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Kulinarik

Ein Grillfest ganz ohne Fleisch

Gemüse, Pilze oder Vegi-Schnitzel auch fleischlos lässt sich gut grillieren.

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Ferdinando Godenzi
28. Juni 2013

Aria und Simon (links) halten die Schlangenbrote übers Feuer, während Matthias, Amina, Felicitas und Michael schon dinieren. Spiessli mit marinierten Sojamedaillons. Erfrischender Salat aus Mais und Bohnen. Gemüsespiessli mit Frühlingszwiebeln. Marinierte Maiskolben und Zucchini. Mit Kräuterbutter gefüllte Kartoffeln. In Whiskey marinierte Pfirsichhälften.

Spiessli mit marinierten Sojamedaillons.

Erfrischender Salat aus Mais und Bohnen.

Gemüsespiessli mit Frühlingszwiebeln.

Marinierte Maiskolben und Zucchini.

Reportage

Sonnenstrahlen dringen sanft durch das lockere Dach der Laubbäume auf den Waldboden. Von der Grillstelle in der Mitte der Lichtung steigt Rauch auf. Doch es riecht weder nach verbrannten Bratwürsten noch nach brutzelnden Pouletschenkeln.
Eine Gruppe von sechs jungen Leuten ist der Einladung der Coopzeitung zu einem kleinen vegetarischen Grillfest im Hardwald bei Basel gefolgt. Sie alle wurden gebeten, je eine Rezeptidee mitzubringen. Was ihnen nicht gesagt wurde: Bis gegessen werden kann, muss gearbeitet werden. Etwa das Feuer zum Brennen zu bringen. Das ist nicht ganz einfach, denn das Holz ist vom nächtlichen Regen noch etwas feucht und die mitgebrachten Kohlen alleine reichen nicht aus. Aria Yousefi und Simon John beweisen aber Ausdauer. Mit dem Deckel einer Tupperwarebox wedeln sie dem Feuer Luft zu.

Aria Yousefi (26) mag grilliertes Gemüse und Halloumi.

Der 26-jährige Aria ist seit drei Jahren Vegetarier. Am Anfang war ich überzeugt, dass es mit dem Grillieren nun vorbei sei, erzählt er. Mittlerweile hat der Schauspielstudent aber entdeckt, dass man nicht nur Fleisch grillieren kann. Meine Spezialität sind Halloumi-Burger. Dafür nimmt er normale Hamburger-Brötchen, mariniert den Halloumi in einer Tex-mex-Sauce und Olivenöl und grilliert ihn. Salatblätter, Zwiebelringe, geschnittene Chili, Essiggurken, Tomaten und Knoblauch vervollständigen das Ganze. Manchmal lege er auch noch in der Pfanne gebratene Röstitätschli mit geschmolzenem Käse auf den Halloumi-Burger.

Michael Moor (21) findet Gemüse wie Auberginen toll vom Grill.

Zum heutigen Grillieren im Wald hat er marinierte Maiskolben und Zucchinistreifen mitgebracht. Dafür verwendete er ein Grillgewürz, frischen Rosmarin und Thymian, fein geschnittene Peperoncini, Rotweinessig, Olivenöl, Fleur de Sel und Pfeffer. Auch der 21-jährige Medizinstudent Michael Moor mag Gemüse vom Grill. Zusammen mit Amina Adulkadir sitzt er am Holztisch in sicherem Abstand von der rauchigen Grillstelle und spiesst Stücke von Pilzen, Peperoni, Zucchini und Frühlingszwiebeln auf Holzspiesse. Sehr lecker sind auch Auberginenscheiben, die schön mit Öl und Gewürzen eingerieben wurden, sagt er. Doch eigentlich bin ich gar nicht so der Grill-Mensch, gibt er zu. Lieber mache er Pfannengerichte, koche gerne asiatisch, indisch zum Beispiel.

Felicitas Reddel (20) war für die gefüllten Kartoffeln zuständig.

Nebenan höhlt Felicitas Reddel halbierte Kartoffeln aus. Die füllt sie mit drei verschiedenen Kräuterbutter, klappt sie zusammen und wickelt sie in Folien. Statt Butter nimmt sie allerdings Margarine. Denn seit drei Monaten ernährt sich die langjährige Vegetarierin vegan. Einen Teil mischt sie mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und allerlei Kräutern: Peterli, Basilikum, Maggikraut, Schnittlauch, Oregano und Rosmarin. Die andere Variante enthält gehackte getrocknete Tomaten und Oliven, italienische Kräuter, Pfeffer, Kräutersalz und Tomatenpüree. Und schliesslich macht sie noch eine Variante mit Curry und Paprikapulver. Mit rein veganem Grillieren habe sie noch nicht so viel Erfahrung, sagt die 20-jährige Biologiestudentin. Früher habe sie aber Grillkäse sehr gerne gemocht.

