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Törtchen von Weltruhm

Das Pastel de Nata ist ein bisschen wie eine Liebesgeschichte mit Happy End: Ein Biss in das mit Pudding-Creme gefüllte Törtchen reicht, um in anderen Sphären zu schweben.

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Valentina Verdesca
11. Februar 2019

Eine kleine Schnauserei mit grossem Geheimnis: Nur drei Personen sollen das portugiesische Originalrezept kennen.

Es gibt erste Male, die man nie vergisst. Dazu gehört für mich das erste Mal, als ich in eine Pastel de Nata biss. Das war vor knapp zwei Jahren an einem Streetfoodfestival – Liebe auf den ersten Happen! Diese Harmonie zwischen Blätterteig, Eiercreme und Zimt versetzte mich in höhere Sphären. Kalorien? Nichts konnte mir in diesem Moment gleichgültiger sein.

Seither träume ich von einer Reise nach Lissabon. Genauer gesagt in den Stadtteil Belém, die Heimat der süssen Törtchen. Entsprechend auch ihre Alternativbezeichnung Pastéis de Belém. Pastéis ist der Plural von Pastel. Nata bedeutet übrigens Rahm. Ein irreführender Name, denn im Originalrezept ist kein Rahm enthalten.

Ihren Anfang nahmen die Küchlein im Hieronymuskloster des 18. Jahrhunderts. Weil die Nonnen viel Eiweiss brauchten, um ihre Hauben zu stärken, suchten die Klosterköche nach einer Verwendungsmöglichkeit für das viele Eigelb. Was lag da näher, als ein Törtchen auf Pudding-Creme-Basis zu kreieren?

Belegt ist, dass das klösterliche Gebäck im Jahre 1834 erstmals ausserhalb der Klostermauern auftauchte. Damals verkauften die Mönche das Rezept einer lokalen Zuckerraffinerie. Diese begann die Törtchen in ihrer Bäckerei zu verkaufen – und das tut sie bis heute. In der «Pastelaria Casa Pastéis de Belém» werden im Durchschnitt 20'000 Stück pro Tag produziert. Von Hand, unter strenger Geheimhaltung: Nur drei Menschen kennen das Originalrezept der Eiercreme.

Selbst für mich als ehemalige News-Reporterin also unmöglich, da heranzukommen. Und so machte ich mich auf die Suche nach jemandem, der ein mindestens so verführerisches Törtchen zaubern konnte, wie ich damals am Streetfoodfestival gegessen hatte.

Süss, raffiniert, einfach

Fündig wurde ich bei Caroline Thaler (40), ehemalige Chefpatissière der gehobenen Hotellerie und Dessertbeauftragte des Blogs Foodwerk.ch. Die Website gehört mit mehreren Millionen Aufrufen jährlich zu den erfolgreichsten Food-Blogs der Schweiz. Nicht zuletzt wegen der raffinierten, aber zugleich einfachen Dessertrezepte.

Nicht nur die traditionellen Zutaten: Milch, Eier und Zucker,...

...sondern auch Vanille und Zitrone werden von Foodbloggerin Caroline Thaler hinzugemischt.

Statt zu Blätter- kann auch zu Strudelteig gegriffen werden: Dann erhalten die Törtchen eine knusprige Haube.

Mit Puderzucker und Zimt: Caroline Thaler und ihr Ehemann Tobias präsentieren ihre Version von Pastéis de Nata.

Genau so ein Rezept sollte es auch für die Coopzeitung werden. Einfach nachzubacken und einfach fein. Ein Klacks für die gebürtige Schaffhauserin, die ihre Kochlehre in einem spanischen Restaurant gemacht hat. «Schon damals habe ich viel mit Cremedesserts experimentiert, etwa mit der Crema Catalana», erzählt Thaler und dressiert mit geübter Hand die Vanillecreme auf den Blätterteigböden. Sie habe immer einen Hang zum Süssen gehabt, schon in der Lehre ihre erste Hochzeitstorte gemacht. In der Folge war sie danach in einigen Luxushotels für die Desserts verantwortlich. Irgendwann wollte sie aber nicht mehr. Wollte nicht immer die Letzte in der Küche sein. Nicht immer die Wochenenden durcharbeiten. Mehr Zeit für ihren Ehemann Tobias (40) haben, den sie vor 21 Jahren während der Lehre in ebendiesem spanischen Restaurant kennen und lieben gelernt hatte.

Ständiges Tüfteln und Verbessern

Und so kehrte sie der Gastronomie den Rücken. Nicht aber der Küche respektive dem Backofen. Vor sechs Jahren begann sie einen Back-Blog zu schreiben. Der wurde bald zum generellen Foodblog – Caroline blieb die Expertin für Süsses, während sich Ehemann Tobias um Fleisch, Fisch und Saucen kümmert.

«Ich interpretiere Klassiker gerne neu.»

Caroline Thaler

Zu süss darf es allerdings auch nicht sein: «Bei den Pastéis habe ich lange he- rumexperimentiert, bis ich die richtige Zuckermenge gefunden hatte», erzählt sie. Zudem entschied sie sich – entgegen dem Originalrezept, welches, soweit man weiss, nur Milch, Eier und Zucker enthalten soll – mit Vanille und Zitrone zu arbeiten. Und mit der Variante Strudelteig – zum Beispiel für Gäste oder für den Liebsten zum Valentinstag. «Das hat mir schon immer am meisten Spass gemacht – ein Rezept verbessern, aus Klassikern etwas Neues machen.» Etwas anderes macht sie auch aus den Eiweiss-Resten. Die Zeit, in der diese zum Haubenstärken benutzt wurden, ist schliesslich längst vorbei. «Was meinst du, Meringues oder Pavlova?», fragt sie Ehemann Tobias. 

Lust bekommen, Pastéis de Nata selbst zu backen? Das Rezept der leckeren Törtchen finden Sie hier.