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Der Grill - Letzte Domäne des Mannes

Sind Sie eher der Vorsichtige, der Verrückte oder doch der Traditionelle? Machen Sie den grossen Quiz-Test und finden Sie heraus, welcher Grill-Typ Sie sind!

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zVg
20. April 2015

Bei Stohlers grilliert aber auch Frau perfekt. Désirée Stohler hat mit dem Team Baby Bruzzler die Bell BBQ Masters gewonnen.


Welcher Grilltyp sind Sie?

Grillieren Sie gerne und oft? Haben Sie die Grillzange in der Hand und werffen Sie möglichst viel Fleisch auf den Rost oder sind Sie zurückhaltend, vorsichtiger oder grillieren lieber Gemüse?



Repo

Bei Stohlers grilliert aber auch Frau perfekt. Désirée Stohler hat mit dem Team Baby Bruzzler die Bell BBQ Masters gewonnen.

Irgendwann in den 90er-Jahren muss er gewesen sein, der Tag, an dem das Grillieren seine Unschuld verlor und aus der gemütlichen Art zu essen ein Lifestyle-Ereignis wurde. Grillieren ist heute ein Milliardengeschäft. Allein das in den USA ansässige Unternehmen Weber-Stephen Products LLC, Hersteller der berühmt-berüchtigten Weber-Grills mit gleichnamiger Grill-Akademie, setzt jährlich gut eine Milliarde Dollar um. In Deutschland wurden laut Schätzungen letztes Jahr 1,19 Milliarden Euro dafür ausgegeben, Tendenz steigend. Vergleichbare Zahlen für die Schweiz existieren zwar nicht, Marktforscher bestätigen jedoch, dass man sich hier in einem vergleichbaren Bereich bewegt. Der Ausdruck Boom-Markt wird mehrfach verwendet.
Doch über Geld wird nicht geredet, nicht bei Themen wie diesen. Schliesslich verkünden Fernsehköche, Grill-Weltmeister und Hardcore-Grilleure reihum: Grillieren ist Philosophie. Oder Universum, mit eigener Bibel (Weber's Grillbibel, im GU Verlag), eigenem Gesetzbuch (zu konsultieren auf www.naturalborngrillers.de) und eigenem König, dem Dänen Anders Jensen, mit seinem Team amtierender Champion der World BBQ Association.

Die letzte Domäne des Mannes

Klar ist aber auch: Grillieren ist männlich. Und das sei auch gut so, sagt so mancher. Denn empfindliche Männerseelen mussten in den letzten Jahren einiges wegstecken: Dass Frauen im Restaurant den Wein ordern und den einen oder anderen Chefposten belegen, könnte ja noch angehen. Aber dass mit Monisha Kaltenborn eine Frau an der Spitze eines Formel-1-Rennstalls steht?

Grillieren ist Männersache ist reines Klischee!»

Désirée Stohler, Grillmeisterin

Ein Hoch daher auf den Grill, die wohl letzte Domäne des Mannes. Folglich grilliert auch Claudia Schirrmeister nicht. Ich schneide Brot und bereite die Salate vor, sagt die Wissenschaftlerin der Universität Duisburg-Essen mit leiser Ironie. Ich bin schliesslich eine Frau. Dennoch hat sich Schirrmeister in ihrer Arbeit intensiv mit dem Thema befasst, unter anderem im Aufsatz Niemand grillt für sich allein. Über gesellige und alltagsfremde Aspekte eines Massenphänomens. Am Grill stehen, das sei ein Kerle-Ding, stellt die Doktorin für Kommunikationswissenschaft fest. Die Faszination fürs Grillieren sitzt tief drin im Mann. Da seien lodernde Flammen auch wenn sich diese in Zeiten des Gasgrills meist auf ein mickriges Flämmchen reduzieren , rohes Fleisch und scharfe Fleischermesser.

Der Schlüssel zum Grill-Erfolg liegt in der richtigen Temperatur.

