X

Beliebte Themen

Kulinarik

Ein spezieller Blechkuchen

John Wittwer, Redaktor und gelernter Koch, bereitet mit Persönlichkeiten Schweizer Gerichte zu. Heute mit den Schriftstellern Alex Capus und Pedro Lenz einen Flügelrad-Apfelkuchen.

TEXT
FOTOS
Heiner H. Schmitt
02. September 2013

Droht da etwa einer mit dem Wallholz? Aber nein, Alex Capus, Pedro Lenz und John Wittwer haben Spass beim Backen! Himmlisch, dieser Vanilleduft.

Himmlisch, dieser Vanilleduft.

Bericht

So sind die beiden nach dem Mittagsservice im Flügelrad und rüsten, wägen, rühren, rollen, backen und essen dann gleich ein Stück des frischen Blechkuchens. Und noch ein Stück. Doch fangen wir von vorne an: Martin Allemann hat die Zutaten vorbereitet und die beiden Schriftsteller greifen sofort zu Rüstmesser, Schnitzer, Mixer und Wallholz. Aber sowohl Pedro Lenz wie auch Alex Capus stehen auch daheim immer wieder in der Küche und kochen auch. Für sich, für die Familie, für Gäste. Lenz am liebsten etwas Währschaftes wie Pot au feu oder Saucisson mit Lauchgemüse und Rüebli oder Pouletbrust mit Kartoffelgratin. Es darf aber auch mal eine ganz gewöhnliche Fotzelschnitte oder Spaghetti Bolognese sein, zählt er auf.

Hier hakt Capus ein: Ja, Gehacktes mache ich auch oft. Mit fünf Buben am Tisch sind unglaubliche Portionen von Hörnli, geriebenem Käse, gehacktem Fleisch und Apfelmus innert kürzester Zeit weggeputzt. Für mich darf es ohne Weiteres eine einfache Küche sein, denn Gespräche am Tisch sind wichtiger als stundenlang in der Küche zu stehen. Seine Frau sei Italienerin, erzählt er, nicht zuletzt deshalb plädiere er für Pasta querbeet. Gerade eine Bolognese könne ruhig drei, vier Stunden allein gelassen werden und auf dem Herd vor sich hin köcheln, das sei praktisch.

Koch- und Essgewohnheiten sind beliebte Diskussionsthemen, auch für die beiden Schriftsteller. Pedro Lenz sagt, er würde nie Hundefleisch essen. Alex Capus schon: Warum nicht? In China und anderen Kulturen komme ja vieles auf den Tisch, das bei uns nicht bekannt oder verpönt sei. Viel wichtiger sei doch die Qualität der verwendeten Produkte. Deshalb würde er, Capus, nie billiges Schweinefleisch aus Tschernobyl essen. Der Ausdruck stehe stellvertretend für die vielen Billig-billig-Angebote und die Geiz ist geil-Mentalität. Qualitativ gute Produkte haben halt ihren Preis, sagt er. Das heisse aber nicht, dass man nur Luxusprodukte konsumieren müsse. Ein Beispiel: Nach Sonnenuntergang trinke ich gerne ein Glas Rotwein. Vor einiger Zeit habe ich in Genf einen Laden namens Château Carton entdeckt. Neu heisst er Bibarium. Dort gibt es viele nicht zu teure, aber gute Weine Bag in Box, einem drei Liter fassenden Kunststoffbeutel in einem Karton. Glasweise bediene man sich zu Hause am Hahn des Kunststoffbeutels und der Wein bleibe drei, vier Wochen in Form, sagt Alex Capus schmunzelnd. In Frankreich sei übrigens diese Form des Weingenusses weit verbreitet.

Während Capus, der seine Kindheit in Frankreich verbracht hat, mit Wonne an die vielen dort geschlürften Austern denkt, erinnert sich Lenz an ein Erlebnis in Spanien: Als Gast musste ich dort einmal Hüslischnägge essen. Sie waren mit Rosmarin und viel Knoblauch gewürzt und man musste sie mit einer Stecknadel aus ihrem Hüsli grüble. Da habe er doch lieber eine St. Galler Kalbsbratwurst oder Kalbsleberli zu einer knusprigen Butterrösti. Beim Stichwort Knoblauch kommt ihm noch eine weitere nicht ganz angenehme Erinnerung in den Sinn: Als Kind traute ich mich bei fremden Leuten nie zu sagen, wenn ich etwas zum Essen nicht gerne hatte. Beispielsweise eben viel Knoblauch. Darunter habe ich oft gelitten.

In der Zwischenzeit sind alle Arbeitsschritte für den Kuchen getan. Er schwitzt im Backofen seiner Vollendung entgegen. Das erlaubt uns, die beiden nach ihrem aktuellen Highlight zu fragen. Pedro Lenz freut sich auf seine Lesetournee, die ihn demnächst für zwei Wochen nach Litauen führt. Denn sein Roman Dr Goalie bin ig ist jetzt auch auf Litauisch erschienen. Ich bin gespannt auf das Land, die Leute und auf hoffentlich viele spannende Erlebnisse dort. Und im Dezember oder Januar werde der Film Dr Goalie bin ig in die Kinos kommen. Auch das sei toll.Alex Capus freut sich auf die Herbstferien mit der Familie in Kalabrien. Danach geht es auch für ihn weiter mit Lesungen. Sein Ende Juli erschienenes Buch Der Fälscher, die Spionin und der Bombenleger will weiter vorgestellt werden.

