Wochenende im März, wird das kleine Städtchen aber zu einem richtigen Mekka. Dann rollen Lieferwagen aus der ganzen Welt an und sorgfältig verpackte Päckchen treffen in der Rue Ferdinand de Boyeres Nummer 23 ein. Alle diese Lieferungen beinhalten das Gleiche: Blutwürste. Denn Mortagne-au-Perche ist nicht nur die Heimat von 4093 Einwohnern, sondern auch der Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin, der Bruderschaft der Ritter der Blutwurst. Diese in den 60er-Jahren gegründete Bruderschaft hat sich dem Ziel verschrieben, die kulinarische Tradition der Blutwurst zu erhalten und ihr Ansehen zu fördern. Dazu gehört auch die Durchführung des weltweit grössten Blutwurstwettbewerbs, dem Grand Prix International du Goûte Boudin. Mehrere Hundert Teilnehmer hoffen alljährlich auf eine Auszeichnung.

Die Blutwurst wurde laut den Analen der Ritter von den maurischen Eroberern in der Region eingeführt. Auf einer Anhöhe hätten diese gelagert und aus diesem Lager, das sie Mauritania nannten, sei später Mortagne geworden. Im Mittelalter hätte sich die Stadt einen Ruf in der Herstellung der Blutwurst gemacht und wäre dafür von der Champagne bis nach Flandern berühmt gewesen.
Die Blutwurst ist aber keine französische Spezialität, sondern eine der ältesten Würste überhaupt, die bereits in Homers Odyssee erwähnt wurde. Variationen von ihr findet man in vielen Ländern wie Spanien (Morcilla), England (Black Pudding), Finnland (Mustamakkara) oder Irland (Drisheen), um nur einige zu nennen. Genauso vielfältig sind deshalb auch ihre Variationen. Generell lassen sich aber folgende Grundzutaten definieren: gewürztes Blut (meist vom Schwein) und fein zerkleinerte Schwarte. Je nach Land und Variation werden den Grundzutaten weitere Zutaten wie etwa Speck, Innereien, Rahm, Zwiebeln, Honig oder Hafer beigegeben um ebenfalls nur einige zu nennen.

Besonders bekannt für ihre Blutwürste sind Deutschland und Österreich, deshalb existiert beim internationalen Wettbewerb der besten Blutwurst für diese zwei Länder eine eigene Kategorie. Um die besten Blutwürste zu küren, werden die Würste von einer ersten Jury vorsondiert und anschliessend von einer Hauptjury, bestehend aus Metzgermeistern und Mitgliedern der Académie des Confrères Gastronomiques unter dem Vorsitz des Grand Maître de la Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin, blind verkostet. Wer selbst ein Ritter der Blutwurst werden will, der muss von einem Mitglied vorgeschlagen werden, sich um die Blutwurst verdient gemacht haben und schwören, sie mindestens einmal pro Woche zu verzehren.Bernerplatte mit gebratener Blutwurst, Sauerkraut und Salzkartoffen. Dazu gibts karamellisierte Apfelschnitze.