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Freude am Selbermachen

Bei Tisch sind Kinder oft heikel. Damit sie lernen, wie genussvoll Kochen und Essen sein können, brauchen sie ein Vorbild. Und das muss nicht immer das Mami sein.

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Christoph Kaminski
21. Oktober 2019
Zur Pasta gibts Gemüsesugo, Tochter Nia hilft Aldo Gnocchi beim Kochen.

Zur Pasta gibts Gemüsesugo, Tochter Nia hilft Aldo Gnocchi beim Kochen.

Womöglich liegt es ein wenig an seinem Namen, dass Essen für ihn mehr ist als blosse Nahrungsaufnahme und dass er so gerne kocht: Aldo Gnocchi (37), selbstständiger Digital-Marketing-Berater aus Muttenz BL, bezeichnet sich selbst als «grösstes Gnocchi der Schweiz». Der Zwei-Meter-Mann hat schon als Kind gelernt, was gutes Essen bedeutet. «Meine Eltern waren beide Profis in der Küche, aber zu Hause hat meine Mutter es sich einfach gemacht», erzählt Gnocchi. «Da habe ich selber angefangen zu kochen.»

«Nüdeli mit nüt»

Und das macht er bis heute, auch wenn seine Tochter Nia (5) zum «Papitag» bei ihm ist. Das gemeinsame Kochen macht ihr Spass, obwohl Nia ab und zu eine Pause braucht – in diesem Alter ist die Aufmerksamkeitsspanne noch kurz. Papi Aldo mag die mediterrane Küche: «Ich koche gerne in der Art von Yotam Ottolenghi.»

Der britische Koch mit italienischen Wurzeln ist Nia aber herzlich egal. Sie mag am liebsten «Nüdeli mit nüt», also Nudeln ohne alles. Und das hat sie mit vielen Gleichaltrigen gemeinsam. «Ohne die Fähigkeit, Gefährliches von Nahrhaftem unterscheiden zu können, hätten wir Menschen es nicht so weit gebracht», sagt der deutsche Biochemiker Wolfgang Meyerhof (66), der im April bei einer Fachtagung im Basler Museum Tinguely über die Entstehung von Geschmackswahrnehmungen sprach. Die Ablehnung von bitter und sauer sei angeboren. Was dagegen süss oder umami schmecke, werde als kalorienhaltig erkannt. Nudeln sind für Kinder in der Wachstums­phase eine durchaus sinnvolle Nahrung.

Sinnliche Erfahrung

Die bunte Welt der Aromen muss also erst nach und nach entdeckt werden. Doch diese Erfahrung kommt in Zeiten, in denen alles schnell gehen muss, oft zu kurz. Mit Fertiggerichten und Fast Food hält sich auch der Genuss in Grenzen. Ganz bewusst nimmt sich Aldo Gnocchi darum Zeit zum gemeinsamen Kochen mit seiner Tochter. «Manchmal kochen wir auch zusammen mit Kollegen, die sich ebenso wie ich von ihrer Partnerin getrennt haben», erzählt Gnocchi. «Das ist dann immer ein grosser Spass für die Kids.»

Was Aldo und Nia nun für die Coopzeitung kochen? Na klar: Nüdeli! Aber nicht nur. Denn dazu gibt es einen Sugo aus frischen Zutaten: Tomaten, Rüebli, Peperoni, Champignons, Peterli und Basilikum. Schon das Rüsten ist eine sinnliche Erfahrung. Und wenn sich dann die kühlen, festen Gemüseschnitze beim sanften Dünsten in der Pfanne nach und nach in einen würzigen Sugo verwandeln, ist das eine weitere Lektion: Es kommt beim Kochen auch auf die Textur der Zutaten an!

Gut, haben die beiden den Pastateig schon vorher geknetet und durch die Nudelmaschine gedreht. Denn nun hat Nia richtig Hunger. Im Salzwasser sind die Nüdeli schnell gegart. Rasch noch die Kalbsplätzli in einer Mischung aus Ei, Mehl und geriebenem Parmesan wenden. Das Ausbacken in der heissen Pfanne übernimmt der Papi.

Wissen für Generationen

Und dann ist es so weit: Es dampft und duftet von den Tellern. Auf den ersten Bissen folgt ein Moment der Stille. «Eigentlich noch recht gut», meint Aldo Gnocchi schliesslich mit einer Portion Understatement. Und Nia gibt zu Protokoll: «Wenn Papi kocht, schmeckt es immer gut!» Offenbar auch eindeutig besser, als wenn sie mit ihren Gspänli im Chindsgi etwas zubereiten darf: «Dort machen wir immer nur ganz einfache Sachen.»

Die Tochter ist also schon ein wenig auf den Geschmack gekommen. Das gemeinsame Kochen und Essen ist eben eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kinder lernen, Frische und Qualität der Lebensmittel zu schätzen, sich ausgewogen zu ernähren – und später vielleicht einmal dieses Wissen an ihre Kinder weiterzugeben. 

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