Wenn schon, denn schon

Fleisch? Gut! Flammen? Noch viel besser! Denn was Männer mögen, mag Désirée Stohler schon lange. Das mit dem Grillieren ist ein Männer-Ding ist doch reines Klischee, sagt die 26-Jährige aus Bottmingen BL. Sie grilliert nicht nur gut, sondern auch meisterlich. Mit ihrem Team, den Baby Bruzzlern, hat sie letztes Jahr den Profi-Titel bei den Bell BBQ Masters geholt. Und sie hat nicht einfach die Salate vorbereitet: Sie stand mit am Grill. Auch zu Hause sie ist mit Baby-Bruzzler-Käpt'n Beat Stohler verheiratet übernimmt sie die Grillzange. Und sie hat ihren Stolz: Sie will Feuer, sie will Rauch. Der Geschmack sei einfach anders, besser!. Was nicht nur für Fleisch, sondern auch Gemüse gelte. Ganz im Ernst: So ein Gasgrill ist zwar praktisch, aber eigentlich kann ich die Wurst dann auch in der Pfanne braten.

Frauen machen die Deko

Désirée Stohler weiss aber auch, dass das Klischee Grill = Mann nicht von ungefähr kommt: Grillieren ist schon eher männerlastig, das zeigt sich auch an Wettkämpfen. Viele Teams hätten zwar Frauen mit dabei, aber die sind oft für das Anrichten und die Deko zuständig. Dabei gelte: Wer kochen kann, kann auch grillieren. Und wenn nicht, könne man es lernen. Sie habe auch einen Kurs gemacht, für das an Wettkämpfen verlangte professionelle Zerlegen der Fleischstücke. Es ist ja nicht so, dass Männer sich eines Tages ein erstes Mal an den Grill stellen und perfekte Steaks abliefern.

Mein Haus, mein Auto, mein Grill

Wer am Grill steht, hat eine gewisse Macht, sagt Claudia Schirrmeister auch. Diese Machtposition wird gern noch ausgebaut, indem man(n) sich einen möglichst schicken Grill anschafft. Ein Grill kann durchaus ein Statussymbol sein, bestätigt die Wissenschaftlerin. Auch Fachsimpeleien über die richtige Zubereitungsart können in ihren Augen für soziales Prestige sorgen. Die Botschaft: Ich bin der perfekte Grilleur, gilt in Zeiten, da Kochen Kult und Grillieren Philosophie ist, in manchen Gruppen mindestens so viel wie ein neues Auto. Und sind wir ehrlich, etwas ehrfürchtig wird jeder, wenn der amtierende deutsche Grill- und BBQ-König Michael Hoffmann über Spareribs spricht: Richtig gute Rippchen brauchen vier bis fünf Stunden auf dem Grill und werden in verschiedenen Phasen mit Gewürzen, Apfelsaft oder Bier und Barbecue-Sauce glasiert.

Einsam und allein verzehrt jedoch auch Michael Hoffmann seine Spareribs nicht. Diesbezüglich verhält es sich beim Grillieren ähnlich wie beim Fondue oder Raclette: Man kann alles für sich allein machen, aber will man das? Bei diesen Speisen geht es eigentlich weniger darum, den Hunger zu stillen, als um das Ritual, das gemütliche Zusammensein und darum, Spass zu haben, sagt Expertin Schirrmeister. Klar ist doch: Etwas zwischen die Zähne bekommt man auch ohne Einfeuern und Warten auf die perfekte Glut. Ausser, man hat einen Gasgrill auf dem Balkon stehen, was in der Schweiz eher die Regel als die Ausnahme darstellt, da 80 Prozent aller Grills miteiner Gasflasche ausstaffiert sind.

