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Cocktails: Der Siegerdrink erschien ihm im Traum

Andy Walch, Schweizer Cocktailmeister 2013 und Barkeeper of the Year, lässt die Coopzeitung ins Glas schauen.

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Philipp Zinniker 
23. Dezember 2013

Nachmachen erlaubt: Die Rezepturen dieser vier Drinks finden Sie unter dem Reiter Rezepte.


Bericht

Eines gleich vorweg: Andy Walch schüttelt ihn nicht! Der Cocktail Royal Temptation wird gerührt. Ich war der Einzige an der Schweizer Meisterschaft, der seinen Cocktail nicht im Shaker schüttelte. Denn beim Schütteln brechen kleine Stückchen von den Eiswürfeln und verwässern den Drink.

Cocktailmeister Andy Walch mit seinem Siegerdrink Royal Temptation.

Mit seiner neuesten Cocktailkreation gewann er in diesem Jahr die Schweizer Cocktailmeisterschaft. Bereits zwei Wochen zuvor überzeugte er mit dem Drink Golden Plum, mit dem er sich den Titel Barkeeper of the Year 2013 holte. Die Idee für den Royal Temptation hatte er im Schlaf. Eines Nachts träumte ich von der Kombination Pflaume und Brombeere. Ich musste sie gleich am nächsten Tag ausprobieren. Sechs Monate habe ich daran gearbeitet und meine Versuche immer wieder Kollegen zum Testen gegeben. Das Feedback und der Austausch mit den Kollegen ist Andy Walch wichtig und er ist mit Barkeepern auf der ganzen Welt vernetzt. Am Ende stand seine Rezeptur für diesen Longdrink fest. Zu den beiden Zutaten der ersten (Nacht-)Stunde hat er die Ingredienzien Malibu, Cassismark und Superberry Purple hinzugefügt. Jetzt stellt er den Lesern der Coopzeitung sein Rezept exklusiv zur Verfügung; Ersatzvorschläge für Zutaten, die man vielleicht nicht ohne Weiteres findet, eingeschlossen.

Bei einem richtigen Cocktail, der mindestens zwei verschiedene Bestandteile enthalten sollte, geht es jedoch um mehr als die Rezeptur. Ein Cocktail hat Charisma und wenn er wirklich gut ist auch eine eigene Geschichte. Es ist das Drumherum, das ihn zum Kult macht. Der klangvolle Name und ein stilvolles Glas sind unerlässliche Attribute, die ihm Flair und Image verleihen. Wenn es beispielsweise um das passende Glas geht, ist dem Cocktailmeister keine Recherche zu aufwendig. Ich suche sogar auf Flohmärkten nach schönen Gläsern. Den Namen seines Cocktails, Royal Temptation, königliche Versuchung also, hat der Englandfan Walch dem Nachwuchs am englischen Königshof gewidmet. Mit Anzug, Schlips und Kragen steht der gebürtige Österreicher hinter dem schön beleuchteten Bartresen der Lobby-Lounge-Bar des Fünfsternehotels Schweizerhof in Bern. Er ist 25 Jahre jung, seine Ausbildung an der Hotelfachschule in Bludenz (Österreich) und Barfachschule Rostock (Deutschland) ist noch nicht sehr lange her. Doch seitdem ist für Andy Walch unglaublich viel passiert. Seine wohl wichtigste Station auf dem Weg zu seinen Siegertiteln war London, wo er 2011 im Fünfsternehotel Aldwych in Covent Garden als Barkeeper gearbeitet hat. Die Stadt, die Menschen, das Leben London begeistert ihn: Meine Freundin und ich sind mit einem Koffer in London angekommen. Wir hatten keine Wohnung und keinen Job, erzählt er. Zwei Wochen später hatten die beiden ein 35-Quadratmeter-Appartement für 800 Pfund im Zentrum und eine Stelle gefunden. In London ist vieles völlig anders, es war eine fantastische Zeit. In der Trendmetropole hätten Cocktails einen höheren Stellenwert als in der Schweiz, doch es kämen auch immer mehr Schweizer auf den Geschmack der Cocktail-Kultur.

