X

Beliebte Themen

Kulinarik

Naschpflicht! Süsser die Glocken nie schmecken

Backfans und Naschkatzen aufgepasst: Diese Weihnachten kommen alle voll auf ihre Kosten. Doch bei diesen Schönheiten müssen sich wohl beide Seiten erst einmal überwinden.

TEXT
FOTOS
Heiner H. Schmitt
18. Dezember 2017

Es het, solangs het. Aber meist überlebt der essbare Baumschmuck nicht lange.


Essbarer Baumschmuck

Mein erster Gedanke: Finger weg vom Baum! Mein zweiter (ich besinne mich): Quatsch, lass den Besuch doch ran. Schliesslich sind die Zimt-Kugeln mit dem rosa Rollfondant ja extra fürs Naschen gedacht. Aber eigentlich erst an Weihnachten. Dann dürfen ja sollen sich die lieben Schleckermäuler um den Baum versammeln und sich über die Köstlichkeiten hermachen.

Am Anfang war der Fressbaum

Was den Liebhabern von klassischem Baumschmuck vielleicht neumodisch erscheinen mag, hat eine lange Tradition. Im Jahr 1597 sorgte der Erwähnung nach im Elsass der erste sogenannte Fressbaum mit Hostien, Äpfeln und buntem Papier für glänzige Äuglein. In den nächsten Jahrhunderten gesellten sich Nüsse und Anisbrötli dazu. Sie wurden von Zuckerbäckern in Holzformen gepresst, mit Anhängern versehen, gebacken und anschliessend bunt bemalt. Zudem kamen erstmals Glanzbilder zum Einsatz, die mit Zuckerguss auf Lebkuchen geklebt und mit einem schimmernden Gummiharz aus Pflanzensaft veredelt wurden.

Anfang des 19.Jahrhunderts kam der Tragant, ein gummiartiger Saft der Astragalus-Pflanze, in Mode. Was einst im Mittelalter kunstvolle Gebilde auf höfischen Festtafeln zierte, wurde mit Rosenwasser, Eiweiss, Puderzucker und Stärke zu filigranen Figürli gegossen und mit Drahthängern versehen. Getrocknet erhielt Tragant eine sehr harte, porzellanartige Oberfläche, die sich zwar nicht mehr verzehren, aber wunderbar verzieren und aufbewahren liess.

Marzipan als Luxusgut

Zeitgleich mit dem Tragant hielt auch das Marzipan Einzug in die weihnachtliche Stube. Da die weit gereisten Hauptzutaten Mandeln und Zucker absolutes Luxusgut waren, konnte sich nur die Oberschicht diese Art von exklusivem Baumschmuck leisten. Wegen seiner weichen Konsistenz schafften es jedoch nur kleine runde Objekte an die Äste. Da die Baumbeschaffung im Wald streng verboten war, kamen damals übrigens die ersten künstlichen Bäume auf den Markt. Faltbar, mit papierumwickeltem Drahtstamm und meist grün eingefärbten Gänsefedern. Den zierten nebst Apfel- und Willisauer-Ringli (Rezept online) auch spezielle Süssigkeitenbehälter unter anderem aus Blech, die jedes Jahr neu mit kleinen Kostbarkeiten befüllt wurden.

Zurück auf Anfang

Kostbar sind auch unsere Vorschläge fürs anstehende Weihnachtsfest. Da die Zubereitung je nach Dekoration ganz schön aufwendig ist, verzichten wir bei den Rezepten ganz bewusst auf eine Zubereitungszeit. Doch für das Fest der Liebe ist uns kein Aufwand zu gross.

Ausserdem ist die Reaktion auf den zuckersüssen Baumbehang Lohn genug. Sofern Sie es übers Herz bringen, ihn überhaupt rauszurücken.

Für eilige: Backen mit...pssst!

Wer sich den Aufwand mit den teils zeitaufwendigen Teigen ersparen möchte: Bei Coop gibts diverse Fertigteige (auch in Bio-Qualität), die sich ganz ungeniert verzieren lassen. Aus dem Kühlschrank nehmen, auswallen, ausstechen und nach dem Backen mit Eiweiss-Glasur oder Oblaten-Glanzbildern verschönern.

