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Wein

«Unsere Weine sind leicht zu trinken»

Die Marke «Bernard Magrez» vereint weltweit 42 Weingüter, darunter vier Grands Crus Classés im Bordeaux. Gründersohn Philippe Magrez verrät das Erfolgsrezept seiner Familie.

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Heiner H. Schmitt
01. Oktober 2018

Familienunternehmen: Ob die beiden Kinder von Philippe Magrez (55) die Tradition fortsetzen, ist derzeit noch offen.

Über Wein lassen sich viele Geschichten erzählen, diese hier ist Familiensaga und Erfolgsstory in einem: Bernard Magrez (82), Spross der grössten Möbelhändlerfamilie von Bordeaux, hatte mit Spirituosen ein Vermögen gemacht. Der Weinhandel, den er früher nur nebenbei betrieben hatte, rückte ab 2004 ins Zentrum des Unternehmens, das seinen Besitz an Rebbergen innerhalb von 14 Jahren von 8 auf 42 steigerte. Alle Appellationen und Preisklassen tragen die Marke «Bernard Magrez».

Philippe Magrez, Ihre Familie will offenbar stets die Nummer eins sein – woher kommt diese Besessenheit?

Unser Motto ist hinten auf unseren Krawatten eingestickt: «Niemals aufgeben». Wenn man sich immer wieder sagt, ich will der Beste der Besten sein, und so lange es auch dauern mag, ich werde es schaffen, dann hat man das nach 30 Jahren im Blut. Das ist wie eine Droge.

Ihr Vater besass schon vier Güter im Bordeaux. War das nicht genug?

Als wir uns 2004 von den Spirituosen trennten, trug der Wein nur 20 Prozent zum Umsatz bei. Aber wir hatten diese Châteaux und fragten uns, was wir damit machen sollten. Uns ging es immer um den Kunden, und so suchten wir auch hier den direkten Kundenkontakt.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir wussten: Der Konsument braucht Orientierung. Wer seine Freunde zum Wein einlädt, will sich nicht blamieren. Er sucht einen Namen, bei dem er nichts falsch machen kann. Der Markenname «Bernard Magrez» soll diese Sicherheit bieten – das ist unser Ziel.

Aber in Frankreich gibt es jede Menge Referenzmarken …

Kleine Qualitätsgüter, ja. Aber wir können uns nicht mehr auf unseren Lorbeeren ausruhen und vom guten Ruf leben. Diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Und worin liegt die Zukunft?

Wir müssen uns dem Geschmack des Kunden anpassen, statt ihm unseren Geschmack aufzuzwingen. Es gibt bei uns eine Redensart: Das erste Glas muss die Lust auf ein zweites wecken. Man sitzt mit Freunden zusammen, und unversehens ist die Flasche leer …

Eine schönes Sprichwort für einen Weinhändler.

Ja, aber es ist unsere Aufgabe, den Konsumenten Genuss zu bieten. Wenn die Weine für Kenner interessant, aber zu komplex sind, machen sie keine Freude.

Birgt das nicht die Gefahr, dass irgendwann alles gleich schmeckt?

Entscheidend ist das Terroir. Die Natur gibt uns nur wenig Spielraum, den Geschmack zu beeinflussen: die frühere oder spätere Lese, die Beigabe von Holzchips etc. So unterscheiden sich unsere Weine zwar aufgrund des Terroirs in ihrem Geschmack, doch alle sind leicht zu trinken.

Was verstehen Sie darunter?

Luftige Weine. Bis ums Jahr 2000 bevorzugten die Leute starke Weine mit viel Tanninen und einem Geschmack nach Konfitüre. Heute braucht es im Wein Fruchtigkeit, feine Tannine und Säure.

Was versprechen Sie sich von der Präsenz in neun Ländern, darunter Uruguay und Japan?

Vor 40 Jahren reiste man weniger, blieb seinem Geschmack und den Gewohnheiten treu. Heute ist es umgekehrt und überall entdeckt man tolle Produkte.

Sind Sie nun Frankreichs Winzer Nummer eins?

Nein, aber wir sind führend in unseren Grands Crus Classés. Insgesamt produzieren wir 4,5 Millionen Flaschen pro Jahr – international liegen wir damit im Mittelfeld.

Und wie schätzen Sie die Schweizer Weine ein?

Die Schweiz bietet Grossartiges auf diesem Gebiet. Ich habe gerade gelesen, dass hier über 200 Rebsorten als AOC kultiviert werden. Das bedeutet Stärke und Schwäche zugleich: Beim Export ist eine zu grosse Vielfalt kaum bekannter Sorten schwer zu vermitteln. Ich habe einige sehr gute Syrahs aus dem Wallis getrunken – die sind meiner Meinung nach starke Botschafter des Schweizer Weinbaus: Den Syrah kennt der Kunde überall auf der Welt. 

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