In der Lobby-Lounge-Bar des Hotels herrscht reger Betrieb, nicht nur Hotelgäste nehmen hier gerne ihren Kaffee oder Drink ein, auch die Berner selbst sowie Geschäftsleute. Ich habe im Hotel Schweizerhof in Bern als normaler Barkeeper begonnen und bin nun der Lobby-Lounge-Bar-Manager des Hauses, sagt Andy. Das macht mich richtig glücklich. Er bleibt Realist, er will den Boden nicht unter den Füssen verlieren: Ich habe für meinen Beruf sehr viel gegeben in den letzten Jahren und wichtige persönliche Ziele erreicht. Im Moment soll für mich alles bleiben, wie es ist, das habe ich auch so mit meiner Freundin besprochen. Attraktive Angebote, die er regelmässig von anderen Hotels bekommt, schlägt er aus. Doch das grosse Superziel, die Weltmeisterschaft im September 2014 in Kapstadt, für die sich Andy Walch mit dem Titel Schweizer Cocktailmeister 2013 qualifiziert hat, das hat selbstverständlich noch Platz in seiner Agenda. Ein Platz unter den ersten drei, lautet sein Wunsch.

Mit welchem Drink Andy Walch in Südafrika antreten wird, weiss er noch nicht? Vielleicht sollte er vorher noch den richtigen Traum träumen...

Rezepte

Zutaten

  • 4 cl Malibu
  • 1,5 cl Crème de mûre des Roncières Cartron (Alternative: Crème de cassis Guyot)
  • 1 frische Pflaume (oder je nach Saison Zwetschgen, gefroren)
  • 1,5 cl Cassismark (oder pürierte Blaubeeren)
  • 8 cl Superberry Purple (oder Cranberry-Saft)

Zubereitung

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Zutaten

  • 200 g Sushireis
  • 1 TL Salz
  • 250 ml Wasser
  • 4 EL Reisessig
  • Lachs geräuchert
  • Essig
  • Wasabi

Zubereitung

Die Handflächen mit Essigwasser anfeuchten und 2 EL Sushireis zu 4 cm langen Klössen formen, die vorsichtig etwas platt gedrückt werden. Je nach Belieben etwas Wasabi auf dem Reis verteilen. Am Schluss eine Scheibe zurechtgeschnittenen Lachs auf den Reis legen und mit dem Fisch nach oben mit Sojasauce servieren.

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Zutaten

  • 15 cl Apfelsaft
  • Zimtstangen
  • 2 cl Limettensaft, frisch gepresst
  • Minze

Zubereitung

Limettensaft in ein mit Eiswürfeln vorgekühltes Longdrink-Glas füllen. Mit Apfelsaft aufgiessen und mit Zimtstange und Minze dekorieren.

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Zutaten

  • 170 ml Milch
  • 2 Eier
  • 5 EL Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 2 EL zerlassene Butter
  • 1 EL Rumrosinen
  • Saft und Schale einer halben Zitrone
  • 4 EL Zucker
  • 2 Boskop-Äpfel

Zubereitung

Milch, Mehl, Eier, Salz, Butter zu einem Crêpeteig zusammenrühren und 2 Std. ruhen lassen. Äpfel schälen, würfeln, mit Zitronensaft und -schale, Rumrosinen mischen. Zucker zu Karamell kochen, Apfelwürfel hinzugeben, 5 Minuten gar kochen. Crêpes in der Pfanne dünn ausbacken und mit den karamellisierten Äpfeln füllen.

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Zutaten

  • 1 Limette
  • 2 EL weisser Rohrzucker
  • 4 cl Cachaça
  • 10 cl heisses Wasser

Zubereitung

Limetten in einem Glas zerdrücken. Anschliessend Zucker und Cachaça hinzufügen und mit heissem Wasser aufgiessen und umrühren.

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Zutaten

  • 1 Stück Würfelzucker
  • 2 Tropfen Angostura
  • 2 cl Grand Marnier
  • 10 cl Champagner
  • 1 Scheibe Orange

Zubereitung

Würfelzucker in ein Champagnerglas geben und mit zwei Tropfen Angostura beträufeln. Grand Marnier hinzufügen und mit Champagner aufgiessen. Anschliessend mit einer Scheibe Orange dekorieren.Limetten in einem Glas zerdrücken. Anschliessend Zucker und Cachaça hinzufügen und mit heissem Wasser aufgiessen und umrühren.

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Cocktails

Cocktail könnte auch von dem französischen Wort coquetel herrühren, einem weinhaltigen Mixgetränk aus dem Raum Bordeaux. Da der amerikanische Unabhängigkeitskrieg seinerzeit von einer französischen Expeditionsarmee unterstützt wurde, ist es möglich, dass die Soldaten ihren Coquetel nach Amerika exportierten.

Nach einer anderen Version sei die Bezeichnung Cocktail bei Hahnenkämpfen entstanden. Der Besitzer des Siegerhahns soll das Recht gehabt haben, dem unterlegenen Hahn eine Feder herauszureissen, die er dann an sein Getränk steckte. Fest steht, dass man einen Cocktail fast so früh am Morgen trinken kann, wie der Weckruf des Hahns ertönt.