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Titelgeschichte

Neue Guetzli braucht das Land

Sind Ihnen die klassischen Weihnachtsguetzli zu langweilig? Uns auch! Deshalb haben wir von den Spezialisten von Betty Bossi neue, spannende Alternativen zum Nachbacken kreieren lassen. Und jetzt ab in die Küche!

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FOTOS
Heiner H. Schmitt; illustration Keystone; Styling Doris Moser
03. Dezember 2018

Backen aus Leidenschaft: Katharina Schlup und Felix Seewald tüfteln gerne an neuen Guetzli-Kreationen.

Kleine Frage: Was haben Weihnachtsguetzli und Betty Bossi gemeinsam? Richtig, beide sind aus Schweizer Küchen nicht wegzudenken. Wer daher von Weihnachtsguetzli mehr als nur Mailänderli, Zimtsterne und Brunsli erwartet, ist gut beraten, den Spezialisten von Betty Bossi über die Schulter zu schauen. Also haben wir die Speerspitze der Betty-Bossi-Guetzlifraktion an den Backtisch gebeten.

Und schon sind wir mittendrin in der grossen, nigelnagelneuen Versuchsküche von Betty Bossi beim ­Letzipark in Zürich. Das Mehl stäubt, das Wallholz rollt und die Stimmung ist aufgeweckt. Katharina Schlup und ­Felix Seewald geben Vollgas. Sie backen für uns Weihnachtsguetzli, welche die grossen Klassiker fast schon ein ­wenig alt aussehen lassen: Leb­kuchen-Bärli, gebrannte Creme-Spitzbuben, Santa-Claus-Meringue-Mützchen, Zimt-Schneemänner und Grossmutters Anis-Mandel-Schnittli. Wobei letzteres aus einem bis anhin geheimen Schatzkästchen kommt, wie Katharina Schlup erklärt: «Das Rezept stammt von der Mutter meiner Schwieger­mutter. Es ist das Lieblingsrezept meines Mannes.» Und weiter: «Wenn bei uns an Weihnachten geguetzelt wird, spanne ich die ganze Familie ein», sagt sie herzlich lachend, «und ich bin dann der Tätschmeister.»

Da ist es nur logisch, dass der übrigens frisch angetraute Gemahl bei ­seinem alten Familienrezept selber ran muss. Schliesslich gibt es selbst beim Guetzeln Traditionen, an denen man nicht rütteln sollte. Und dass die 32-jährige Food-Consultin das ­Rezept im Griff hat, versteht sich von selbst.

Gepimpte Guetzli

Was man von ihrem «Mitguetzler» ­allerdings auch mit Fug und Recht ­behaupten darf. «Ich bin mit Betty Bossi gross geworden», sagt Rezept­redaktor Felix Seewald. «Mein erstes Buch, an das ich mich erinnern kann, war das Guetzli-Buch.» Das muss den 37-jährigen Familienvater nachhaltig geprägt haben. Schliesslich bieten Guetzli auch unendlich viele Möglichkeiten, den Spieltrieb zu befriedigen, wie er erklärt: «Jedes Guetzli lässt sich pimpen! Mein Vater ist Österreicher und hat immer Vanillekipferl zu Weihnachten gebacken.» Und? «Ich habs dann geringfügig adaptiert und anstelle der Vanille Tonkabohnen ­verwendet. Und es hat ihm sogar ­geschmeckt. Auch wenn er natürlich fand, dass das nicht mehr sein Rezept sei.»

So viel Know-how und Freude an Weihnachtsguetzli wirkt ansteckend, finden Sie nicht? Blättern Sie weiter und sehen Sie, was die beiden Guetzliprofis exklusiv für die Leser der Coopzeitung kreiert haben. Viel Spass beim Nach­backen!

Rezept

Lebkuchen-Bärli

 

Rezept

Santa-Claus-Meringue-Mützchen

 

Rezept

Grossmutters Anis-Mandel-Schnittli

 

Rezept

Zimt-Schneemännchen


Süsse Dauerläufer

Backen mit wertvollen Gewürzen: Lebkuchenbäckerei im 17. Jahrhundert.

Gerade in unserer digitalisierten und globalisierten Welt sorgen Bräuche und Traditionen für einen gewissen Halt, Geborgenheit und damit auch Sicherheit. Vieles, was uns früher heilig und wichtig war, ist allerdings verschwunden. Geblieben ist das Guetzeln in der Vorweihnachtszeit. Nur, wie alt ist diese Tradition wirklich? Um es vorwegzu- nehmen: sehr alt. Allerdings hat sich der Brauch des Guetzelns mit der Zeit nicht nur gewandelt, es gibt auch viele verschiedene Theorien und Meinungen, vor allem auch zu den einzelnen Guetzlisorten.

Unbestritten ist, dass bereits in der vorchristlichen Zeit die Germanen zur Zeit der Wintersonnenwende eine Art Opferbrote gebacken haben, um an den kürzesten Tagen des Jahres allfällige Dämonen zu vertreiben.

Symbolischer Leib Jesu

Zufall oder nicht: Die Geburt Jesu fiel nahezu mit der Wintersonnenwende zusammen und wurde entsprechend mit Gebäck gefeiert. Ein Gebäck mit starker symbolischer Strahlkraft ist der Christstollen, der, mit Puderzucker weiss bestäubt, den Leib des Jesuskindes symbolisiert. Allerdings konnten es sich nur die damals noch mächtigen Klöster leisten, derart reichhaltige Köstlichkeiten zu backen und dabei Gewürze wie Zimt, Anis oder Muskatnuss zu verwenden. Diese sehr teuren exotischen Beigaben wurden auch reichlich im ebenso traditionellen Lebkuchen verwendet.

Nicht wenige Klöster verteilten auf die Festtage hin ihr Gebäck unter den Armen. Damit es für alle reichte, wurden die Kuchen immer kleiner und schrumpften quasi zum Guetzli. Ein Trend, den reiche Haushalte gerne aufnahmen, indem sie das traditionelle Gebäck weiter verfeinerten und daraus eine Art Weihnachtskonfekt kreierten respektive kreieren liessen.

So entstanden Spezialitäten, die sich bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreuen, etwa Mailänderli, Zimtsterne, Brunsli und Anischräbeli.