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Gute Reise: Eine Lok zum Geburtstag

Coop Naturaplan ist dieses Jahr auch auf den Schienen unterwegs. Was braucht es, bis eine Lok so aussieht? Ein Blick hinter die Kulissen.

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FOTOS
Heiner H. Schmitt
29. Januar 2018

Aufnahme am Neuenburgersee


Alternativen

Es riecht nach Maschinenöl und Metall im Ateliers Industriels CFF in Yverdon-les-Bains VD. Überall sind Techniker an den unterschiedlichsten Zugkomponenten an der Arbeit. Eines ihrer grössten Projekte ist derzeit die Modernisierung dreier riesiger RE460-Lokomotiven.

An der vorderen Wand der Halle steht ein schon fertig modernisiertes Exemplar. Coop lässt sie zum 25-Jahr-Jubiläum von Naturaplan umgestalten. Auf ihr ist das Naturaplan-Signet zu sehen. Bei dieser Lok wurden zum einen schon alle Systeme durchgecheckt, die Farbe erneuert und alles perfekt gereinigt. Zum andern wurden etwa neue Stromrichter eingesetzt, die effizienter sind. Durch die Modernisierung spart die Flotte ab 2022 jährlich bis zu 27 Gigawattstunden ein das entspricht dem Strom-Jahresverbrauch von Olten SO.

Es braucht eine ruhige Hand

Jetzt ist die neue Coop-Lok noch von herabhängenden Folienbahnen bedeckt. Das ist eine Spezialfolie, die digital bedruckt wurde und dann lackiert wird, erzählt Svenia Schorch, Montageleiterin des fünfköpfigen Teams aus Werbetechnikern, die dieser Lokomotive ein neues Kleid verpassen. Zuerst wird alles richtig ausgemessen und die Folienbahn an ihrem Bestimmungsort mit Klebestreifen fixiert.

Jede weitere Folienbahn überlappt die vorhergehende, um ein Ablösen zu verhindern. Dies ist eine Spezialfarbe, von der sich Verschmutzungen wieder abwaschen lassen. Deshalb verwenden wir auch ein Spezialklebeband, um die Folie an Ort und Stelle zu halten, bis wir sie festkleben. Normales Tape würde sich einfach ablösen, sagt Babs Gaduff (41), gelernte Schriftenmalerin und Werbetechnikerin, während sie mit fliessenden Bewegungen und ruhiger Hand die erste grüne Folienbahn von oben nach unten zentimeterweise andrückt. Dazu benützt sie eine gummierte Plastikkarte, mit der sie die Luftblasen ausstreicht und dafür sorgt, dass die Folie auch in den Ecken gut haftet. Die Folien werden ohne Messer auf die Lok zugeschnitten, da sonst der Lack verletzt würde. Deshalb wird ein hauchdünner Faden in einem Klebeband an die späteren Schnittstellen geklebt. Nachdem die Folie darüber festgeklebt wurde, kann ich einfach am Faden ziehen und so die Folie von innen heraus genau der Kante entlang schneiden, so Gaduff.

Um eine Lokomotive umzugestalten, benötigt das Team zwei bis drei Tage. In dieser Zeit verarbeiten sie etwa 180 Quadratmeter Folie. Nach dem Festkleben und Aktivieren des Leims durch Hitze braucht der Kleber in der Folie acht Stunden, um seine endgültige Festigkeit zu erreichen. Dank des Lacks hält sich die Botschaft dann bis zu zehn Jahre auf der Lokomotive. Oft muss die Folie aber früher erneuert werden, da die hohe Reisegeschwindigkeit, die Witterung und Schmutz sie stark angreifen.

Seit letzter Woche ist die Coop-Naturaplan-Lokomotive für ein Jahr auf dem SBB-Netz unterwegs.

Die Lok im Überblick

  • Gewicht: 84 Tonnen
  • Länge (inklusive Puffer): 18,5 m
  • Höhe (ohne Stromabnehmer): 4,3 m
  • Breite: 3 m
  • Werbefläche: 180 m2
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • Leistung: 6100 kW (ca. 8300 PS)