Über bevorstehende Projekte hüllen die beiden den Mantel des Schweigens. Nicht jedoch über das Rezept des Flügelradkuchens. Der Kuchen ist zu gut, um aus dem Rezept ein Geheimnis zu machen oder Martin?, sagen sie zum Küchenchef gewandt, und langen schon wieder zu. Mindestens zum zweiten Mal.

Rezepte

Zutaten

  • Äpfel: 810 Äpfel (je nach Grösse)
  • 4 dl Apfelsaft
  • 1 Vanillestängel
  • 1 Zimtstange
  • 100 g Zucker
  • 23 EL Honig
  • 1 Zitrone (Saft)
  • Mürbeteig:
  • 320 g Butter
  • 150 g Puderzucker
  • 450 g Weissmehl
  • 1 Zitrone
  • 1 Ei
  • Guss:
  • 5 dl Milch
  • 4 dl Rahm
  • 6 Eier
  • 150 g Zucker

Zubereitung

Tipp: Wenn für den Teig halb Butter und halb Margarine verwendet und dl Milch beigegeben wird, ist er weniger brüchig und lässt sich besser verarbeiten. Den Kuchen am Schluss der Backzeit ca. 5 Minuten nur bei Unterhitze oder auf dem Kochherd bei ganz kleiner Hitze stehen lassen. Der Kuchenboden wird so knuspriger.

PDF herunterladen

Zutaten

Für 4 Personen

  • 3 dl Weisswein (Chasselas)
  • 4 dl Hühnerbouillon
  • 1 dl Rahm
  • 2 Eigelb
  • 10 g Butter
  • 1 Rüebli
  • 100 g Lauch
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

Den Lauch waschen,halbieren und in ganz feine Streifen schneiden, das geschälte Rüebli vierteln und ebenfalls ganz fein schneiden. Beides in einer Pfanne mit der Butter kurz dämpfen, Wein und Bouillon dazugeben undca. 10 Minuten köcheln. Die Eigelbe mit dem Rahm gut verrühren und unter Rühren in die Suppe giessen. Bevor die Suppe wieder kocht vom Feuer nehmen und evtl. mit Salz und Pfeffer abschmecken, anrichten.

Tipp: Das Solothurner Wysüppli inSuppenteller oder Suppentasse anrichten und mit einem Tupfer Schlagrahm und fein geschnittenem Schnittlauch garnieren. Martin Allemann schneidet noch einBaguette in feine Stücke, toastet diese und reibt sie noch mit Knoblauch ein.

PDF herunterladen

Steckbrief

www.alexcapus.de

Pedro Lenz (48) wurde 1965 in Langenthal geboren. Er lebt in Olten als Dichter, Schriftsteller und Kolumnist. Als Autor ist er Mitglied des Bühnenprojekts Hohe Stirnen und der Spoken-Word-Gruppe Bern ist überall. Er verfassteTexte für verschiedene Theatergruppen und für das Schweizer Radio SRF und war Mitglied des Teams Morgengeschichte von Radio SRF. Zahlreiche Literatur- und Kulturpreise säumen seinen literarischen Weg. Sein Roman Dr Goalie bin ig wurde in verschiedene Sprachen übersetzt und kommt in den nächsten Monaten als Film auf die Leinwand. Beobachten, Zuhören, Inspiration und dann die Textform dafür finden, umschreibt Pedro Lenz seine Arbeit.

www.pedrolenz.ch

Jetzt erhältlich

Gemüse

  • Broccoli (Schweiz)
  • Karotten (Schweiz)
  • Kabis rot und weiss (Schweiz)
  • Knollensellerie (Schweiz)
  • Lauch (Schweiz)
  • Wirz (Schweiz)
  • Zwiebeln (Schweiz)
  • Kartoffeln (Schweiz)
  • Blumenkohl (Schweiz/Import)
  • Fenchel (Schweiz/Import)
  • Chinakohl (Schweiz/Import)
  • Rosenkohl (Schweiz/Import)
  • Zucchetti (Schweiz/Import)
  • Zuchtpilze wie Champignons,
  • Shiitake, Pleurotus (Schweiz/Import)
  • Wildpilze wie Eierschwämme, Steinpilze (Import)
  • Peperoni (Import)

Salate

  • Endiviensalat (Schweiz)
  • Zuckerhut (Schweiz)
  • Nüsslisalat (Schweiz)
  • Chicorino (Schweiz/Import)
  • Eisbergsalat (Schweiz/Import)
  • Baby-Salat (Schweiz/Import)
  • Gurken (Schweiz/Import)
  • Tomaten (Schweiz/Import)
  • Chicorée (Import)

Früchte

  • Äpfel (Schweiz)
  • Birnen (Schweiz)
  • Trauben weiss, rot, blau (Import)
  • Frische Feigen (Import)

Teilen Sie Ihre Vorschläge in den Kommentaren: