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Im Logo streckt der Lällekönig eine Altbasler Ikone frech die Zunge raus. Zum Erfolg der jungen Brauerei hat aber auch ein Bayer beigetragen.

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Heiner H. Schmitt
01. Juni 2017

Unser Bier

Braumeister Florian Schmid sorgt bei Unser Bier dafür, dass die Qualität stimmt.

Ja, mei! Dass er nicht der gemütliche Klischee-Bayer ist, der sich den Bierschaum vom Schnauz wischt und mit der Hand auf den Ranzen klopft das hört der Schmid Florian immer wieder. Und es macht ihm auch fast nix aus. Ungemütlich wird der 41-jährige Braumeister bei Unser Bier deswegen jedenfalls nicht. Glück gehabt, denke ich, wenn ich mir so seine Oberarme anschaue

Schmid ist einer, der gerne anpackt. Das war auch einer der Beweggründe, die ihn vor neun Jahren von Oberbayern nach Basel führten: Bei einer Grossbrauerei im weissen Kittel umherlaufen, vom Büro aus Produktionsdaten am Bildschirm überwachen das ist nicht meins, sagt der diplomierte Brau- und Malzmeister, als ich ihn an einem Freitagvormittag zum Interview im Gundeldinger Feld treffe. Dorthin ist Unser Bier 2010 gezügelt, als der Betrieb am alten Standort aus allen Nähten platzte: Was 1996 als verwegener Traum einer Handvoll Heimbierbrauer begonnen hatte, entwickelte sich seither zur grössten Brauerei beider Basel.

Natur und Tradition

Klar, auch Unser Bier hat inzwischen Computer, um den Brauprozess zu kontrollieren. Aber das Bier wird nach alter Handwerkstradition gemacht, wie es Florian Schmid beim Bräu z'Loh in Dorfen, Landkreis Erding, gelernt hat. In diesem kleinen Familienbetrieb hatte schon sein Vater eine Brauerlehre gemacht, und einer der Grossväter war Bierkutscher. Doch auf den Geschmack kam Florian bei dem anderen: Als Bub durfte ich noch kein Bier trinken, aber der Opa hat mich den Schaum probieren lassen.

Die Lust am Probieren ist ihm geblieben: Auf der 100-Liter-Versuchsanlage testet das kleine Team von Unser Bier neun Leute sind es insgesamt, inklusive Geschäftsführer und Lehrling immer wieder neue Rezepte. So hat auch einmal das Sommerbier angefangen, das es neben den Standardsorten Blond und Amber inzwischen sogar bei Coop gibt: ein leichtes, fruchtiges Bier, dessen Sud mit Holunderblüten aromatisiert wird wie alle Zutaten nur in Bio-Qualität. Da dies für das ganze Coop-Sortiment von Unser Bier gilt, dürfen auch alle Sorten die Bio-Knospe tragen. Was diese Biere zusätzlich auszeichnet: Sie sind nicht filtriert, sondern naturtrüb also Zwickelbier.

Nicht für alle Tage

Im Gundeldinger Feld entstehen aber auch Raritäten, die mit normalem Bier so viel zu tun haben wie ein alter Bordeaux mit jungem Landwein. Etwa ein Weizenbock, das anschliessend im Weinbrand-Eichenfass gelagert wird wahrlich kein Feierabend-Bier für alle Tage. Von Effekthascherei hält Florian Schmid aber nichts, trotz aller Experimentierfreude: Die einfachen Rezepte sind oft die besten, betont er.

So wie der Bayer vom Brauen und vom Bier erzählt, scheint er den Beruf gefunden zu haben, der seine Berufung ist. Unterstützung erfährt er inzwischen auch durch seine Partnerin: Wenn wir in Ferien fahren, schaut sie immer, dass es eine Brauerei auf dem Weg hat. Die Gelegenheit, bei den Kollegen über die Schulter zu schauen und etwas Neues zu lernen, lässt sich der Braumeister dann natürlich nicht entgehen.

Vor neun Jahren hatte Florian Schmid eigentlich etwas ganz anderes vor. Dass er statt der geplanten Weltreise dann die Stelle als Braumeister in Basel angetreten hat, kann kein Zufall gewesen sein. Eher war es Glück für alle, die gerne Unser Bier trinken, aber auch für Florian Schmid. Schliesslich hat er hier seine Frau kennengelernt, und seit einem Jahr haben die beiden einen Sohn. Vermutlich wird der auch eines Tages den Schaum probieren dürfen

Das Lego Projekt von Unser Bier