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Hohe Ansprüche

Einst als Herkunftsland von billigem Rebensaft belächelt, ist Chile schon seit Längerem in die Top-Liga der Weinproduzenten aufgestiegen.

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FOTOS
Prisma, Alamy, zvg
11. Juni 2018

Das Colchagua-Tal gilt als eine der besten Weinregionen der Welt. Hier herrschen für Pinot Noir, Cabernet und Carménère perfekte Wachstumsbedingungen.


Ein Händchen für guten Wein: Chile gilt als das Bordeaux Südamerikas.

Als die Spanier im 16. Jahrhundert auf dem neu entdeckten Kontinent Amerika auch das heutige Chile unterwarfen, verbreiteten sie Angst und Schrecken. Eine andere Art der Eroberung erwies sich dagegen als Glücksfall für dieses Land. Denn mit den Konquistadoren kamen auch Missionare und mit ihnen Reben für den Messwein. Diese Pflanzen bilden buchstäblich die Wurzeln des Rebbaus in Chile. Knapp 500 Jahre später hat sich das lange, schmale Land an der Pazifikküste nicht nur zum wichtigsten Weinproduzenten Lateinamerikas gemausert, sondern auch zu einem der bedeutenden Anbauländer der Welt. Als Begründer des modernen Weinbaus gilt Bertrand Silvestre Ochagavia Echazareta, der 1851 aus dem Bordeaux edle Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay oder Merlot nach Chile brachte.

Lange Zeit jedoch fristete der Weinbau wegen restriktiven Gesetzen der Regierung ein Mauerblümchen-Dasein. Erst als diese Vorschriften 1974 ausser Kraft gesetzt wurden, begann dieser Landwirtschaftszweig aufzublühen.

Ideale Klima-Bedingungen

Die Voraussetzungen sind in Chile nämlich geradezu ideal für den Rebbau. Auf seinen 4000 Kilometern Länge bietet das Land extreme Klimaunterschiede, was die Vielfalt der Weine erklärt, die hier produziert werden. Wuchsen die Trauben ursprünglich vor allem in den Ebenen, sind nun auch Reben jenseits der 1000-Meter-Marke in den Anden zu finden oder im kühlen Klima nahe der Küste, wo die Temperaturen wegen des Humboldt-Stromes selten einmal 15 Grad Celsius übersteigen. Hinzu kommt, dass wegen des günstigen Klimas Rebkrankheiten selten sind und entsprechend weniger gespritzt werden muss. Ebenfalls aussergewöhnlich ist der grosse Anteil an unveredelten Reben.

Rebbau in grossem Stil

Bei den roten Trauben ist Cabernet Sauvignon die wichtigste Rebsorte, aber auch Carménère, die alte Rebsorte aus dem Bordeaux, machen einen beträchtlichen Teil aus. Im Trend liegt zudem Syrah. Beim Weisswein dominieren in Chile Chardonnay und Sauvignon Blanc sie nehmen 90 Prozent der weissen Anbaufläche ein. Total verfügt Chile über eine Rebfläche von 190000 Hektaren. Pro Jahr werden ungefähr 10 Millionen Hektoliter Wein ausgebaut. Die rund 100 Weinbaubetriebe des Landes sind meist sehr gross: Mit Flächen von unter 100 Hektar gilt man als Boutique Winery, also als kleiner Fisch.

Hohe Erwartungen

Auf hohem Niveau bewegt sich auch die Qualität der chilenischen Weine. Jan Schwarzenbach (41), Master of Wine bei Mondovino, charakterisiert das Weinland so: Chilenische Weine trumpfen schon lange mit unglaublich purer, intensiver Frucht. Seit vielen Jahren nehmen auch Finesse und Komplexität stetig zu. Chile ist also ein Weinland mit spannender Gegenwart und grosser Zukunft.

Waren in Europa und bei uns in der Schweiz lange Zeit nur die eher günstigen chilenischen Weine bekannt, wollen die Winzer seit Kurzem mit Super-Premium-Weinen in der obersten internationalen Liga mitspielen. Das Besondere daran: Anders als in Europa arbeiten die treibenden Kräfte für diese Entwicklung nicht in kleinen Weingütern, sondern in den Grosskellereien.

Heute ist Chile der fünftgrösste Weinexporteur der Welt, doch die Winzer des Landes haben sich weit höhere Ziele gesteckt das Wachstum soll weitergehen.

Britta Wiegelmanns Weintipp - Wenns passt, dann passts

In meiner Küche gibt es eine Schublade, die ist ausschliesslich für Fischkonserven reserviert. Sardinen, Makrelen, Sardellen, eingelegt in Öl, in Weisswein, in Salz egal, in welcher Form: Ich liebe die kleinen Fischchen! Ich lege sie aufs Brot, auf Tomatensalat und natürlich auf Pissaladière, einen mit Zwiebeln und Oliven belegten Hefefladen aus der Provence. Was das mit Rosé zu tun hat, fragen Sie sich? Alles! Rosé ist der perfekte Sardinen- und Sardellenwein. Und Oliven liebt er sowieso. Probieren Sies aus mit dem Comte de Genève, einem heimischen Rosé aus Genf. Ich habs getan und kann Ihnen berichten: funkelnde Lachsfarbe, ein Bouquet von roten Früchten und reifer Erdbeere, saftige Säure und ein Touch Süsse grosses Glück für kleine Fische.

Naturaplan Bio-Comte de Genève AOC, 2016

Preis: Fr. 10.50/75 cl
Herkunft: Schweiz/Genf
Rebsorten: Gamay
Genussreife: 2018
Erhältlich: in grösseren Coop-Läden und bei Mondovino.