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Geduld bringt Rosé

Je wärmer das Wetter, desto kühler die Weine. Ob Rosé, Rosado, Rosato oder Schiller genannt gemeint ist immer dasselbe: das dritte Geschlecht des Weins. Ein besonderer Tropfen nicht nur für besonders heisse Tage.

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Weinweltfoto, Getty Images, zvg
14. Mai 2018

Sommerfrische im Glas: Rosés begeistern viele Weinfreunde.


Ist der Rosé etwas dunkler, ist dies ein Hinweis darauf, dass der Traubenmost längeren Kontakt mit der Schale hatte.

Im Sommer schweben wir auf einer rosa Wolke. Nicht nur, weil Sonne, Strand und Sorbets für viele den Himmel auf Erden bedeuten. Weinliebhaber würden diese Liste um den Begriff Rosé-Weine erweitern.

Diese im wahrsten Sinne des Wortes coolen Weine werden je nach Typ bei einer Temperatur zwischen 8 und 12 Grad genossen. Ist er wärmer, schmeckt er eher süsslich und alkoholisch. Je kühler getrunken, desto frischer wirken Säure und Frucht. Noch frischer machen ihn Eiswürfel. Aber sind diese kleinen Eisberge im Rosé ein weiterer Gänsehaut-Faktor oder ein absolutes No-Go? Jan Schwarzenbach (41), Master of Wine bei Mondovino: Jeder soll Wein so geniessen, wie es ihm schmeckt. Einziger Nachteil bei Eiswürfeln: Wenn sie schmelzen, wird der Wein verdünnt. Ideal wären also Eiswürfel aus Rosé. Der Wein mit der edlen Blässe sollte jedoch nicht nur kühl, sondern auch jung getrunken werden.

Ohne Fleiss kein Preis

Doch bevor der kühle Genuss möglich ist, braucht es erst einmal viel Sonne und es muss einiges an Schweiss vergossen werden. Ein Rosé will nämlich genauso sorgfältig produziert werden wie Rot- oder Weissweine. Das beginnt mit der Pflanzung geeigneter Rebensorten, setzt sich mit der Hege und Pflege der Rebberge ebenso fort wie bei der Weinlese und gipfelt schliesslich in der Kelterung.

Entstanden ist der Rosé-Gedanke einst in warmen Weinregionen. Dort verdünnte man Rotwein im Sommer mit Wasser, damit dieser nicht zu schnell in den Kopf steigt. Inzwischen wird die hellere und mildere Variante des Rotweins aber ganz anders hergestellt.

Drei Wege zum Glück

Rosé ist nämlich nichts anderes als Rotwein ohne Tannin und mit wenig Farbe. Es gibt drei Methoden der Kelterung:

Die Mazerations-Methode: Die Mazeration bezeichnet die Zeitspanne, in welcher der Traubenmost im Gärtank direkten Kontakt mit den Schalen hat. Bei einem Rosé sind dies wenige Minuten bis Stunden. Je länger der Schalen-Kontakt, desto dunkler wird die Farbe des Rosé und desto intensiver sein Geschmack. So dauert bei dunklen Vertretern das Rendez-vous mit der Maische das Gemisch aus Saft, Schalen und Kernen 12 bis 24 Stunden.

Die Abpress-Methode: Hier kommt der Most keine Sekunde zusammen mit den Schalen in den Tank, er mazeriert also nicht. Die roten Trauben werden direkt gepresst, sodass die Schalen nur wenig Farbe an den Saft abgeben können. Danach wird der Most wie ein Weisswein vinifiziert, also zu Wein verarbeitet. Diese Rosés sind sehr blass und werden auch Vin Gris oder Blush Wines genannt.

Die Saignée-Methode: Saignée heisst Aderlass. Der Most landet zusammen mit den Schalen im Tank und diese bluten dort quasi ihre Farbe aus. Nach ein paar Stunden lässt der Winzer 10 bis 20 Prozent des rosa Mosts ab und vinifiziert ihn in einem anderen Gärtank zu Rosé. Der restliche Most bleibt zusammen mit den Schalen im ersten Tank und reift dort zu einem dunklen Rotwein heran.

oder Weiss plus Rot=Rosé

Einen Ausnahmefall bilden die Schiller-Weine, unter ihnen auch der Churer Schiller. Hier werden weisse und blaue Trauben aus demselben Rebberg gleichzeitig gelesen und gemeinsam vergoren. Die einfachste Methode, einen Rosé herzustellen, ist allerdings das Färben von Weisswein mit 10 bis 20 Prozent Rotwein. Bei günstigen nichteuropäischen Rosés eine populäre Methode.

In der EU und der Schweiz ist dies jedoch verboten mit wenigen Ausnahmen wie etwa bei Rosé-Champagner, erklärt Jan Schwarzenbach.

Britta Wiegelmanns Weintipp - Prickelnder Frühling

Kennen Sie den Spruch Was reimt sich auf Wochenende? Prosecco. Für mich reimen sich auf Wochenende ausserdem Terrasse, Apéro und ein kleiner Schwips. Mit steigenden Frühlingstemperaturen werde ich übrigens von der Weinpuristin zur Drinkmixerin. Prosecco vermixe ich etwa zu einem herben Aperol Spritz oder mit einem Zuckerwürfel und ein paar Tropfen Angostura Bitter zu einem prickelnden Cocktail.

Der Bio-Prosecco La Jara, welchen ich Ihnen heute vorstelle, ist die ideale Basis dafür: blumig und charmant mit Noten von Honig und reifen gelben Früchten, am Gaumen mollig mit viel Schmelz der macht alle Frühlingsgenüsse mit. Doch auch solo schmeckt er ganz ausgezeichnet: ein Prickler mit Klasse.

Naturaplan-Bio- Prosecco DOC La Jara

Preis: Fr. 11.50/75 cl
Herkunft: Italien/Venetien
Rebsorten: Glera
Genussreife: 20182019
Erhältlich: in grösseren Coop-Läden und bei Mondovino.