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Gaumen-Streichler

Weinfreunde haben den Bordeaux-Jahrgang 2016 mit Spannung erwartet – jetzt kommt er endlich auf den Markt. Er wird als einer der besten der letzten zehn Jahre in die Geschichte eingehen.

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05. November 2018

Vielversprechend: Anlässlich der En-Primeur-Degustationen wurden die Weine des neuen Bordeaux-Jahrgangs sehr hoch bewertet.

Das Bordelais, die Weinregion im Südwesten Frankreichs im Umland der Stadt Bordeaux, immer noch eines der besten Anbaugebiete der Welt. Eine Tatsache, die gerne einmal vergessen geht bei all den Diskussionen über teilweise exorbitant hohe Preise: Für Spitzengewächse zahlen die Kunden drei- bis vierstellige Beträge – pro Flasche. Die Preisbildung funktioniert wie auf dem Kunstmarkt, die verfügbare Menge ist sehr begrenzt, die Nachfrage weltweit steigend.

Allerdings machen diese begehrten Sammlerweine nur einen kleinen Prozentsatz der gesamten Produktion aus. Bordeaux hat weit mehr zu bieten als Premier Crus, doch diese stehen im Vordergrund, und auch beim Jahrgang 2016 kommen Legenden wie Mouton-Rothschild und Haut-Brion perfekt daher. Insgesamt wird der Jahrgang, der jetzt auf den Markt kommt, als hervorragend eingestuft – er gilt sogar als einer der besten der letzten Dekade.

Vielversprechende Jungweine

Darüber war sich die internationale Weinkritik bereits mehrere Monate nach der Lese einig: Bei den sogenannten En-Primeur-Degustationen – so nennt man die Vorabdegustationen der Fassmuster – bekommen Kritiker und Weinhändler einen ersten Einblick hinsichtlich der zu erwartenden Qualität eines Jahrgangs. Meist sind es 5000 und mehr Weinprofis, die dann von Château zu Château ziehen. Sie verkosten und bewerten keine gereiften, marktfähigen Weine, sondern Jungweine, die soeben erst ihren Ausbau im Barrique-Fass angetreten haben.

Die daraus entstehenden Abnahmeverträge sind vergleichbar mit Termingeschäften an der Börse: Im Business mit den Bordeaux-Primeurs werden die wichtigsten «Titel», sprich klassifizierte Gewächse oder Châteaux, gehandelt wie «Wein-Futures», in Subskription eben. Erst gut zwei Jahre später erfolgt die Auslieferung des abgefüllten Weins. Der Kunde finanziert so das Château vor, kann sich im Gegenzug aber besonders begehrte Weine reservieren und von einem zu erwartenden Preisanstieg profitieren – zumindest theoretisch.

Nirgendwo in der Weinwelt ist die Einschätzung durch die Kritik so entscheidend wie im Bordeaux. Nach 2015, das bereits als ein sehr gutes Weinjahr galt, ist 2016 für manch einen nun sogar noch ein Quäntchen besser.

Milder, trockener Sommer

Ein Glück, denn die Region hatte zuvor unter schwachen Jahrgängen zu leiden. 2016 waren aber vor allem die klimatischen Bedingungen speziell: In der ersten Jahreshälfte regnete es ungewöhnlich intensiv, in der zweiten war es dafür knochentrocken. Genau diese Kombination macht den Jahrgang im Nachhinein so speziell. Es war niemals zu heiss, aber trocken und warm. Dazu sorgten kühle Nächte für eine perfekte aromatische Reife. Und im Herbst, als dringend Wasser benötigt wurde, zeigte sich die Natur gnädig und versorgte die Rebstöcke grosszügig.

Alles in allem sind unter diesen Bedingungen Weine entstanden, die bei den ersten Verkostungen durchwegs eine hohe Qualität gezeigt haben. Der 2016er-Jahrgang hat Primeurs hervorgebracht, wie sie ein Bordeaux-Liebhaber sich nur wünschen kann: sehr vollmundig und dicht, mit reifen Tanninen und intensiver Frucht sowie einer knackigen Säure. Und genau diese Ausgewogenheit ist es, die einen grossen Bordeaux-Jahrgang ausmacht.