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Kirschessigfliege:Kleines Viech, grosser Schaden

Drosophila Suzukii - Die asiatische Kirschessigfliege bringt Probleme mit sich, wie man sie bislang noch nicht kannte. Und sorgt damit bei Weinbauern und Experten gleichermassen für schlaflose Nächte.

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FOTOS
Keystone
02. Februar 2015

Allein im Kanton Luzern wird der Schaden 2014 durch die Kirschessigfliege auf eine halbe Million Franken geschätzt.


Bericht

Sie macht sauer in doppelter Hinsicht: Zum einen die Winzer, zum anderen die Trauben. Denn darin legt die Kirschessigfliege bis zu 600 Eier in nur einem Mal. Nach bis zu drei Tagen schlüpfen kleine Maden, die sich während einer Woche vom reifen Fruchtfleisch ernähren. Die Folge: Nach dem vollständig abgeschlossenen Generationszyklus beginnen die Früchte zu gären und bekommen die Essigfäule.

Ein Festschmaus für den asiatischen Winzling: rote und vor allem reife Früchte.

Verbreitung in Europa

Die Kirschessigfliege gehört zur Familie der Obst- und Essigfliegen und stammt ursprünglich aus Südostasien. Von dort gelangte sie 2008 auch erstmals nach Europa. Bis sie den Weg von Spanien über Italien, Frankreich bis in die Schweiz zurückgelegt hatte, sind jedoch noch drei Jahre vergangen. 2011 liess sich der Schädling hierzulande erstmals nachweisen. Ein junges Problem also. Und ein grosses, denn die Drosophila Suzukii gehört nicht in das europäische Biotop. Sie bevorzugt nicht wie ihre westlichen Artgenossen die faulen, sondern die bis anhin gesunden Früchte.

Andreas Häseli Agronom

Heikel bei der Beeren-Wahl

Es sind vor allem die roten Früchte, die es ihr angetan haben. Rebsorten wie Cabernet Dorsa, Acolon, Dornfelder und Regent waren im vergangenen Jahr besonders betroffen. Je dunkler die Sorte, desto beliebter. Wieso der Farbaspekt eine Rolle spielt, muss man gemäss Andreas Häseli, 57, vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick noch verifizieren. Aber nicht nur Weintrauben, auch Kirschen, Himbeeren, Heidelbeeren, Holunder und Zwetschgen wurden in der ganzen Schweiz befallen: Der Schädling macht keinen Halt vor irgendeiner weichfleischigen Frucht. Fallen oder Massenfang waren bei dem Versuch der Bekämpfung bislang nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Population war in 2014 so gross, dass die schonenden Regulierungsversuche nicht gefruchtet haben, berichtet der Agronom. Man forsche deshalb noch immer an wirksamen Methoden, der tückischen Fliege den Garaus zu machen.

Wir hoffen auf einen kalten Restwinter.»

Andreas Häseli (57), Forschungsinstitut für biologischen Landbau Frick

Doch die Suche nach verträglichen Massnahmen für Mensch und Früchte brauche seine Zeit, zumal wir von dem Viech regelrecht überfallen wurden, so Häseli. Da die Problematik direkt vor der Ernte besonders gross sei, gestalte sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schwierig. Daher wurden primär erst Biomittel mit rascher Abbaurate bewilligt.

Drosophila-Larven werden rund 3 Millimeter gross und sind mit blossem Auge sichtbar.

Fliege mit Explosionscharakter

Wie die teilweise dramatische Situation hierzulande weitergeht, steht noch in den Sternen. Wir müssen davon ausgehen, dass wir mit der Kirschessigfliege leben müssen, sagt Andreas Häseli. Denn: Je nach Jahreswitterung wird auch zukünftig die Plage von unterschiedlich grosser Bedeutung sein. Die Regulierung der asiatischen Fliege sei deshalb so komplex, weil sie in fast allen denkbaren Kulturen mit zartfleischigen Früchten inklusive Wald-, Garten- und Heckenpflanzen auftritt. Der Agrarwissenschaftler hofft auf einen kalten Restwinter. Denn: Nur Perioden unter null Grad würden die Fliegen abtöten und deren Population einschränken.

Insekten: Schädlinge im Rebberg

Im Rebberg kommen in und über der Erde Kleintiere in grosser Anzahl und Vielfalt vor. Die dort ansässigen Schädlinge sind Lebewesen, die nach dem Werturteil des Menschen die Rebe beeinträchtigen. Die bedeutendsten Schädlinge in den Schweizer Weinbergen sind Insekten, wie etwa die Raupe des Traubenwicklers, diverse Milben, Schildläuse, Fadenwürmer, der Asiatische Marienkäfer und neuerdings auch die Kirschessigfliege. Doch so lange die Population keine negative Auswirkung auf die Gesundheit der Rebe beziehungsweise der Traube und somit auf den Ertrag des Winzers hat, sind die Insekten akzeptiert. Im Idealfall leben im Rebberg genügend Nützlinge also Lebewesen, die dem Menschen in irgendeiner Weise nützlich sind um die Schädlinge in Schach zu halten.