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Haselnuss: Die beste Nuss der Welt

Cortemilia ist die Hauptstadt der Nüsse, genauer: der Haselnüsse. Die kleinen Früchte, die hier im Piemont wachsen, sind auf der ganzen Welt begehrt. Denn ihr Aroma ist unvergleichlich.

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Pino Covino
30. April 2018

Giuseppe Canobbio mit seinen Töchtern Paola, Claudia und Barbara: Hier entsteht sein berühmter Haselnusskuchen. Die Haselnüsse der Alte Langhe werden von Nocciole Marchisio verarbeitet, wo Emanuele Margheri für Marketing und Logistik verantwortlich ist.


An den Flüssen Bormida und Uzzone, eingebettet in terrassierte Hügel, liegt Cortemilia, das Zentrum der Alte Langhe und Hauptstadt der Haselnuss. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es hier in der Kirche San Francesco sogar einen Nebenaltar gibt, auf dem mit einem Augenzwinkern eine Haselnuss aufbewahrt wird, die Beste der Welt. Roberto Bodrito (52), Bürgermeister des Ortes mit 2500 Einwohnern, betont die Bedeutung dieser Nuss für die Wirtschaft der Region: Die Arbeit von etwa 500 Menschen im Dorf hat mit der Haselnuss zu tun.

Alle wollen diese Nuss

Im Gegensatz zum Wein, der in der Region seit Jahrhunderten kultiviert wird, begann der Haselnussanbau erst relativ spät. Die Tonda gentile delle Langhe (die sanfte Runde aus der Langhe), so der Name der Haselnusssorte, war fast ausschliesslich für den lokalen Genuss bestimmt. Dank des immer grösseren Interesses der Süsswarenindustrie an der Nuss entwickelte sich ab 1950 der Haselnussanbau zum Hauptzweig der Landwirtschaft. Noch heute sieht man, wie hier und dort neue Plantagen entstehen. Die Tonda gentile delle Langhe, die unter der geschützten Bezeichnung Nocciole del Piemonte IGP verkauft wird, ist ein Nischenprodukt. Ihr unvergleichliches Aroma macht sie jedoch zu einem sehr geschätzten und von der Süsswarenindustrie immer häufiger nachgefragten Produkt. Ihr Aroma verdankt sie unserem lehmhaltigen Boden. Von anderen Haselnüssen unterscheidet sie sich durch ihre leichte Schälbarkeit und eine öligere Beschaffenheit, erklärt Graziano Maestro (48). Er besitzt selbst eine Haselnussplantage und fungiert darüber hinaus als Vermittler zwischen Bauern und Unternehmen, die auf der Suche nach Haselnüssen sind. Dabei kümmert er sich um die Produktionsketten verschiedener Unternehmen, unter anderem Pariani, dessen Nocciole del Piemonte IGP auch bei Coop erhältlich sind.

Meine Arbeit ist so etwas Schönes.»

Giuseppe Canobbio

Heute interessieren sich dank der Haselnuss auch die Jungen wieder für die Landwirtschaft. Auf Land, das früher für die Tierhaltung oder den Anbau von Weizen, Mais und Gerste bestimmt war, wachsen immer häufiger Haselnüsse, erzählt Graziano. Das Interesse ist verständlich: Ein mit Getreide bebauter Hektar bringt etwa 1500 Euro ein, beim Anbau von Haselnüssen sind es bis zu 6000, so der Experte.

Im Betrieb Marchisio Nocciole wird ein Grossteil der Haselnüsse aus der Region verarbeitet. Trotz aller technischen Fortschritte wird noch vieles von Hand gemacht: Die Arbeiter sortieren schadhafte Haselnüsse aus, die von den automatisierten Systemen übersehen wurden. Das sind Nüsse, die von Schimmel befallen oder durch die Marmorierte Baumwanze geschädigt sind, eine Plage, die unlängst Schaden in den Plantagen angerichtet hat, und gegen die es noch kein Mittel gibt. Doch Graziano ist optimistisch: Wir hatten eine hervorragende Blüte, und nach einem Jahr der Trockenheit lassen die Regenfälle der letzten Tage auf eine gute Ernte im August hoffen. Jetzt warten wir darauf, dass es warm wird. Wärme gibt es in diesen eher ungemütlichen Tagen Ende April in der berühmten Pasticceria von Giuseppe Canobbio. Wenn Cortemilia das Königreich der Haselnuss ist, dann ist Giuseppe sein König. Er öffnet die Tür mit der aufrichtigen Herzlichkeit, die den Menschen auf dem Land eigen ist. Meine Arbeit ist so etwas Schönes, erzählt uns der 82-Jährige und hat vor Rührung feuchte Augen.

Ihr Aroma verdankt die Nuss unserem lehmhaltigen Boden.»

Graziano Maestro

Ich habe keine Schule besucht. Was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht. Morgens nach dem Aufstehen gehe ich in die Backstube und es ist wie am ersten Tag: Ich möchte immer noch etwas kreieren. Zurzeit arbeite ich an einer neuen Süssspeise, einer Creme aus Haselnüssen und Muskatnuss. Ich bin auf einem guten Weg, aber sie muss perfekt sein. Ich mache keine halben Sachen, gesteht Giuseppe und stellt uns seine Frau Ester sowie die Töchter Paola, Claudia und Barbara vor. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich so weit gekommen bin. Ich bin dankbar für die Liebe, die sie mir entgegenbringen. Zum Glück ist er sich dessen bewusst!, neckt ihn Ester. Seit 55 Jahren sind sie verheiratet und führen seit ebenso vielen Jahren ihren Betrieb. Das Produkt, das Giuseppe zahlreiche Auszeichnungen einbrachte, ist sein Haselnusskuchen, und zu Recht trägt er den Titel König des Haselnusskuchens.

Mit viel Liebe

Ester Canobbio (78) serviert Graziano Maestro (48) Moscato und einen Haselnusskuchen.

Es ist das Rezept meiner Mutter, erzählt Giuseppe. Aber wie wird der Kuchen so locker und aromatisch? Das Geheimnis liegt in den Haselnüssen von hier. Der Boden hier in Cortemilia gibt ihnen dieses Aroma, verrät der Konditormeister, breitet die Arme aus und atmet mit geschlossenen Augen tief ein. Doch das ist nur ein Teil des Geheimnisses. Der andere ist die Leidenschaft dieser Familie für ihren Beruf, die Liebe zu ihrem Land und die gegenseitige Zuneigung, die sie bei der täglichen Arbeit in ihrer kleinen Backstube miteinander verbindet. Und das sind Dinge, die man nicht in der Schule lernt.

Edle Haselnuss - Feines von Fine Food

Die Fine-Food-Haselnüsse IGP Piemont werden von der Firma Pariani sorgfältig verarbeitet. Die 100-Gramm-Dose kostet Fr. 5.50. Die Haselnüsse gibt es von Fine Food auch noch mit Schokolade überzogen. Diese feine Süssigkeit kostet Fr. 6.95 (100 g). Wenn Sie lieber Haselnusscrememögen, auch die gibt es von Fine Food, aus sizilianischen Nüssen, 250 g, Fr. 9.95. Erhältlich in grösseren Coop-Läden.