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Grillieren wie die Weltmeister!

Zur Fussball-WM sind Grillpartys und Grossleinwände angesagt. Einen Vorgeschmack bieten die Spielerinnen des FC Le Mont mit ihren Grillrezepten für die dritte Halbzeit.

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FOTOS
Darrin Vanselow
11. Juni 2018

Im Frauenteam des FC Le Mont halten Spielerinnen aus zehn Nationen zusammen auf dem Spielfeld ebenso wie am Grill. Beim gemütlichen Beisammensein finden die Spielerinnen des FC Le Mont auch nach einer 0:10-Niederlage das Lachen wieder!

 

Es ist Sonntag, die Sonne strahlt wunderbar. Nicht ganz. In der Garderobe des FC Le Mont oberhalb von Lausanne ist die Stimmung leicht getrübt: Eine der Spielerinnen ist noch nicht eingetroffen. Und sie wird es wohl auch nicht schaffen, rechtzeitig zum Anpfiff des 4.-Liga-Spiels gegen den FC Valmont auf dem Platz zu stehen. Es bleibt uns keine andere Wahl, als mit zehn Akteurinnen zu beginnen, kündigt Trainer Jonathan Rakotonirina an. Aufgrund von Studium, Arbeit und Verletzungen ist es oft schwierig, ein komplettes Team stellen zu können.

 

Die 22 Spielerinnen im Alter zwischen 15 und 33 Jahren kommen aus zehn verschiedenen Ländern von der Schweiz über Portugal, Deutschland und Burundi bis hin zu Ecuador und Vietnam. Sie beweisen: Fussball verbindet Kulturen.

WM und Mundpropaganda

Aktuell sind in der Schweiz rund 25000 Spielerinnen lizenziert, wovon rund 1500 der Association cantonale vaudoise de football (ACVF) angehören. Diese Zahl steigt von Jahr zu Jahr, erklärt Pierre-André Maerchy (61), Präsident der Frauenkommission der ACVF. Laut Maerchy sind es zwei Faktoren, die bei den jungen Frauen die Begeisterung für Fussball wecken: grosse Ereignisse wie die Weltm eisterschaft und Mundpropaganda. Ich interessiere mich seit der Fussball-WM 2014 für Fussball, bestätigt die Gymischülerin Cécile Isely (18), die seit einem Jahr beim FC Le Mont spielt. Ich habe dank einer Freundin angefangen, ergänzt die Schülerin Thi My Lan Pham (15), die seit etwas mehr als einem Jahr im Team ist. Pierre-André Maerchy erklärt sein Engagement für die Fussballerinnen mit der sportlichen Erfüllung, die dadurch entsteht, dass sich die Frauen in einer noch immer von Machos dominierten Sportart behaupten. Und präzisiert: Wir müssen unbedingt Klartext reden, damit die Frauen in jedem Club eine gute Zukunft haben, denn sie haben enormes Potenzial.

 

Von Männern aufgezogen

 

Samantha De Oliveira (28), Captain des Frauenteams des FC Le Mont, spielt seit ihrer Jugend Fussball: Mein Vater war schon immer fussballbegeistert und ich habe ihn von klein auf zu den Spielen begleitet. Die Medizinische Praxisassistentin freut sich, dass Frauenfussball mittlerweile auf Interesse stösst. Das ist toll, denn früher hat man uns nur verblüfft angeschaut. Die Leute haben mittlerweile aber verstanden, dass wir es ernst meinen. Valentine Martin (23), Studentin der Geisteswissenschaften, spielt seit drei Jahren Fussball und hat festgestellt, dass die jungen Frauen jeweils beeindruckt sind, wenn sie ihnen davon erzählt, während sie von Männern oft aufgezogen wird. Es ist immer noch schwierig, sich zu behaupten.

Andreina Marin (23) wurde von ihrer Mutter in ihrem Heimatland Ecuador zum Fussballspielen angespornt: Diese Sportart macht mir nicht nur enorm Spass, sie stärkt mich auch mental. Jedes Mal, wenn ich spiele, habe ich den Eindruck, mich selbst zu übertreffen, sagt die Spielerin, die zwischen Arbeit und Abendgymi jongliert.

