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Klein, blau, biologisch

Die guten ins Töpfchen: Heidelbeeren ernten ist
eine Kunst, die Salvatore Santini meisterhaft beherrscht. Und er liebt die süssen Früchte wie Popcorn.

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Claudio Bader
03. September 2018
Echte Handarbeit: Jede Heidelbeere wird einzeln geerntet.

Echte Handarbeit: Jede Heidelbeere wird einzeln geerntet.

Wenn die Heidelbeeren in die Eimer der Erntehelferinnen fallen, kann Salvatore Santini am blossen Klang erkennen, ob es noch früh ist. «Frühmorgens sind die Beeren besonders frisch und fest, beinahe hart; dann ist der Klang trocken. Steigen die Temperaturen, wird er leiser; dann sind die Erntestunden vorbei.» Der 40-jährige Betreiber der Firma Bert’s Berries in Sessa TI spricht aus Erfahrung. Er und sein Team wissen genau, wie empfindlich die Beeren sind: Sie müssen schnell geerntet, ohne gequetscht zu werden. Eine Kunst, die erlernt werden muss.

Beeren, so weit das Auge reicht

Seit 2014 baut Santini auf einem Hektar Land vorwiegend Heidelbeeren an: Der Anbauzyklus der Heidelbeere beginnt mit dem Stutzen der Sträucher von Januar bis März. Im April und Mai blühen die Pflanzen. Hier wachsen 2000 gut eineinhalb Meter hohe Sträucher, die zeitversetzt Beeren tragen, sodass diese von Juni bis August zum Verkauf angeboten werden können. «Dieses Jahr hatten wir viel Regen, deshalb begann das Wachstum zwei bis drei Wochen später. Das haben wir aber dank des heissen Sommers mehr als aufgeholt.»

Im Herbst werden die übrig gebliebenen Beeren zu Saft, Sirup, Konfitüre und köstlichen Fruchtgummis verarbeitet, die Bert’s Berries vor Ort verkauft. Da die Heidelbeere von Bienen bestäubt wird, entschied sich Santini für die Zusammenarbeit mit einem jungen Imker aus der Region, der Bio-Honig produziert.

Ungebetene Gäste gibts auch

Hat die Heidelbeere auch Feinde? «Die Kirschessigfliege kann gefährlich werden; 2016 hat sie einen Drittel der Ernte vernichtet. Die schlauen Amseln finden immer einen Weg durch das Netz, mit dem wir die Beeren vor Hagel und Stark-
regen schützen. Und da sind noch die Mäuse, die gern an den Wurzeln nagen. Wir müssen jedoch mit diesen Tieren 
leben, man kann sie nicht gänzlich 
vertreiben. Der Bio-Anbau setzt auch voraus, dass man schnell reagiert.»

Das bedeutet viel Arbeit. Hält man aber ein hervorragendes Produkt in der Hand, sind die Mühen vergessen. So geht es auch Santini: «Ich esse die Heidelbeeren gern unverarbeitet, nach einer Mahlzeit oder bei einem schönen Film. Für mich sind sie wie Popcorn, man kann nicht aufhören. Am besten schmecken sie mir aber im Jogurt.» Hätte Santini einen Tipp, wie man Heidelbeeren zu Hause aufbewahren sollte? «Im Kühlschrank, so schmecken sie wie frisch vom Strauch gepflückt.» Tatsächlich: Wenn solche Beeren in den Teller fallen, ist der Klang trocken: tock!