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Momomania: Wenn Teigtaschen süchtig machen

In ihrer Heimat gelten Momos als Festessen. Drei Schweiz-Tibeter haben die Delikatessen zum Streetfood umfunktioniert und damit hierzulande deren Siegeszug eingeläutet.

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Christoph Kaminski
30. Oktober 2017

Momos ohne Ende: Die Inhaber Tenzin Tibatsang, Lobsang Reichlin, Chimey Nelung mit ihrer Angestellten Dhondup Dolma (v. l. n. r.).


Spezialität

Tenzin Tibatsang nimmt eine Teighülle in die Hand. Gibt ein bisschen Füllung darauf und formt innerhalb weniger Sekunden ein perfektes Momo. Was zum Himmel sind Momos? Das sind gefüllte Teigtaschen aus Tibet, die derzeit so beliebt sind, dass sich die Besucher an Schweizer Streetfoodfestivals dafür die Beine in den Bauch stehen.

Schuld am Hype um die Himalaja-Delikatesse ist das Team von Tenz Momos in Zürich. Auch wenn es die drei jungen Männer Tenzin Tibatsang (27), Lobsang Reichlin (27) und Chimey Nelung (30) nicht gerne hören: Sie waren es, die die Momos an Wochenendmärkte und Foodfestivals brachten und damit einen schweizweiten Momo-Hunger auslösten.

Am Anfang stand eine Kampagne

Das Formen  der Momos verlangt  einiges an Übung und Fingerfertigkeit.

Ihre Anfänge nahmen die Tenz Momos in der Küche des Namensgebers. Ursprünglich Grafiker bei einer grossen Werbeagentur, entwarf Tibatsang eine politische Kampagne für den Tibet. Momos, die er bisher als Festessen aus dem Familienalltag kannte, sollten darin eine Hauptrolle spielen, erzählt der junge Mann, der als Kind aus dem besetzten Tibet geflohen ist. Zuerst nach Nepal, dann nach Indien. Im Jahr 2000 schliesslich landete die Familie, wie viele andere Tibeter auch, in der Schweiz.

Die Agentur-Kollegen waren Tibatsangs erste Versuchskaninchen und konnten sich ein Leben ohne Momos schon bald nicht mehr vorstellen. Und so begann er, die Spezialität der breiten Öffentlichkeit anzubieten. Zuerst ausschliesslich an öffentlichen Veranstaltungen. Am Anfang waren Momos noch völlig unbekannt. Da wartete ich manchmal stundenlang auf Kundschaft, erzählt Tenz. Doch er glaubte an seine Geschäftsidee und wurde bald für seine Ausdauer belohnt. Vor etwas mehr als einem Jahr begannen die Leute plötzlich Schlange vor meinem Stand zu stehen. Keine Ahnung, warum.

Um der Nachfrage gerecht zu werden, holte er Reichlin und Nelung an Bord. Die beiden haben ebenfalls tibetische Wurzeln, sind allerdings im Gegensatz zu Tibatsang in der Schweiz geboren. Die drei kennen sich aus Teenagertagen im Vorstand des tibetischen Jugendvereins. Damals waren wir politisch sehr aktiv. Mit den Momos versuchen wir, den Menschen Tibet und die tibetische Kultur näherzubringen und somit ein Bewusstsein für Tibet zu schaffen, erklärt Reichlin.

Ein Essen für die ganze Familie

Momos gefüllte Taschen aus Weizenteig werden heute in der ganzen Himalaja-Region gegessen. Ursprünglich stammen sie aber aus Tibet. Dort werden sie ausschliesslich mit Yak-Fleisch gefüllt und gelten als Festessen. Momos zu machen braucht viel Zeit. Damit wollen wir unseren Gästen zeigen, wie sehr wir sie schätzen, erklärt Tibatsang.

Die Teigtaschen-Herstellung ist eine Angelegenheit für die ganze Familie. Alle arbeiten zusammen. Dabei hat jeder seine Aufgabe: Ich musste die Momos jeweils falten, sagt er. Klar, das Ganze dauert seine Zeit. Aber ich kann mich dabei wunderbar entspannen.