Frauen haben ein enormes Potenzial.»

Pierre-André Maerchy, Präsident ACVF

Aber zurück an den Ort des Geschehens. Am heutigen Sonntag führen die Spielerinnen des FC Valmont, die aus Chamblon im nördlichen Waadtland angereist sind, in der Halbzeit mit 6:0. Der Trainer des FC Le Mont wechselt zwei neue Kräfte ein. Ohne Erfolg! Der FC Valmont gewinnt mit einem brutalen 10:0. Das ist hart, sagt Guy Belet (66), der die Mannschaft vor jedem Spiel mit Jonathan trainiert. Ja, sehr hart, pflichtet die Torhüterin Tayane Marques (28) bei, die erst seit knapp zwei Monaten im Tor steht. Wir müssen jetzt aber positiv bleiben: Es gab auch heute Spielzüge, die uns vorwärtsbringen werden, fügt Jonathan Rakotonirina. Die Kommunikation müsse aber noch verbessert werden. Samantha De Oliveira fasst das Ganze pragmatisch zusammen: Wir müssen einfach alle fest an uns glauben.

 

Nach dem Spiel wird grilliert

 

Eine Grillparty ist jetzt genau das Richtige, um die Stimmung wieder anzuheben oder vielmehr anzuheizen. Auch nach einer brutalen Niederlage lässt sich danach noch immer ein schönes Fest feiern! Cervelats, Kalbsbratwürste, Merguez, Spiessli mit Poulet, Rind oder Crevetten und Vegi-Burger brutzeln über der Glut vor dem Imbissstand des FC Le Mont.

Mehrere Spielerinnen und der Trainer selbst haben Spezialitäten ihrer Heimatländer mitgebracht. Teilen und Freundschaft stehen dabei klar im Zentrum. Unter den treuen Anhängern ist auch Hund Boon-T der Spielerin Nadia Cabalenas (28), der kein Brösmeli verpasst. Wir sind wie eine grosse Familie, freut sich Jonathan Rakotonirina, Krankenpfleger im Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV). Hier herrscht eine tolle Stimmung. Die Mannschaft verbringt praktisch nach jedem Spiel Zeit miteinander, fügt Guy Belet hinzu. Haben das gemeinsame Bräteln und die motivierenden Worte von Captain Samantha De Oliveira etwas gebracht? Es sieht ganz danach aus: Beim nächsten Spiel gegen die Spielerinnen des FC Stade-Lausanne-Ouchy erzielt der FC Le Mont mit einem 3:3 ein aufmunterndes Unentschieden. Die WM kann beginnen!

Gruppenphase - die Partien der Schweiz (Gruppe E)

Sonntag, 17. Juni, um 20 Uhr: Brasilien Schweiz

Freitag, 22. Juni, um 20 Uhr: Serbien Schweiz

Mittwoch, 27. Juni, um 20 Uhr: Schweiz Costa Rica

Trainer Frauenteam FC Le Mont

Jonathan Rakotonirina (33)

Fan von: Frankreich

Final-Tipp: Frankreich Deutschland

Das isst Jonathan, ursprünglich aus Madagaskar: Maskita-Spiesse, Reis und in Essig eingelegte gesalzene Zitronen

Sein Rezept für Maskita (marinierte Rindsspiessli)

Für 4 Personen

Zutaten

  • ca. 450 g Rumpsteak
  • frischer Ingwer, nach Belieben
  • 2 bis 3 Knoblauchzehen
  • ca. 250 ml Wasser
  • 2 Zitronen
  • 30 g Tomatenpüree
  • 150 ml Sojasauce
  • 2 EL flüssiger Honig
  • Salz und Pfeffer
  • 2 EL Kurkuma
  • Holzspiesse

Zubereitung
Rumpsteak in kleine Würfel schneiden. Knoblauchzehen schälen, Ingwer raffeln, Zitronen auspressen. Alle Zutaten zusammen in eine Schüssel geben und während 24 Stunden marinieren lassen. Fleisch auf die Spiesschen stecken und 3 Min. auf den Grill legen. Schmeckt am besten gewürzt mit gutem Chili und einem frischen Bier. Sollten Sie einmal in Madagaskar sein, folgen Sie einfach dem Holzfeuergeruch er stammt bestimmt vom Fatapera, dem kleinen madagassischen Grill.

