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Imagewandel: Eine Nuss mausert sich

Das Ansehen des Exoten-Klassikers erlebt derzeit einen gewaltigen Wandel: weg von der sündigen Dessertzutat hin zum gesunden Trendfood.

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Getty Images
30. Januar 2017
Der Saft der jungen, grünen Kokosnuss ist (auch) in exotischen Ländern wie Indien ein beliebter Durstlöscher.

Der Saft der jungen, grünen Kokosnuss ist (auch) in exotischen Ländern wie Indien ein beliebter Durstlöscher.


Jagt im Kinderlied eine Affenhorde der Kokosnuss hinterher, sind es in Wirklichkeit eher Stars, Sternchen und ihre Gefolgschaft. Seit sich Model Gisele Bündchen, Sängerin Lady Gaga, Schauspielerin Jessica Alba oder auch Schauspieler Vin Diesel ganz gern in der Begleitung einer Packung Kokoswassers zeigen, ist klar: Kokos ist cool. Kokos ist trendy. Kokos macht schön, fit und schlank. Oder? Kathrin Seidel von der Fachstelle Ernährung bei Coop relativiert den Hype ein wenig: Das frische Fruchtfleisch von Kokosnüssen enthält, wie jede Nuss, viel Fett, besteht aber auch fast zur Hälfte aus Wasser, sagt die Fachfrau. Allerdings liegt der Anteil an gesättigten Fettsäuren beim Kokosfett bei rund 90 Prozent. Und das wiederum findet die Expertin weniger toll, schliesslich gelten die gesättigten Fettsäuren als gesundheitlich eher ungünstig.

Doch Kokos ist nicht Kokos: Gegen Kokoswasser also dem Saft der noch unreifen Kokosnuss, den sich die Promis scheinbar literweise in den Rachen giessen lässt sich auch von Seiten Ernährungsexperten nichts einwenden. Zu sagen ist allerdings, dass es sich dabei nicht um eine Nährstoff- und Vitaminbombe handelt, wie gern erzählt wird aber schädlich ist das Ganze sicher nicht. Immerhin kriegt man dabei die eine oder andere Zusatzration Kalium und Magnesium ab. Und selbst wenn Kokoswasser keinen gewaltigen Eigengeschmack vorweisen kann, so ist das Getränk doch eine kalorienarme Alternative zu Wasser, Säften oder Süssgetränken. Übrigens: andere Marke, anderes Aroma wenn man beim ersten Probieren nicht warm wird damit, lohnt sich allenfalls ein Zweitversuch mit dem Produkt eines anderen Herstellers.

Kokos in der Küche: nur Mut

Wirklich unschlagbar ist die Kokosnuss aber in der Küche. Kaum ein anderes Nahrungsmittel sorgt so schnell und einfach für einen Hauch Exotik oder gar Ferienstimmung. Am gebräuchlichsten ist dabei sicher die aus dem gepressten Fruchtfleisch der Frucht hergestellte Kokosmilch. Diese eignet sich übrigens nicht nur für Thai-Currys: ein Schuss davon in den Tomatenrisotto, die Pilz-
suppe oder die Sauce des Sonntagsbratens garantiert neue kulinarische Erlebnisse.

Kokosraspel und -fett haben in unserer Küche ja schon länger ihren Platz: So empfahl bereits Elisabeth Fülscher das hoch erhitzbare Fett in ihrem Schweizer Kochbuchklassiker (1923 erstmals erschienen) zum Frittieren von Schenkeli. Auch Kokosmakrönli haben ihren Exotenstatus schon vor Jahren verloren, sie gehören mindestens seit den 1950er-Jahren zum Standardsortiment vieler Bäckereien, und der Kokos-Klassiker Bounty wird in der Schweiz schon seit 1966 verkauft.

Aber es gibt tatsächlich Neuheiten aus der Familie der seit über 3000 Jahren angebauten Nüsse, die aus biologischer Sicht Steinfrüchte sind: Oder wie lange stehen Dinge wie natives
Kokosöl, Kokosmus oder Kokosblütenzucker schon in Ihrer Küche?

Willkommene Abwechslung

Kokosöl sieht zwar genauso weiss und fest aus wie das altbekannte, stark industriell bearbeitete und daher geruch- und geschmacklose Kokosfett. Anders als dieses riecht und schmeckt natives Kokosöl aber nach wie vor nach Kokos. Daher gilt: Grundsätzlich können Sie das Öl für den Salat genauso verwenden wie zum Anbraten von Fleisch. Nur sollte die Speise ein leichtes Kokos-
aroma vertragen. Wer sein Züri- Gschnätzelts also traditionell mag, sollte dafür weiterhin Bratbutter oder Rapsöl verwenden. Für den exotischen Salat mit Ananas, Curry und Shrimps oder das Thai-Curry eignet sich das Öl hingegen bestens.

Nicht zum Erhitzen geeignet ist Kokosmus. Hardcore-Fans der exotischen Nuss können dieses ganz einfach aus dem Glas löffeln, ansonsten lässt sich das Mus analog Nutella oder Mandelmus als Brotaufstrich verwenden. Oder man gibt es in Smoothies, verfeinert Desserts oder Saucen damit. Fürs fixe Super-Ferien-Feeling sorgt an trüben Wintertagen übrigens ein Stück frische Ananas, garniert mit einem Klecks Kokosmus.

Die Blüte liefert den Zucker

Das typische 08/15-Kokos-Aromaerlebnis darf beim Kokosblütenzucker nicht erwartet werden: Wie es der Name sagt, wird dieser aus dem Saft der Kokosblüten hergestellt, der eingekocht wird. Dieses Produkt ist mitunter als Kokossirup erhältlich. Für den Zucker wird der Sirup karamellisiert, bis feine Zuckerkristalle entstehen. Das Resultat schmeckt süss, malzig und karamellig und eignet sich als Zuckerersatz.

Apropos Ersatz: Kokos hat den grossen Vorteil, dass die Frucht weder Laktose noch Gluten enthält. Die Allergiker freuts und experimentierfreudige Genussmenschen auch. Warum nicht mal ein Jogurt testen, das eigentlich gar keins ist? Die Nuss machts möglich dank Kokosnussextrakt anstelle von Milch.