Betty-Bossi-Guetzli-Teige, z.B. Lebkuchen-, Zimtstern- oder Anis-Chräbeli, ab Fr. 3.25/500 g.

Rezepte

Doppeldecker-Guetzli mit weisser Schoggi-Füllung

Zutaten

  • 270 g Mehl
  • 25 g Kakao-Pulver
  • 110 g Zucker
  • 150 g Butter,
  • in kleine Stücke geschnitten
  • 100 g weisse Schoggi
  • 20 g Mandelmus (von Karma)
  • 2 Msp. Kardamom, gemahlen
  • Fleischspiessli (Ø 4 mm)

Zubereitung

Teig: Alle Zutaten bis und mit Butter in eine Schüssel geben und mit beiden Händen zu einem glatten Teig verkneten, 30 Min. kalt stellen.

Formen: Teig portionenweise auf wenig Mehl ca. 3 mm dick auswallen. Mit einem Spitzbuben-Ausstecher (z.B. Clever von Betty Bossi) gleich viele Böden wie Deckel ausstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.

Backen: Den Backofen auf 180 Grad vorheizen, die Guetzli in der Mitte des Ofens ca. 10 Min. backen. Herausnehmen, im noch heissen Zustand aufeinanderlegen und zügig (aber vorsichtig!) mit dem Fleischspiessli das Loch für die Aufhängung ausstanzen und abkühlen lassen.

Füllung: Schoggi und Mandelmus mit Kardamom schmelzen, leicht andicken lassen. Die Füllung auf die ganze Guetzlihälfte geben, den vorderen Teil daraufsetzen und fest werden lassen.

Zimt-Weihnachts-Kugeln

Zutaten

  • 2 Eiweisse, frisch
  • 1 Prise Salz
  • 200 g Rohzucker, gemahlen
  • 2 EL Zimt, gemahlen
  • 1 EL Kirsch oder Zitronensaft
  • 350 g Mandeln, gemahlen
  • Fleischspiessli (Ø 4 mm)
  • Rollfondant
  • Eiweiss-Glasur

Zubereitung

Teig: Eiweisse mit Salz in einer Schüssel mit dem Schwingbesen leicht aufschlagen. Die restlichen Zutaten dazugeben und zu einem Teig verarbeiten.

Formen: Teig portionenweise auf wenig Rohzucker ca. 1 cm dick auswallen. Formen ausstechen, an der Oberseite mittig mit dem Fleischspiessli kleine Löcher ausstanzen. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen, bei Raumtemperatur über Nacht trocknen.

Backen: Den Backofen auf 240 Grad vorheizen und ca. 4 Min. in der Mitte des Ofens backen. Herausnehmen, abkühlen.

Verzieren: Nach Herzenslust mit farbigem Rollfondant, Eiweiss-Glasur oder anderem verzieren.

Ingwermännli

Zutaten

  • 80 g Butter
  • 120 g Rohzucker, gemahlen
  • 250 g Honig, flüssig
  • 5 g Ingwer, fein gehackt
  • 1 TL Bio-Orangenschale
  • 1 TL Zimt
  • TL Nelkenpulver
  • 340 g Mehl
  • Fleischspiessli (Ø 4 mm) oder Trinkröhrli
  • Eiweiss-Glasur

Zubereitung

Alle Zutaten bis und mit Nelkenpulver in einer Pfanne erwärmen, glatt rühren. Etwas abkühlen, mit dem Mehl zu einem Teig kneten. In Folie einpacken und ca. 4 Std. ruhen lassen.

Formen: Teig auf etwas Mehl ca. 4 mm dick auswallen. Männli ausstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.

Backen: Den Backofen auf 160 Grad vorheizen und ca. 10 Min. in der Mitte des Ofens backen. Herausnehmen, im noch warmen Zustand mit den
Holzspiessli oder Trinkröhrli vorsichtig kleine Löcher für die Aufhängung ausstanzen.

Verzieren: Zügig mit Eiweiss-Glasur verzieren.