Rechtes Mittelfeld spielt seit einem Jahr

Thi My Lan Pham (15)

Fan von: England

Final-Tipp: Deutschland Spanien

Das isst Thi My Lan, ursprünglich aus Vietnam: Merguez, gebratenen Reis, Chips und rohes Gemüse

Ihr Rezept für gebratenen Reis

Für 4 Personen

Zutaten

  • 200 g Reis
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • 1 Zwiebel, fein gehackt
  • 100 g Speckwürfel
  • 2 Eier
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung
Reis gemäss Beschreibung auf der Verpackung kochen. 1 EL Öl in der Bratpfanne erhitzen und die Zwiebel und Speckwürfel etwa 4 Minuten darin wenden. Die Eier schlagen, salzen und pfeffern. Die Omelette in derselben Bratpfanne braten und sie anschliessend in Streifen schneiden. Beiseitestellen. 1 EL Öl in die Pfanne geben und Reis, Zwiebel, Speckwürfel und Omelettenstreifen unter ständigem Rühren etwa 3 Minuten darin dünsten. Probieren und nach Bedarf würzen.

Abwehr Mitte spielt seit acht Jahren Fussball

Andreina Marin (23)

Fan von: Brasilien

Final-Tipp: Brasilien Deutschland

Das isst Andreina, ursprünglich aus Ecuador: Spiessli mit Crevetten und Poulet, frittierte Kochbananen und Curtido (Salat)

Ihr Rezept für Patacones oder Tostones, eine Köstlichkeit aus Kochbananen

Für 4 Personen

Zutaten

  • 2 Kochbananen
  • TL Salz
  • Öl zum Frittieren

Zubereitung
Bananen schälen und in dicke Scheiben schneiden. Öl in einer Pfanne (die Bananenscheiben müssen fast komplett mit Öl bedeckt sein) oder in einer Fritteuse erhitzen. Die Bananen frittieren, bis sie langsam gelb werden. Die Bananen herausnehmen und sie vorsichtig im Mörser flach drücken. Salzen und ein zweites Mal kurz frittieren, bis sie goldbraun werden. Herausnehmen, auf Küchenpapier legen und das Fett abtropfen lassen. Probieren und bei Bedarf nachwürzen.

Schmeckt am besten mit Curtido, einem Salat aus Tomaten, im Salz entwässerten roten Zwiebeln, Zitronensaft, Koriander und Olivenöl.

Linkes Mittelfeld spielt seit einem Jahr

Cécile Isely (18

Fan von: Schweiz

Final-Tipp: Brasilien Spanien

Das isst Cécile aus der Schweiz: Cervelats umhüllt mit Speck, dazu Etivaz-AOP- und Mont-Vully-Käse.

Ihre Rezeptidee für ein Dessert, das immer gut ankommt: Aargauer Rüeblitorte. Entdecken Sie das Fooby-Rezept dieser Schweizer Spezialität bei Fooby.

Rechtes Mittelfeld spielt seit drei Jahren

Valentine Martin (23)

Fan von: Deutschland

Final-Tipp: Frankreich Deutschland

Das isst Valentine, ursprünglich aus Deutschland: Vegi-Burger, Kartoffelsalat und Schwarzbrot

Ihr Kartoffelsalat-Rezept

Für 4 Personen

Zutaten

  • 1 kg Kartoffeln
  • 1 gehackte Zwiebel
  • 3 bis 4 EL Mayonnaise
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Prise Zucker
  • 1 Glas Cornichons (ca. 200 g nach Abtropfen, die Flüssigkeit behalten)

Zubereitung
Kartoffeln kochen, schälen und in dünne Scheiben schneiden. Zwiebel und Mayonnaise in eine Schüssel geben und mit Salz und Pfeffer, Zucker und den in Scheiben geschnittenen Cornichons mischen. Die Kartoffeln dazugeben. Etwas Cornichonwasser beifügen, falls der Kartoffelsalat zu trocken ist.