Fleisch- und Wursteinheiten

Echte Grilleure schütteln sich allein beim Gedanken. Ehrliche Grilleure so wie es ihrer Ansicht nach echte Kerle betreiben machen ein Feuer, trinken ein Bier und werfen dann Fleisch auf den Grill. Viel Fleisch. Und sonst gar nichts. So steht im Grillgesetzbuch klipp und klar: Das Grillgut besteht aus: Fleisch- oder Wursteinheiten, hinzu kommen Toastbrot und Weissbier. Das Anbieten und Verabreichen weiterer Speisen und Getränke unter Strafe. Anders gesagt: Gemüse oder gar Tofuwürstchen stellen eine Entweihung einer heiligen Zeremonie dar. Ganz so eng sieht dies der Amerikaner Jamie Purviance, Autor der Grillbibel, nicht: Er sieht im Gemüse einer der grossen Grill-Trends. Bei ihm findet alles Platz auf dem Rost, inklusive Glace. Es gibt kleinste Ausnahmen. Erbsen vielleicht, Reis oder Weintrauben, bekennt er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dinge, die durch den Rost fallen. Eigentlich kann da nichts schiefgehen.

Das beliebteste Grillfleisch: Die Top 3 der Schweiz



Tipps vom Meister

Von Arnaud Welti-Espougne vom Team Beer&Bones, Schweizermeister 2014 im Team-Grillieren.

  1. Der Schlüssel zum Erfolg beim Grillieren ist die Zeit- und Temperaturkontrolle. Das Nonplusultra: zwei Temperaturzonen auf dem Grill einrichten eine zum Anbraten und eine etwas weniger heisse zum Braten des Fleisches, ohne dass es trocken wird. Welche Temperatur hat die Glut? Eine Temperatur von 130 C bedeutet, dass man die Hand knapp 10 Sekunden lang 10 Zentimeter über die Glut halten kann. Bei 250 C würden Sie die Hand schon nach weniger als 3 Sekunden zurückziehen!
  2. Das Grillgut wird von der Glut gebraten und nicht von den Flammen! Diese verbrennen und verkohlen die Oberfläche. Flammen, die durch die Fettverbrennung entstehen, sind schädlich für das Fleisch. Sobald eine Flamme entsteht, das Fleisch verschieben und die Glut umverteilen.
  3. Der Rost muss sich mindestens 10 Zentimeter über der Glut befinden, um das Verkohlen zu verhindern.
  4. Besitzt Ihr Grill einen Deckel und möchten Sie nicht allzu dicke Fleischstücke grillieren, schliessen Sie den Deckel. So wird das Fleisch schön braun, ohne dass es in der Mitte allzu stark gebraten wird.
  5. Um zu prüfen, ob das Fleisch durchgebraten ist, messen Sie die Temperatur in der Mitte. Damit kann das Resultat sicherer bestimmt werden, als wenn Sie einen Drucktest machen.
  6. Wenn Sie das Grillgut salzen müssen, streuen Sie einige Stunden vor dem Braten eine Prise Salz darüber. Das Salz bahnt sich seinen Weg ins Innere und bringt den Geschmack des Fleischs zur Geltung.
  7. Früchte und Gemüse sollte man wenn möglich marinieren und nicht über einer zu heissen Glut braten. Man kann sie aber auch in Alufolie wickeln und dann zuerst in der Glut und nachher auf dem Rost braten.
  8. Verwenden Sie keine entflammbaren Flüssigkeiten (Alkohol, Benzin) zum Anzünden des Grills oder zum Entfachen der Glut. Am besten feuern Sie auf die natürlichste Art und Weise mit Papierknäueln und Ästen an. Daneben eignen sich auch ökologische Anzündmittel.
  9. Hat Ihr Grillrost eine schwarze Kruste, sollten Sie den Grill putzen. Diese Kruste besteht nämlich hauptsächlich aus Kohle, isoliert den Rost und beeinträchtigt den Geschmack des Grillguts. Für die Reinigung empfiehlt sich eine Bürste mit Messingborsten. Vergessen Sie also Stahlwolle und Metallbürsten. Diese können den Rost beschädigen, vor allem, wenn er mit einem hitzebeständigen Spezialprodukt emailliert ist. Grills mit Gusseisenrost müssen zudem regelmässig eingeölt werden, damit sie nicht rosten.