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Frühstücken – ja oder nein?

Wer morgens isst, nimmt angeblich ab. Von Studien lassen sich aber keine gültigen Empfehlungen ableiten.

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Getty Images
25. März 2019

Ein gesundes Morgenessen ist grundsätzlich gut. Wichtig ist aber die Energiebilanz über den ganzen Tag hinweg betrachtet.

Werden wir dick, weil wir zu viel essen? Oder liegt es vielleicht daran, dass wir zum falschen Zeitpunkt essen? Mit dieser Frage beschäftigen sich immer mehr Wissenschaftler. Konkret geht es ums Morgenessen. Was ist am gesündesten? Gar nicht zu frühstücken, wie es schätzungsweise jeder Dritte bis Vierte macht, mit nur einer Tasse Kaffee am Morgen. Oder doch eher üppig mit Gipfeli, Butter und Konfitüre?

Abends legt man zu

Erst vergangenes Jahr stellten US-Forscher ihre Studie im «Journal of Nutrition» vor, in der sie die Essgewohnheiten von 50 000 Mitgliedern der Freikirche Siebenten-Tags-Adventisten über sieben Jahre genau beobachteten. Ihr Resümee: Wer die grösste Kalorienmenge des Tages als Frühstück zu sich nahm, konnte sein Gewicht deutlich reduzieren. Wer mittags am meisten ass, konnte immerhin sein Gewicht gut halten. Nur wer am Abend viel ass, der legte an Gewicht zu.

Die Studie lässt vermuten, dass der Verdauungsprozess früh am Tag am effektivsten arbeitet. Die gleiche Mahlzeit am Abend gegessen, so vermuten die Forscher, könnte daher dazu führen, mehr Gewicht anzusetzen, da die Bauchspeicheldrüse anscheinend morgens mehr Insulin ausschüttet, um die Glukose aus dem Blut zu bekommen, als am Abend. Das sehen die Chronobiologen genauso. Nach ihrer Erkenntnis arbeitet die Verdauung vor allem zwischen 8 und 10 Uhr besonders effektiv, denn dann hat der Körper die Verdauungsorgane dafür vorbereitet. Auch zwischen 10 und 12 Uhr sind die Verdauungsorgane bereit; die Galle bildet Verdauungssäfte, um Fette und Kohlenhydrate gut zu verarbeiten. Ab 18 Uhr dagegen sind Leber und Bauchspeicheldrüse eher zurückhaltend, zum Abbau von Kohlenhydraten braucht der Körper abends dreimal so lange als beim Frühstück.

Der Ernährungsforscher James Betts von der University of Bath entdeckte noch etwas anderes Interessantes. Er rekrutierte drei Dutzend Testpersonen und liess die eine Hälfte frühstücken, die andere nicht. Die Daten zeigten: Durch ihr üppiges Frühstück nahm die eine Gruppe über den Tag gesehen zwar mehr Kalorien zu sich. Allerdings, das zeigten Bewegungstracker an ihren Handgelenken, verbrannten sie auch mehr Kalorien, da sie sich allgemein deutlich mehr bewegten oder herumliefen als die, die kein Frühstück hatten. Ob das mit dem Energieüberschuss durch das Frühstück oder einfach durch eine bessere Stimmung aufgrund von Kohlenhydraten begründet war, lässt die Studie offen. Aber das Mehr an Bewegung glich die Kalorien am Ende wieder aus. Weiter war in der Frühstücker-Gruppe der Glukosespiegel im Blut für den Rest des Tages stabiler, was für den Zuckerstoffwechsel besser ist.

«Letztendlich fehlt aber noch der eindeutige Nachweis», resümiert Ernährungs-Dozent David Fäh (45) von der Berner Fachhochschule. Erst Anfang 2019 schrieben Forscher im British Medical Journal: Alle bisher veröffentlichten Untersuchungen dazu haben Schwächen. Fäh rät daher: «Eine pauschale Empfehlung zu frühstücken scheint vor diesem Hintergrund also nicht angebracht.» Morgens mit etwas Gesundem in den Tag zu starten, davon rät aber auch keine Studie ab.