Simon John (23) marinierte Sojamedaillons und spiesste sie auf.

Die Glut sieht gut aus, nun können die Sachen auf den Grill. Der 23-jährige Medizinstudent Simon legt Spiessli mit marinierten Sojamedaillons auf den Rost. Das Rezept dafür hat er aus dem Internet (www.vegan.ch/grill). Felicitas vergräbt ihre Folienkartoffeln in der Glut, Aria bringt das marinierte Gemüse. Und Amina hat zu den Gemüsespiessen noch in Whiskey marinierte Pfirsichhälften mitgebracht. Die kommen nun auf einer Aluschale auf den Grill. Auch Broccoli-Burger, gefüllte Champignons und marinierte Schnitzel von Délicorn landen auf dem Rost. Zu guter Letzt kommen noch Stecken mit Schlangenbrot aus fertigem Pizzateig darüber.

Spiessli und Pfirsiche in Whiskey: Amina Abdulkadir (27) hat auch fürs Dessert gesorgt.

Manche aus der Runde treffen sich beim Grillieren im Wald zum ersten Mal. Kein Wunder, entstehen gleich spannende Diskussionen zu Fragen wie Ernährung und Tierhaltung. Und schnell wird auch klar, dass da ganz unterschiedliche Philosophien und Motive dahinterstecken, warum jemand auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichtet. Die 27-jährige Amina etwa erzählt, dass sie schon als Kind immer alles hinterfragt habe. Und so habe sie sich auch die Frage gestellt, warum man eigentlich Tiere züchten soll, nur um sie zu essen. Ausserdem ist es auch gar nicht so schwierig, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren, sagt die Ergotherapeutin. Schliesslich gäbe es mittlerweile schon sehr viele Produkte, die es leichter machten. Man müsse auch einfach etwas Fantasie haben und ausprobieren. Es hilft sicher, wenn man eine Affinität zum Kochen hat, sagt sie und ganz wichtig sei es, sich über Ernährungsfragen zu informieren. Michael pflichtet ihr bei: Es gibt viele Leute, die sich nicht ideal ernähren, egal ob mit oder ohne Fleisch.

Matthias Kegelmann (22) hat einen Smoothie und Salat mitgebracht.

Matthias Kegelmann hingegen ernährt sich erst seit einigen Monaten rein pflanzlich. Ich bin nicht in erster Linie Ethik-Veganer, sagt er. Für ihn stünden gesundheitliche Gründe im Vordergrund. Bis vor Kurzem hat der 22-Jährige also vor allem Fleisch grilliert. Zum vegetarischen Grillfest hat er einen grünen Smoothie und einen Salat aus roten Bohnen, Maiskörnern, Zwiebeln, Essiggurken und Peperoni mitgebracht.
Der Salat ist eine willkommene Beilage zum Grillgut. Das ist nämlich langsam fertig grilliert. Getränke, Chips, Brot und Saucen wie Guacamole, Chilisauce und Hummus stehen schon bereit. Und so geht der Grillnachmittag mit einem gemütlichen Essen dem Ende entgegen. Da soll also niemand mehr sagen, ohne Fleisch könne man nicht grillieren!

Die Grillstudie

Den Durst löscht man allerorts am liebsten mit Mineralwasser. In der Deutschschweiz und im Tessin steht Bier an zweiter Stelle, in der Westschweiz Wein. Auch Süssgetränke sind beliebt.

Was landet in der Schweiz am häufigsten auf dem Grill? Und worauf grillieren die Schweizerinnen und Schweizer am liebsten? Um mehr über die Grilliergewohnheiten der Eidgenossen zu erfahren, hat Coop in Zusammenarbeit mit Innofact AG im April 2013 über 1100 Personen aus allen Landesteilen befragt. Und siehe da: Le Röstigraben nexiste pas! Im Tessin, in der Romandie und in der Deutschschweiz beissen Herr und Frau Schweizer am liebsten in die Wurst. Auf Rang zwei und drei beim beliebtesten Grillgut landen Poulet und Schweinefleisch. Dazu wird in den allermeisten Fällen Salat serviert. Über das Jahr gesehen wird durchschnittlich an 40 Tagen grilliert am häufigsten in Haushalten mit Kindern und mehr in ländlichen als in städtischen Gebieten. Die Grillhitze stammt meist vom Holzkohlegrill (41%), gefolgt vom Gasgrill (37%) sowie Tisch- und Elektrogrill (je 10%).
Weitere spannende Infos unter:

www.coop.ch/grill