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Beauty wider Willen

In der modernen Küche hat der Granatapfel genau eine Rolle: hübsch aussehen. Dabei kann die Frucht so viel mehr, findet Foodbloggerin Naomi Meran.

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Heiner H. Schmitt
04. Februar 2019

Naomi Meran greift in der Küche gerne zu Granatapfel. Doch nicht nur der Kerne wegen, sondern auch als Melasse.

Mal ehrlich, können Sie Granatapfelkerne noch sehen? Auf der Suppe, im Salat, auf der Bowl, über dem Smoothie – die rubinroten Samen sind aus der modernen Bloggerküche nicht mehr wegzudenken. Böse Zungen könnten auch behaupten, sie seien zu omnipräsent, würden zu unbedacht eingesetzt. Vielleicht haben diese Zungen recht. Denn durch die rote Bilderflut vergeht wohl vielen die Lust, sich näher mit der Frucht auseinanderzusetzen.

Dabei würde es sich lohnen. Der Granatapfel ist nicht irgendeine Frucht. Bereits im Mittelalter wurde er zur Behandlung diverser Krankheiten eingesetzt. Zurzeit sollen zahlreiche Studien zeigen, ob er eine heilende Wirkung hat. Sicher ist, dass Polyphenole des Granatapfels zu den am stärksten antioxidativ wirksamen Substanzen gehören und die Frucht eine wichtige Balaststoffquelle ist.

Eine Frucht mit Geschichte

Der Granatapfel stammt ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Iran, war aber bereits vor unserer Zeitrechnung im Nahen Osten zu finden. Das belegen etwa historische Funde aus dem alten Ägypten oder Israel. In der griechischen Mythologie kommt die Frucht immer mal wieder vor. Auch in der Bibel und im Koran wird sie erwähnt.

Nach Mitteleuropa schaffte es der Granatapfel im Mittelalter. Er galt auch hier als Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Der Reichsapfel – ein Symbol königlicher Macht – dürfte auf dem Granatapfel basieren. Wegen seines intensiven Rots war er früher übrigens ein beliebtes Färbemittel für Orientteppiche. Und selbstverständlich Basis des Grenadinesirups, der aus vielen Cocktails nicht mehr wegzudenken ist. Die Farbe Granatrot kommt übrigens auch von der Frucht.

 

Erst das Kochen, dann das Fotografieren und zum Schluss das Geniessen: Naomi Meran verknüpft ihre Leidenschaften gekonnt für ihren Blog Limon Rimon.

Zeit also, dieser wunderbaren Frucht jenen Platz einzuräumen, der ihr auch gebührt. Deshalb sind wir zu einer Frau gegangen, die wissen muss, wie das geht: Die Zürcherin und Schweiz-Israelin Naomi Meran (48) schreibt den Foodblog Limon Rimon. Was das erste Wort bedeutet, dürfte allen klar sein. Doch was ist mit dem Rimon? «Das bedeutet auf Hebräisch Granatapfel. Er ist in der israelischen Küche sehr beliebt», erzählt Meran.

Die hauptberufliche Kommunikationsexpertin setzt auf dem Blog auf ihre nahöstlichen Wurzeln. Als Tochter einer Schweizerin und eines Israeli wurde sie in Tel Aviv geboren. Aufgewachsen ist sie in Basel – mit den orientalischen Gerichten des Vaters, der gerne Stunden in der Küche verbrachte. «Wir haben schon immer viel Hummus, Tahini und Falafel gekocht und gegessen – lange bevor es Trend wurde», erzählt sie.

Vielseitiger Einsatz in der Küche

In ihrer zweiten Heimat ist der Granatapfel allgegegnwärtig. Und zwar nicht nur dank seiner Kerne. Granatapfelmelasse wird aus dessen Saft, Zitronensaft und Zucker hergestellt. Die süss-saure, zähflüssige Paste – geschmacklich der Tamarinde nicht unähnlich – wird in Israel grosszügig eingesetzt. Im Müesli, in Eintöpfen, in Dips oder in Saucen. Auch in Fleisch-Marinaden kommt die Melasse häufig zum Zug.

Mit ihrem Blog vereint Naomi zwei Leidenschaften: das Kochen und die Fotografie. Dass sie sich von der nahöstlichen Küche inspirieren liess, stand ausser Frage. Ausserdem kocht sie meist vegetarisch – so wie sie es zu Hause eben auch tut. Der Granatapfel ist in den meisten Rezepten zu finden: sei es in der Haupt- oder Nebenrolle, als Kerne oder eben als Melasse.

Tipps zum Auslösen der Kerne

Wenn da nur dieses nervige Entfernen der Kerne aus der Schale nicht wäre. Wie macht es denn die Expertin? «Um ehrlich zu sein, ich probiere immer mal wieder andere Methoden», sagt Meran. Mal schlage sie mit einem Kochlöffel darauf, mal entferne sie die Kerne unter Wasser und mal einfach so. «Nach Letzterem muss ich die ganze Küche putzen», meint sie und lacht. Das nimmt die Foodbloggerin gerne in Kauf – denn von Granatäpfeln hat sie noch lange nicht genug. 

Lust bekommen auf Aubergine mit Granatapfel-Topping? Hier geht's zum Rezept.

Granatapfel

Ernte und Lagerung

Der Granatapfel wächst an einem kleinen Baum, man könnte ihn auch als Strauch bezeichnen. Er wird inzwischen weltweit angebaut und ist im Mittelmeer- raum sehr oft zu finden. Dort wird der Apfel im Herbst geerntet. Selbst in unseren Breitengraden, an sehr warmen Orten, können Granatäpfel wachsen. Die Früchte sind sehr lange lagerbar.