Orangenchips

Zutaten

  • 2 dl Wasser
  • 250 g Zucker
  • TL Zimt
  • TL Vanille Bourbon, gemahlen (z.B. von Betty Bossi)
  • 2 Bio-Orangen, in gleichmässig dicken Scheiben

Zubereitung

Wasser, Zucker, Zimt und Vanille unter ständigem Rühren erhitzen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Orangen im abgekühlten Sirup wenden und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.

Backen: Den Backofen auf 120 Grad vorheizen und die Orangenscheiben in der Mitte des Ofens für ca. 1 Std. trocknen. Zwischendurch wenden.

Tipp: Auch getrocknete Apfel- oder Birnenscheiben sowie Baumnüsse eignen sich hervorragend als Baumschmuck. Diese am besten mit einem dünnen Messingdraht an den Tannenästen befestigen.

Kakao-Lebkuchen

Zutaten

  • 125 g Honig
  • 50 g Rohzucker, gemahlen
  • 70 g Butter
  • 275 g Dinkelvollkornmehl
  • 50 g Mandeln, gemahlen
  • 2 gestrichene TL Backpulver
  • 1 EL Kakao-Pulver
  • 1 TL Lebkuchengewürz
  • TL Kreuzkümmel, gemahlen
  • TL Chili, gemahlen
  • TL Kardamom, gemahlen
  • TL Vanille Bourbon, gemahlen
  • 1 Ei
  • Fleischspiessli (Ø 4 mm) oder Trinkröhrli
  • Eiweiss-Glasur

Zubereitung

Teig: Honig, Zucker und Butter in einer Pfanne erwärmen und glatt rühren. Mehl bis und mit Vanille in einer Schüssel mischen. Mit Ei und Honigmasse zu einem Teig kneten. Abdecken, für mind. 4 Std. kalt stellen.

Formen: Teig 30 Min. vor Verarbeitung aus dem Kühlschrank nehmen. Auf etwas Mehl ca. 4 mm dick auswallen. Ausstechen, auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen, mit dem Fleischspiessli oder Trinkröhrli kleine Löcher ausstanzen.

Backen: Den Backofen auf 180 Grad vorheizen, die Guetzli ca. 11 Min. in der Mitte des Ofens backen. Herausnehmen, auskühlen und die Löcher mit den Holzspiessli ganz vorsichtig nachbearbeiten.

Verzieren: Zügig mit Eiweiss-Glasur verzieren.

Willisauer Ringli

Zutaten

  • 500 g Zucker
  • 1.75 dl Wasser
  • 1 Zitrone, davon Schale
  • 1 TL Zimt
  • TL Sandelholzpulver (in ausgewählten Gewürzläden erhältlich)
  • 500 g Mehl

Zubereitung

Teig: 250 g Zucker mit dem Wasser aufkochen, in eine Schüssel geben und auskühlen lassen. Restliche Zutaten beigeben, gut kneten und den Teig über Nacht ruhen lassen.

Formen: Teig kraftvoll und so dünn wie nur möglich auswallen. Kreise ausstechen, mittig (z.B. mit dem Apfelausstecher oder dem Kochlöffelstiel) ein Loch machen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen.

Backen: Den Backofen auf 180 Grad vorheizen und in der Mitte des Ofens ca. 13 Min. backen.

Achtung: Die Backzeit variiert je nach Dicke! Daher die Guetsli während des Backens unbedingt im Auge behalten. Sie sollten lediglich eine ganz minimale Bräunung erhalten.

Eiweiss-Glasur

Zutaten

  • 1 Eiweiss (Grösse M), frisch
  • 200 g Puderzucker
  • evtl. etwas Zitronensaft


Eiweiss und Puderzucker mit dem Mixer glatt rühren, für die richtige Konsistenz evtl. etwas Zitronensaft dazugeben. Glasur in einen Spritzsack geben und die erkalteten Guetzli damit verzieren.

Tipp: Vorhandene Reste sollten spätestens am nächsten Tag aufgebraucht werden. Dafür die Glasur in ein Schüsselchen geben, mit einem feuchten Tuch abdecken und bis zur nächsten Verwendung im Kühlschrank lagern.

Tolle Back-Utensilien finden Sie unter www.bettybossi.ch