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Reportage

Eine neue Generation

Sandrine Caloz ist im Wallis mit Wein aufgewachsen: Ihr Grossvater legte den Grundstein für das Familienunternehmen, ihr Vater machte weiter. Nun ist sie am Hebel. Je mehr sie über den Rebensaft lerne, umso grösser wurde ihre Leidenschaft.

FOTOS
Thomas Andenmatten
20. Mai 2019

Ganz selbstverständlich nimmt Sandrine Caloz ihr Baby mit in den Rebberg. Hier weiden Schafe und düngen den Boden.

«Ich bin gleich unten, geht doch schon ins Cave», ruft Sandrine Caloz (29) mit ihrem Baby auf dem Arm. Sie steht am Fenster ihres Wohnhauses in Miège VS, drei Kilometer von Siders VS entfernt. Im Cave, also dem Keller dieses Hauses, produziert die Familie Caloz bereits in der dritten Generation Wein. 1960 begann Fernand Caloz (heute 89), der Grossvater von Sandrine, mit der Weinherstellung. 1987 übernahmen Anne-Carole (55) und Conrad (58) das Haus und den Familienkeller.

Passion musste erst gären

Nun steht Sandrine freudestrahlend im Keller. Ihre bald zweijährige Tochter versteckt sich hinter ihren Beinen. «Sie wollte nicht, dass ich gehe», erklärt sie. Um ihr Baby kümmert sich nun ihre Mutter. So geht das in einem Familienunternehmen.

Sandrine ist die älteste von vier Töchtern. Dass sie dereinst den Betrieb der Eltern übernehmen würde, war nicht immer klar. Als Kind half sie zwar jeweils viel im Rebberg mit. Doch nach der Matur zog es sie in die Stadt. Sie ging nach Zürich, um an der ETH Agrarwissenschaft zu studieren. Das war dann doch nicht wie erwartet, sie brach das Studium ab. Danach half sie auf Rebbergen im Aargau aus, ehe sie wieder ins Wallis zurückkehrte. «Je grösser mein Wissen wurde, umso stärker begann mein Herz für Wein zu brennen», sagt Caloz. Sie schrieb sich an der Hochschule Changins in Nyon VD ein und schloss 2013 ihr Önologie-Studium ab. Seitdem hat sie den Grossteil der Arbeit im Betrieb übernommen. Die Mutter hilft ihr im Büro mit, der Vater unterstützt sie vor allem im Rebberg.

«Die Leidenschaft für den Wein wächst mit dem Wissen.» Sandrine Caloz im Cave des Familienbetriebs.

«Diese Weise, den Rebberg in Schuss zu halten, finde ich unbezahlbar. Treffenderweise sind Schafe auch unser Wappentier.»

Sandrine Caloz

Die liebenswürdigsten Helfer sind jeweils im Frühling und Herbst im sechs Hektaren grossen Rebberg unterwegs: Caloz setzt Schafe ein, die den Boden abweiden und natürlich düngen. Tatsächlich ziert ein Schaf die Caloz-Weinflaschen. Dies war schon bei den Flaschen ihres Grossvaters und Vaters so. Die junge Winzerin zeigt im Keller stolz die Flaschen der verschiedenen Generationen. «Das Schaf ist an das Osterlamm angelehnt», erklärt sie.

Gut vernetzt untereinander

Komplett übernehmen wird sie den Betrieb 2022. Bereits jetzt hat sie die Weichen für die Zukunft gestellt: Der Betrieb hat auf Bio umgestellt, 2017 ist der erste Bio-zertifizierte Jahrgang. Und sie ist auch in der Winzerszene gut vernetzt: Seit 2017 ist sie Mitglied bei «Junge Schweiz – Neue Winzer». Im Verein sind gut zwei Dutzend Schweizer Winzer unter 40 Jahren organisiert. «Als ich beitrat, war ich gerade schwanger», erinnert sich Caloz. Verkostungen hat sie dennoch durchgeführt – Profis schlucken den Wein dabei nicht, sie spucken ihn in ein Gefäss. Sandrine Caloz schätzt den Austausch mit Arbeitskollegen. «Jede Schweizer Weinregion hat eine andere Realität und andere Herausforderungen.» Immer wieder würden sie gemeinsam Ausflüge unternehmen und andere Betriebe besuchen. «Es ist sehr wertvoll, den anderen über die Schultern zu schauen», sagt Caloz. Schliesslich teilen sie als Weinbauern alle dieselbe Leidenschaft.