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Trinken mit Stil

Es kann nicht jeder ein profunder Weinkenner sein. Wenn Sie aber unsere bitte nicht! beherzigen, sind Sie schon einmal auf der sicheren Seite, um nicht als Weinbanause entlarvt zu werden.

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Getty Images, zvg
21. Mai 2018

Wer sich beim Weintrinken nicht als Ignorant outen will, sollte ein paar Dinge beherzigen, zum Beispiel das Glas am Stiel halten.


Richtig einschenken: Bitte das Glas allerhöchstens halb voll füllen.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sich Weintrinker meist in zwei Gruppen teilen? Jene, die vorgeben, etwas vom Wein zu verstehen, und jene, die jegliches Wissen darüber weit von sich weisen. Meistens ist es aber so, dass die selbst ernannten Spezialisten oft weniger Ahnung haben als jene, die sich in Bescheidenheit hüllen. Dabei ist die Beurteilung eines Weins gar keine Kunst. In letzter Instanz geht es ja schliesslich nur darum: Schmeckt mir der Wein und habe ich Freude daran?

Trotzdem, keiner outet sich beim Weintrinken gerne als Banause und schon gar nicht als Barbar. Deshalb können Sie jetzt Berge von Fachliteratur wälzen, die Ihnen erklärt, wie Sie zum Profi werden. Einfacher gehts, wenn Sie auf einige Dinge achten, die Sie beim Trinken vermeiden sollten und geniessen Sie Ihren Wein einfach weiter.

  • Frisch geputzte Zähne töten jeden Wein. Kaffee, Nikotin und Schokolade bereichern eine Degustation auch nicht wirklich.
  • Sind Sie bei Ihrem Chef oder den Schwiegereltern in spe eingeladen, sollten Sie die für eine Degustation typischen Schlürfgeräusche unterlassen.
  • Die Duftnoten von Chanel, Gaultier, Dior und Co. vermiesen nicht nur Ihnen, sondern auch allen anderen Gästen die Weindegustation. Parfümieren Sie sich also dezent bis gar nicht.
  • Auch wenn Sie nicht gerne abwaschen: Trinken Sie Wein nicht aus Wassergläsern oder gar Pappbechern. Das passende Weinglas sorgt nämlich nicht nur für Stil, sondern auch für eine optimale Aromaentfaltung des guten Tropfens.
  • Fassen Sie das Weinglas nicht am Bauch. Denn erstens sorgt das dafür, dass sich der Wein zu schnell erwärmt, und zweitens gibts hässliche Fingerabdrücke. Aus irgendeinem Grund hat das Glas ja schliesslich einen langen Stiel. Genauso wenig sollten Sie das Glas salopp am Fuss halten das machen höchstens Profis im Weinkeller oder zweitklassige Schmalspurdandys.
  • Den Korken beim Öffnen der Flasche laut ploppen lassen ist eine Übung für Prolls. Ebenso sollten Sie nach dem Öffnen nicht am Korken schnuppern wie Fifi am Baum. Der Kenner erriecht allfällige Fehler direkt am Wein.
  • Junge Weine können sich beim Karaffieren allenfalls entwickeln. Für Ihren teuren 54er-Bordeaux allerdings bedeutet die schwungvolle Zwangsbelüftung womöglich den Tod durch Oxidation.
  • Ein Weinglas wird zu einem Drittel, allerhöchstens bis knapp zur Hälfte gefüllt. Alles andere ist stillos und hindert den Wein, seine Aromen zu entfalten.
  • Angestossen wird nur im kleinen und intimen Rahmen. Bei grösseren oder gar geschäftlichen Anlässen wird nur das Glas erhoben das aber dafür mit Augenkontakt.
  • Ausser in der Hafenpinte ist das Nachschenken die Angelegenheit des Gastgebers. Dass beim Weinwechsel auch das Glas gewechselt wird, versteht sich von selbst.
  • Für unter 85-Jährige ist das Verdünnen von Weinen tabu. Zudem: Eis in den Wein gibt es nicht. Und wenn, dann nur bei Weinen für unter drei Franken die Flasche. Beim Zitronenschnitz liegt die Grenze übrigens bei einem Franken.
  • Trinken Sie nicht zu schnell. Wein ist ein Genussmittel und das Weinglas keine Pferdetränke. Sie wollen ja nicht Ihren Gastgeber vor den Kopf stossen. Und schon gar nicht im Alkoholüberschwang Details aus Ihrem Leben preisgeben, die im Zweifelsfall gegen Sie verwendet werden können.
  • Wer sich teure Wein leisten kann, wird dadurch nicht automatisch zum besseren Menschen und schon gar nicht zum Profi-Önologen. Halten Sie sich beim Angeben mit Ihrem Weinwissen also vornehm zurück.

Britta Wiegelmanns Weintipp - Ein richtiges Saftpaket

Der beste Wein ist der, den man jeden Tag trinken kann, finden die Macher dieses Tropfens, die Familie Giordano. Und tatsächlich: Der Massaro ist ein höchst animierender Vertreter seiner Zunft. In sein Bouquet von Pflaume, Schwarzkirschkonfitüre und dunkler Schokolade würde man am liebsten reinbeissen. Am Gaumen zeigt er die typische Opulenz der Primitivo-Traube, doch auch enorm viel Saft und Frische. So wird man ihn trotz seiner Konzentration nicht leid. Die Trauben für diesen Sonnenwein wachsen in Apulien, dem Absatz des italienischen Stiefels. Von der Sonne verwöhnt und umgeben von zwei Meeren, pflegt man hier eine simple südliche Küche, basierend auf Pasta, Gemüse und frischem Fisch. Dazu ein Glas Massaro? Klingt wie das Rezept für Frühling!

Puglia IGT Primitivo Massaro, 2016

Preis: Fr. 15.95/75 cl
Herkunft: Italien/Apulien
Rebsorten: Primitivo
Genussreife: 20182021
Erhältlich: in grösseren Coop-Läden und bei Mondovino.