Der Gipfel des guten Geschmacks | Coopzeitung
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Post aus Zermatt

Der Gipfel des guten Geschmacks

Sein Tattoo hat nichts mit der Produktion von Bier zu tun. Und überhaupt erfüllt Samuel Avemaria so gut wie keine der Erwartungen, die man an Bierbrauer hat. Sein Bier jedoch ist spitze. Klar, es entsteht ja am Fuss des Matterhorns.

FOTOS
Sedrik Nemeth
22. Juli 2019

Wenn einer Bierbrauer ist, Deutscher, und Samuel Avemaria heisst, darf man doch wohl annehmen, dass er aus Bayern stammt, nicht mehr der Jüngste und Katholik ist und einen Bierbauch hat. Doch nein, den Produktionsleiter der Brauerei Zermatt hat es aus Baden-Württemberg, genauer gesagt aus Rottweil am Neckar, nach Zermatt VS verschlagen. Auch katholisch ist der 26-Jährige nicht, und einen Bauch wird er so schnell nicht ansetzen, eher noch mehr Muskeln.

Denn Samuel Avemaria ist hochsportlich. Nach der Arbeit rennt er gern etwa die 600 Höhenmeter hoch auf die Sunnegga. In Zermatt landete er, weil er nach der Lehre zum Bierbrauer unter anderem als Snowboardlehrer arbeitete. Seit anderthalb Jahren ist er bei der 2015 von einem russischen Investor gegründeten Firma «Zermatt Matterhorn Brauerei» angestellt. «Genau 150 Jahre nach der Erstbesteigung des Matterhorns ging es hier los», erzählt Avemaria. Nicht nur die Etikette des original Zermatt Biers ist rot, auch das Bier hat einen Rotstich. «Inspiriert vom Sonnenaufgang am Matterhorn …», verrät der Brauer schmunzelnd. Das omnipräsente Matterhorn schadet dem Geschäftsgang natürlich nicht, im Gegenteil.

Top Logo, schwierige Logistik

Das Matterhorn-Amberbier und das Monte-Rosa-Lagerbier sind in vielen Hotels und Lokalen Zermatts, im örtlichen Coop-Laden und auch auf den Fahrten des Glacier Express zu kaufen. Die Touristen schätzen das Bier und auch die Gläser, auf denen der Berg abgebildet ist. Nicht «Sex sells» heisst es hier, sondern das «Horu», wie es die Walliser nennen. Die Brauerei in Zermatt ist top, nicht nur was die Höhenlage betrifft: Der Russe erstand 2015 die modernsten Maschinen. Doch so schön es ist, dass in Zermatt keine Autos fahren – den Biertransport verkompliziert es. Die Fässer und die Paletten mit den Schachteln voller Bierflaschen tuckern mit dem Elektrogefährt zur Bahn in Zermatt und dann erst weiter in Lastwagen. Jährlich 1000 Hektoliter Bier produziert Samuel Avemaria, unterstützt von Geschäftsleiter Serge Zurbriggen (35) und einem Allrounder. Von den 100 000 Litern sind zwei Drittel Amber- und ein Drittel Lagerbier. Dazu kommt im Sommer und Winter je ein Spezialbier. «Gestern haben wir das neue Weizenbier angesetzt», sagt Avemaria stolz und zapft ein halbes Glas zum Degustieren ab. Sehr fein, schon zu Beginn der Gärung! 

Samuel Avemaria bereitet den Bierweg zum Lagertank vor.

Vermelzte Gersten- und Weizenkörner sowie die Hopfenpellets. 

Bier besticht durch Natürlichkeit

Den Reiz des Zermatt Biers machen das besondere Bergwasser und das Herstellungsverfahren aus. Im Detail bleibt dieses geheim. Nur so viel lässt der Brauer verlauten: «Zermatt Bier ist nicht pasteurisiert, nicht filtriert und deshalb ein absolutes Frischeprodukt». Avemaria trinkt es am liebsten nach einem langen Tag in den Bergen. Zusammen mit Freunden oder den beiden Betriebskollegen. Auch seine vier Geschwister und die Eltern sagen nicht Nein zu einem Schluck Bier – oder zu ein paar Tagen bei ihm in Zermatt. Reist hingegen seine Freundin aus Frankreich an, bevorzugt er eine gute Flasche Wein. «Nicht alles dreht sich ums Bier», sagt er lachend auf die Frage, ob sein Tattoo mit Bierschaum zu tun habe. Nein, nein. Da geht es um den Kosmos.

Die Zermatt Biere Matterhorn und Monte Rosa sowie das Spezial-Sommerbier sind bei Coop in Zermatt und im Megastore Visp Eyholz erhältlich.