Bei der Momo-Füllung ist das Tenz Momos-Team alles andere als traditionell. Von Yak-Fleisch hält es wenig. Das Team arbeitet ständig an neuen Varianten. Aktuell bieten die drei Männer Momos mit Rindfleisch, Spinat oder Shiitake an. Für die Coopzeitung haben sie extra ein Rezept mit Poulet entworfen.

Soziales Engagement

Parallel zum Streetfood wollten die drei Männer eigentlich schon immer ein eigenes Restaurant eröffnen. Im April dieses Jahres war es so weit: An der Badenerstrasse in Zürich öffnete Tenz Momos seine Türen und ist seither fast jeden Abend ausgebucht. Mit ihrem Restaurant wollen die drei Schweiz-Tibeter aber auch etwas an ihre Gemeinschaft zurückgeben: Sie beschäftigen Flüchtlinge und reinvestieren einen Teil ihres Gewinnes in soziale Projekte, etwa in Schulen in ihrer Heimat

Momos zu machen braucht viel Zeit. Damit wollen wir unseren Gästen zeigen, wie sehr wir sie schätzen»

Acht Leute zählt das Tenz Momo-Team inzwischen. Und doch ist meist zumindest einer der Chefs persönlich im Restaurant anzutreffen. Ihre grösste Herausforderung? Ganz klar, nicht zu viele Momos essen! Wir haben uns selber eine Limite von zehn Stück pro Abend auferlegt, witzeln die drei.

Rezepte

Poulet-Momos

Für 4 Personen
Vor- und Zubereitungszeit: ca. 2 Std.

Zutaten

  • 500 g Weissmehl
  • 2 dl Wasser
  • 200 g Pouletfleisch,
  • fein gehackt
  • 1 kleine rote Zwiebel,
  • fein gehackt
  • 2 EL Butter
  • 1 Knoblauchzehen,
  • fein gehackt
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise schwarzer Pfeffer
  • 1 Prise Hühnerbouillon
  • 1 Prise Paprikapulver


Zubereitung

Teig: Mehl und Wasser zu einem geschmeidigen Teig kneten. Ca. 30 Min. luftdicht ruhen lassen.

Füllung: Für die Füllung alle Zutaten bis und mit Paprikapulver zu einer feinen Masse vermischen.

Teig 23 mm dünn auswallen. Rondellen mit ca. 8 cmØ ausstechen. Ca. 1 EL Füllung in die Teigmitte geben. Zu einer Teigtasche formen. Die Enden müssen dabei gut verschlossen sein.

Dämpfen: Im Steamer oder in einer Pfanne mit Dämpfeinsatz ca. 1520 Min. dämpfen.

Mit Chili- und Sojasauce servieren.

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Vegi-Momos

Für 4 Personen
Vor- und Zubereitungszeit: ca. 2 Std.

Zutaten

  • 500 g Mehl
  • 10 g Hefe
  • 2 dl Wasser
  • 1 grosse Aubergine, fein gehackt
  • 80 g Parmesan, gerieben
  • 60 g getrocknete Tomaten, fein gehackt
  • 1 Frühlingszwiebel, fein gehackt
  • TL Thymian, fein gehackt
  • TL Basilikum, fein gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 TL Salz
  • 1 TL schwarzer Pfeffer
  • 1 EL Olivenöl


Zubereitung

Teig: Für den Teig Mehl, Hefe und Wasser zu einem geschmeidigen Teig kneten. Ca. 30 Minuten luftdicht ruhen lassen.

Füllung: Für die Füllung alle Zutaten bis und mit Olivenöl in einer Schüssel gut vermischen und zu einer feinen Masse vermischen.

Teig 23 mm dünn auswallen. Rondellen mit ca. 8 cm Ø ausstechen.

Ca. 1 EL Füllung in die Teigmitte geben. Zu einer Teigtasche formen. Die Enden müssen dabei gut verschlossen sein.

Dämpfen: Im Steamer oder in einer Pfanne mit Dämpfeinsatz ca. 1520 Min. dämpfen.

Mit Chili- und Sojasauce servieren.