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Reiche Ernte im Jorat

Linsen sind wechselhaft: Der Ertrag schwankt zwischen 300 Kilo und mehr als 1,5 Tonnen pro Hektar. Aber sie sind auch anspruchslos, Hitze und Trockenheit machen ihnen nichts aus. Die Linsen-Bauern im Waadtland freut's!  

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Bassam Jreidi
06. August 2019

Perline-Linsen

Schweizer Qualitätsprodukt

Mit der «Perline»-Linse hat der Waadtländer Bauer Christian Blaser ein hochwertiges lokales Produkt auf den Markt gebracht. Um genügend grosse Erntemengen für den schweizweiten Verkauf bei Coop sicherzustellen, arbeitet Blaser mit elf Kollegen aus sieben Dörfern der Region Jorat zusammen. 
 
Perline-Linsen, Fr. 6.95/500 g, in grösseren Coop-Supermärkten erhältlich.

Wenn andere unter der Hitze stöhnen, bekommt Christian Blaser (57) glänzende Augen: Dank der Trockenheit im Juli war die Linsen-Ernte dieses Sommers ein Erfolg für den Landwirt aus Savigny VD. Dort beginnt hoch über dem Genfersee der Jorat, eine ausserhalb der Romandie kaum bekannte Region nordöstlich von Lausanne. Blaser, der gerne Neues ausprobiert und Herausforderungen mag, ist eine Art Pionier für den Anbau der grünen Linse im Jorat. Seit nunmehr fünf Jahren wird diese Varietät unter dem Namen «Perline» (s. rechts) vermarktet.

Auf die Idee gebracht hatte ihn ein früherer Mitarbeiter aus der dem französischen Département Haute-Loire in der Auvergne – dorther kommen die berühmten grünen Puy-Linsen. «Wir haben hier ein ähnliches Klima», erklärt der Waadtländer Produzent. «Meine Felder liegen bis zu 900 Meter hoch und es kann ziemlich rau sein, aber diesen widerstandsfähigen Pflanzen gefällt es hier gut.» 

Heisse und trockene Sommer – das sind ideale Bedingungen für die grüne Linse.

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Ähnlich wie Bohnen und andere Leguminosen können die Linsen Stickstoff aus der Luft im Boden anreichern. Darum – und um Krankheiten sowie Schädlingen vorzubeugen – kann Blaser auf demselben Feld nur alle fünf Jahre Linsen anbauen. Zur Aussaat, die zwischen Ende März und April erfolgt, muss der Boden trocken sein.

Nach dem Auskeimen wachsen die Linsen langsam: Sie bleiben fast zwei Monate lang im selben Stadium. In dieser Phase muss der Produzent seine Pflanzen vor Unkraut schützen: «Sonst ist die Kultur gefährdet. Aber wir behandeln nur einmal und verwenden dabei weder Fungizide noch Insektizide», betont Blaser, der auch auf Dünger verzichtet.

Die nächste Herausforderung kommt mit der Ernte: «10 bis 15 Prozent der Samen gehen dabei verloren, vor allem weil der Reifegrad auf den verschiedenen Höhenstufen der Pflanze unterschiedlich ist. Für die Weiterverarbeitung behalten wir nur makellose Linsen», so der Produzent.  

Bauer Christian Blaser ist mit der Qualität der Ernte zufrieden.

Gut sortiert – und dann geniessen

In der Sammelstelle von Corcelles-le-Jorat VD wird die Ernte der Region vorsortiert und – falls nötig – getrocknet. Damit sie gut haltbar sind, dürfen die Linsen nämlich nicht mehr als 15 Prozent Feuchtigkeit aufweisen. Danach kommen sie ins Lager, wo sie in riesigen Säcken, kühl und vor Licht geschützt, auf die Weiterverarbeitung warten. Dazu reisen die Linsen einmal quer durch die Schweiz: erst ins thurgauische Müllheim-Wigoltingen zur definitiven Sortierung bei der Firma Zwicky, dann nach Pratteln (BL). Dort werden die Linsen von der Coop-Tochter Sunray für den Verkauf abgepackt.

Rezept zum Nachkochen: Anne-Lises Linsensalat

Bei den Blasers kommen Linsen mindestens einmal pro Woche auf den Tisch. Jetzt, wenn es noch sommerlich warm ist, am liebsten als Salat.
Hier gehts zum Rezept.

In der Küche muss man Linsen erst waschen, bevor man sie zubereitet. Da die Samen bodennah wachsen, können sie auch noch in der Packung mit Staub bedeckt sein. Dann geht es los – Christian Blasers Frau Anne-Lise (59), eine begeisterte Köchin, erklärt, wie sie die Linsen zubereitet: Das Kochwasser sollte nicht gesalzen werden, da sich sonst die Kochzeit verlängert. Da sie es mag, wenn die Linsen noch bissfest sind, empfiehlt Anne-Lise, sie nach 20 Minuten Kochzeit im Minutenabstand zu probieren, um den richtigen Al-Dente-Grad zu erhalten.

Am liebsten serviert sie Linsen als Salat (s. rechts) oder warm zu Lamm. «Sie passen zu sehr vielen Gerichten», sagt sie, «und so verleiden sie einem nie. Wir essen einmal pro Woche Linsen.» Das scheint den beiden gut zu tun: Anne-Lise und Christian sind sportlich und achten auf ihre Ernährung. Kennengelernt haben sie sich über das Laufen – Anne-Lise war 1994 Schweizermeisterin im Marathon.