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Schnurstracks: Der Weg Vom Lädeli zum Weltkonzern

Spaghetti, Sugo und Grissini: Der italienische Nahrungsmittelkonzern Barilla feiert in diesem Jahr seinen 140. Geburtstag. Und setzt seit jeher unermüdlich auf Innovationen.

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Nicolas de Neve
01. Mai 2017

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Wenn man das Wort Teigwaren hört, denkt man sofort an Italien. Das finden Sie zu simpel? In Wirklichkeit ist das nicht ganz richtig und nicht ganz falsch. Denn auch wenn die Historiker uns lehren, dass die Teigwaren schon vor Tausenden von Jahren in China erfunden wurden, so werden die weltweit berühmtesten Teigwaren doch Tag für Tag in Italien kreiert. Seit 140 Jahren ist es vor allem einer Familie zu verdanken, dass die italienischen Teigwaren praktisch die gleiche Symbolkraft haben wie die Nationalflagge: Barilla. Allein die Zahlen dieses italienischen Grosskonzerns, der auch Backwaren herstellt, sprechen Bände: 28 Produktionswerke in 9 Ländern, fast 8300 Mitarbeitende, Exporte in über 100 Länder. 53,2 Prozent der Produktion entfallen auf Teigwaren und Saucen und 46,2 Prozent auf Backwaren. Insgesamt über 1,8 Millionen Tonnen Barilla-Lebensmittel werden Jahr für Jahr weltweit verzehrt. Gigantisch!

Hochwertiger Hartweizen

Der Barilla-Hauptsitz bei Parma ist von einem Park umgeben. Dieser wird von Kunstwerken aus der berühmten Familiensammlung belebt.

Das grösste Teigwarenwerk von Barilla steht einen Katzensprung von der Stadt Parma entfernt. Es ist der Hauptsitz und auch quantitativ das bedeutendste weltweit: Der Konzern stellt hier rund
30 Prozent seiner Produkte her. Das entspricht 10 Prozent der weltweiten Teigwarenproduktion aller Marken. Die Hauptzutat ist Hartweizengriess, erklärt Andrea Belli. Rund 75 Prozent des verwendeten Hartweizens stammen aus Italien. Die Bodenbeschaffenheit, das Mikroklima und das Fachwissen für den Weizenanbau mit einer bestimmten Fruchtfolge sind Faktoren, die sich positiv auf die Qualität des Weizens und somit des Endprodukts auswirken, sagt der 39-jährige Mediensprecher des Barilla-Konzerns. In dieser Hinsicht ist der italienische Weizen perfekt.

Vor aller Augen

In der Produktionsstätte bei Parma sind mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit arbeiten für Barilla fast 8300 Personen.

Mit Innovationen für die Konsumenten stellt der Lebensmittelriese sein Engagement für Transparenz und Rückverfolgbarkeit unter Beweis. Dank Echtzeit-Webcams sollen sich alle Interes sierten dereinst von den Produktionsbedingungen der Saucen überzeugen können. Bereits heute kann auf der Webseite mit Fotos ein Rundgang in der Saucenfabrik unternommen und bei der Herstellung von etwa Sugo Basilico zugeschaut werden. In Zukunft will Barilla auf jeder Teigwaren-Packung die Herkunft des Weizens mit Namen des Landwirts angeben. Die bedeutet eine logistische Herausforderung, aber Barilla sorgt für die notwendige Ausstattung. So verfügen etwa alle Mitarbeitenden bereits heute über ein Tablet. Dank einer App können sie ihre Arbeitspläne verwalten und bei Bedarf Schichten tauschen. Belli: Das ist eine globale Vision. Alle Menschen im Unternehmen sollen sich wohlfühlen und im Einklang mit ihrer Tätigkeit, mit ihrer Arbeitsweise und mit ihren Arbeitszeiten leben. Nur dann können wir dauerhaft Erfolg haben.

Ehrgeizige Ziele

Der italienische Teigwaren-Riese will mit seinen Tätigkeiten weltweit Rücksicht auf die Umwelt und Gemeinschaft nehmen. Barilla hat zum Ziel, bis 2020 eine Reihe von Geschäftspraktiken einzuführen, die auf drei Grundsätzen beruhen: buono per te, buono per il pianeta, buono per la comunità (deutsch: gut für dich, gut für unseren Planeten, gut für die Gemeinschaft) www.goodforyougoodfortheplanet.org

Stationen der bewegten Firmengeschichte

  • 1877 eröffnet Pietro Barilla in Parma ein kleines Geschäft für Teigwaren und Brot.
  • 1910 nimmt das erste Produktionswerk den Betrieb auf. Es stellt bereits acht Tonnen Teigwaren und zwei Tonnen Brot pro Tag her. Etwa 100 Arbeiter sind hier beschäftigt.
  • Die zwei Söhne von Pietro, Gualtiero (18811919) und Riccardo (18801947), treiben die Industrialisierung des Unternehmens energisch voran.
  • 1947 treten die Söhne von Riccardo, Gianni und Pietro, die Nachfolge an. Mit technischen Innovationen, fortschrittlichen Werbekampagnen und einem modernen Design der Verpackungen führen die Söhne die Expansion weiter.
  • Von 1971 bis 1979 hat Barilla einen amerikanischen Eigentümer.
  • 1979 kauft Pietro Barilla das eigene Unternehmen zurück. Seitdem befindet es sich durchgängig in Familienbesitz.
  • Seit 1993 führen Guido, Luca und Paolo Barilla den italienischen Konzern, der seinen weltweiten Siegeszug fortsetzt.